Delmenhorst Erpresser angeklagt: Delmenhorster drohte Kaufhaus mit Bombe

Lüneburg·Delmenhorst. Am Landgericht Lüneburg hat vor der 4. Großen Strafkammer gestern der Prozess gegen ein Erpresser-Duo begonnen - und einer der beiden Angeklagten ist ein Delmenhorster. Dem 39-Jährigen sowie seinem 58-jährigen Komplizen wird versuchte schwere räuberische Erpressung vorgeworfen.
22.01.2010, 06:33
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Rainer Schubert

Lüneburg·Delmenhorst. Am Landgericht Lüneburg hat vor der 4. Großen Strafkammer gestern der Prozess gegen ein Erpresser-Duo begonnen - und einer der beiden Angeklagten ist ein Delmenhorster. Dem 39-Jährigen sowie seinem 58-jährigen Komplizen, der in Soltau wohnt, wird versuchte schwere räuberische Erpressung vorgeworfen. Sie sollen von der Soltauer Filiale der Kaufhauskette Kaufland in mehreren Anrufen fünf Millionen Euro gefordert haben, bei Nichtzahlung - so drohten sie - werde entweder die Kaufland-Filiale oder ein Lidl-Supermarkt in die Luft gejagt.

'Ich schäme mich, unbeteiligte Personen in Angst und Schrecken versetzt zu haben', gestand der 58-jährige Soltauer am Donnerstag in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung. Auch sein Komplize aus Delmenhorst packte zum Prozessauftakt aus, betonte dabei allerdings, dass es eine Bombe nie gegeben habe.

Beide Männer hatten sich demnach im Herbst 2008 beruflich kennengelernt. Der Soltauer, der eine Ausbildung in der Justiz abgebrochen hatte, wirkte vor der Tat für einen Soltauer Kaminhandel, der Delmenhorster arbeitete auf Provisionsbasis für ein örtliches Hauszubehör-Unternehmen. Schnell wurde auch über private Probleme gesprochen: 'Es mangelte an Geld', blickte der 39-Jährige zurück. Anfangs habe man überlegt, wie man auf legale Weise gutes Geld verdienen könne: 'Es wurde uns klar, dass wir nur Luftschlösser gebaut hatten.'

Im Sommer vergangenen Jahres sei dann erstmals darüber geredet worden, Geld illegal zu beschaffen: 'Zum Beispiel durch kleinere Betrügereien', auch über Erpressungen von Firmen sei gesprochen worden: 'Irgendwann waren wir bereit, die irrwitzigen Hirngespinste in die Tat umzusetzen.' Der 58-Jährige habe nicht nur für ein schöneres Leben, auch für die illegale Beschaffung von Tabletten Geld gebraucht, er sei medikamentenabhängig. Eine Sucht, die der Delmenhorster seiner Aussage zufolge nicht bemerkt hat.

Der 39-Jährige erklärte, dass zunächst Autokennzeichen gestohlen wurden, eine Schreckschusspistole habe er eh besessen. Das Geschehen danach schilderte er folgendermaßen: Am 28. Juli vergangenen Jahres traf sich das Duo auf der Raststätte Salzwedel, schraubte die gestohlenen Kennzeichen ans Auto. Dann fuhren die Täter quer durch Norddeutschland und riefen von fünf Telefonzellen aus die Kaufland-Filialleiterin in Soltau an. Dabei sprachen sie mit russischem Akzent. Ein Anruf erfolgte von der Reeperbahn, um eine Spur ins Kiez-Milieu zu legen. Zu Übergabeverhandlungen allerdings kam es erst zwei Tage später, nach weiteren Telefonaten.

Das Geld sollte auf einem Rastplatz Rehrhof bei Amelinghausen abgelegt werden. 'Am Nachmittag wurde uns eine Handynummer gegeben, wohl von dem Geldtransportunternehmen', so der Delmenhorster weiter, 'die sagten, die bringen die 1,2 Millionen.' Warum es plötzlich nicht mehr um fünf Millionen ging, konnte er gestern nicht sagen. Möglicherweise habe sein

Komplize verhandelt, der aber sagte dazu gestern nichts. Von einer Waldschneise aus beobachteten beide den Verkehr auf der Bundesstraße, der angekündigte Mercedes aber kam nicht. So fuhr das Duo nach Amelinghausen, von wo aus der 39-Jährige um 18.57 Uhr Kaufland anrufen wollte - in dem Moment fasste die Polizei zu.

Der Prozess wird Montag fortgesetzt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+