Mit 16 Lastwagen holt der „Refood“-Standort Hude Abfälle tausender Kunden ab – später wird daraus Bioenergie Essensreste auf Rädern

Nicht verzehrte Bratkartoffeln aus dem Gasthof, Äpfel mit braunen Stellen, die den Supermarkt-Standard nicht mehr erfüllen, und Überbleibsel aus Kantine oder Krankenhaus: Wenn Essen in der Region im großen Stil weggeschmissen wird, landet es recht wahrscheinlich in einem der Lastwagen der Firma Refood und wird zur Niederlassung in Hude gebracht. Aus dem Speisereste-Brei, der da entsteht, wird später Bioenergie.
15.12.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tina Hayessen

Nicht verzehrte Bratkartoffeln aus dem Gasthof, Äpfel mit braunen Stellen, die den Supermarkt-Standard nicht mehr erfüllen, und Überbleibsel aus Kantine oder Krankenhaus: Wenn Essen in der Region im großen Stil weggeschmissen wird, landet es recht wahrscheinlich in einem der Lastwagen der Firma Refood und wird zur Niederlassung in Hude gebracht. Aus dem Speisereste-Brei, der da entsteht, wird später Bioenergie.

Hude. Eigentlich soll man Essen ja gar nicht wegschmeißen – so lehrt es die Kindergärtnerin. Gutes Wetter gibt’s im Volksglauben nur für die, die ihren Teller blank hinterlassen. Was zu Hause schon schwierig durchzusetzen ist, ist in großen Küchen überhaupt nicht machbar. Denn welches Restaurant kann seinen Gästen schon auftragen: "Nachtisch servieren wir erst, wenn das Gemüse alle ist." Und einmal abgesehen von dem, was einfach nicht aufgegessen wird, stehen natürlich Knochen, Schalen und benutztes Fett in jedem Fall am Ende der "Nahrungskette". So landen täglich tausende Tonnen organische Reste im Müll – und dann vermutlich in einem der Lastwagen der Firma Refood. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen Marktführer. Von der Küste bis Osnabrück reicht das Einzugsgebiet der Huder Niederlassung – rund 3700 Kunden hat sie.

"Unser Kundenstamm reicht vom kleinen Imbiss bis zum Sterne-Restaurant. Auch bei Krankenhäusern, Kantinen oder der Uni-Mensa holen wir Speisereste ab", sagt Thomas Helmke, Leiter der Refood-Niederlassung in Hude. 40 Mitarbeiter sind hier im Einsatz – die meisten als Lkw-Fahrer. Sie holen Essensreste samt voller Tonne ab, lassen eine leere und desinfizierte da. Regelmäßigen Autofahrern dürften die Lastwagen durchaus aufgefallen sein – das auf das Heck gedruckte Motiv ist meist das gleiche: Ein gut gelaunter Koch schabt Essensreste in eine Mülltonne. Und warum ist er gut gelaunt? Na klar, weil es Werbung ist. Worauf das Lächeln aber anspielt, ist der spätere Weg der Nahrungsmittel. Denn die sollen weder verbrennen noch einfach verrotten, sondern ganz im Sinne der sauberen Energie zu Wärme und Strom umgewandelt werden.

"Die Umwandlung der Lebensmittelreste in Bioenergie passiert aber nicht hier, sondern an Standorten mit einer Biogasanlage", hält Helmke fest. In Kogel (Mecklenburg-Vorpommern) wandelt eine Biogasanlage den Abfall in 21000 Megawattstunden pro Jahr um, insgesamt zehn solcher Anlagen laufen für Refood. Vorher müssen aber noch die Huder ihre Arbeit tun: "Nachdem unsere Fahrer die organischen Reste von unseren Kunden abgeholt haben, entleeren Produktionsmitarbeiter die Behälter in unserer Niederlassung. Eine Förderschnecke transportiert die Speisereste dann zu einer Zerkleinerungsanlage – am Ende des Verfahrens darf das Material höchstens zwölf Millimeter groß sein", erklärt Helmke die nächsten Schritte. Alles dreht sich um EU-Vorschriften. Genauer gesagt die EU-Verordnung 1069/2009. Darin geht’s um tierische Nebenprodukte, die den meisten Speisen enthalten sind. Mit einer genauen Normierung der Arbeit will die Europäische Union Hygienestandards setzen – und so zum Beispiel Seuchen verhindern. Deswegen dürfen die Essensreste aus Imbiss und Restaurant nicht wie bei normalen Bürgern einfach von der Müllabfuhr eingesammelt werden. Das meiste Geld verdient das Unternehmen laut einem Sprecher übrigens nicht mit der Energie, die aus dem Essen entsteht, die Gebühren der Kunden sind die Haupteinnahmequelle. Aus Abfall Gold machen können die Refood-Mitarbeiter also kaum. Immerhin lohnt es sich, das, was in Hude aus dem Trichter kommt, weiterzutransportieren. "Man muss sich die Biomasse einfach als breiige Substanz vorstellen", beschreibt Helmke die gar nicht mehr so appetitliche Spätform der Speisen. Lecker mag sie nicht aussehen, aber im Gegensatz zu den rohen Resten ist sie "hygienisiert" – dafür muss man das Essen eine Stunde lang auf über 70 Grad warm halten.

Der hygienische Brei kommt dann wieder auf einen Transporter – diesmal wird er in einen Tankwagen gepumpt. Dem ist dann nicht mehr so gut wie dem Abhol-Lkw anzusehen, was er eigentlich transportiert. Schließlich sieht er einem Güllewagen zum Verwechseln ähnlich.

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