Bildhauer stellt in Hude aus

Erschwingliche Käfermaske

"Erschwinglich" - so lautet der Titel einer Ausstellung des Bildhauers Wolf E. Schultz im Skulpturenhaus der Klosterremise in Hude. Unter anderem zu sehen sind eine "Käfermaske" und "Neptuns Locke".
30.11.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Erschwingliche Käfermaske
Von Esther Nöggerath
Erschwingliche Käfermaske

Zu seinen neuen Werken in der aktuellen Ausstellung von Wolf E. Schultz gehören der "Wachturm" (rechts) und die Skulptur "Schlang".

INGO MOELLERS

"Erschwinglich" - so lautet der Titel einer Ausstellung des Bildhauers Wolf E. Schultz im Skulpturenhaus der Klosterremise in Hude. Unter anderem zu sehen sind eine "Käfermaske" und "Neptuns Locke".

„Käfermaske“ heißt das Werk, das Teil seiner neuen Ausstellung „Erschwinglich“ ist, die seit dieser Woche im Skulpturenhaus der Klosterremise in Hude zu sehen ist.

„Meistens ist erst das Material da und daraus entwickelt sich dann eine Idee“, erzählt Schultz die Entstehung von „Neptuns Locke“, die am anderen Ende des Raumes zu finden ist. Er habe den Wirbel im Holz gesehen und diesen in seinem Kunstwerk durch die geschwungene Form noch hervorgehoben. Man merkt, dass sich der 76-Jährige sein Leben lang mit dem natürlichen Gewebe beschäftigt hat und es für ihn weit mehr ist als nur bloßes Material für seine Skulpturen. „Was der Holzhändler wie Risse oder Äste als Fehler betrachtet, sehe ich als die Eigenheiten des Stücks“, sagt Wolf E. Schultz. Dementsprechend kann der Künstler auch nie genau vorher sagen, wie seine Werke am Ende aussehen werden. „Das meiste kommt erst während der Arbeit“, berichtet er. „Ganz selten habe ich vorher schon eine genaue Vorstellung im Kopf. Aber dann ist auch immer die Frage, ob das Holz diese auch so mitmacht.“

Keine Auftragsarbeiten

Deswegen nimmt Schultz auch keine Auftragsarbeiten an. Weil er nie genau vorher sagen könnte, ob die Skulptur den Wünschen des Auftraggebers entsprechen würde. „Außerdem steckt in den Werken auch sehr viel Persönliches von mir. In die Seele eines anderen kann ich nicht hinein gucken“, sagt Schultz. Die Motive kämen aus dem, was er erlebt. „Jede Skulptur ist eine Tagebuchseite von mir“, erklärt der Künstler und greift nach einem anderen Stück in der Ausstellung. Es ist deutlich kantiger gearbeitet, mit drei einzelnen Klötzen oben drauf, wie Zinnen. Am Rand sind mehrere Furchen eingearbeitet. „Wächterturm“ heißt diese Arbeit – „eine Skulptur, die ein bisschen aus der Reihe fällt“, sagt der Künstler. Denn eigentlich unterscheidet er bei seinen „Kindern“ nicht nach Favoriten, aber dieses Werk liegt ihm sehr am Herzen. „Ich war sehr lange Zeit noch aus dem Krieg geschädigt und bin ständig wach geworden“, erklärt er. Etwas, das er in dieser Skulptur verarbeitet hat. Erst seit einigen Jahren könne er wieder richtig schlafen. „Jetzt bin ich wirklich zur Ruhe gekommen.“

1121 Arbeiten seit 1970

Eine Arbeit, die beim Betreten der Ausstellung direkt ins Auge fällt, ist eine sehr schmale, aus hellem Holz gefertigte Skulptur. „Schlang“ heißt sie und ruft mit dem Titel gleich zwei Assoziationen hervor – zum einen die eines schlanken Menschen, gleichzeitig erkennt man in dem geschwungenen Körper aber auch den Hals einer aufgebäumten, bedrohlichen Schlange.

24 Werke der aktuellen Ausstellung sind neu und erst im Laufe des Jahres entstanden. Insgesamt kommt Wolf E. Schultz inzwischen auf 1121 Arbeiten, die er seit 1970 gefertigt hat. „Ich hatte mir als 30-Jähriger vorgenommen, die 1000 im Leben zu schaffen“, erzählt er. Als er diese Zahl vor einigen Jahren schließlich erreicht hatte, fühlte sich der Künstler auch ein Stück weit erleichtert. „Ich bin jetzt viel freier, auch für neue Ideen“, sagt er. Aber auf Freiheit habe er sowieso schon immer viel Wert gelegt. Auch für seine andere große Leidenschaft, die Fotografie, nimmt sich der 76-Jährige jetzt wieder mehr Zeit. Und auch diese findet man in der neuen Ausstellung: Auf einem digitalen Bilderrahmen erscheinen immer wieder neue Fotografien aus der Natur. „Waldgeister“, nennt er sie. Gesichter und Fratzen, die man in der Rinde von Bäumen entdecken kann. Eine von ihnen sieht aus wie ein stolzer König, die Nase etwas erhoben und mit einer von Moos bewachsenen Krone. „Aus solchen Waldgeistern sind früher Geschichten und Legenden entstanden“, sagt Schultz.

"Gelungenheitsgrad" entscheidet über Preis

Wie lange er für eine seiner Skulpturen braucht, kann der Künstler nicht genau einschätzen. „Das ist ganz unterschiedlich, manchmal geht es ganz schnell und dann dauert es wieder ganz lange“, sagt er. Eine Figur etwa habe er bereits vor zehn Jahren angefangen, und diese steht nun immer noch unvollendet in seinem Atelier. „Ich habe mich da nicht mehr rangetraut, weil ich mich noch nicht entschieden habe, wie ich den Fuß gestalten will“, erklärt Schultz. Und so lange bleibe die Skulptur eben unangetastet.

Dementsprechend richten sich die Preise der Werke auch nicht nach der Schaffensdauer, sondern nach „Gelungenheitsgrad“, wie Schultz sagt. Alle Arbeiten aus der aktuellen Ausstellung kosten unter 750 Euro – daher rührt auch der Titel „Erschwinglich“. Geöffnet hat das Skulpturenhaus in der Klosterremise immer sonnabends von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie jederzeit bei Anruf in der Klosterschänke unter der Telefonnummer 0 44 08/ 77 77. Weitere Informationen über den Bildhauer gibt es online unter www.wolf-e-schultz.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+