Schützen in Delmenhorst Schießsport: Zusammenspiel von Körper und Geist

Am Rande des Schützenfestes des Vereins von 1847 wurden am Sonnabend auch die neuen Stadtschützenkönige für Delmenhorst proklamiert.
07.08.2022, 18:00
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Schießsport: Zusammenspiel von Körper und Geist
Von Gerwin Möller

Von den Corona-Beschränkungen zeigt sich auch das Schützenwesen gebeutelt. Jürgen Deeken, Vizepräsident im Oldenburger Schützenbund, blickte am Sonnabend auf zwei Jahre ohne Schützenfeste zurück. Die Menschen mussten zu Hause bleiben, dabei seien auch viele soziale Kontakte auf der Strecke geblieben. Deeken sprach bei der Proklamation der neuen Stadtmajestäten an der Tiergartenstraße.

Den Rahmen für die Bekanntgabe der besten Delmenhorster Schützen bot das noch bis zu diesem Montagabend andauernde Schützenfest. Der Delmenhorster Schützenverein von 1847 sieht sich gerade in seinem Jubiläumsjahr. "Das 175-jährige Bestehen sollte eigentlich Anfang April in der Markthalle gefeiert werden", so Vereinschef Reinhard Majunke. Aufgrund einer anderen, weltweiten Krisenlage, die Ukraine war von Russland überfallen worden, beschränkte man sich auf eine Feier in wesentlich kleinerem Rahmen: "Wir sind mit rund 70 Personen in unserem Vereinsheim zusammen gekommen", so Majunke.

Schützen sind keine Ballermänner

Während der Coronazeit habe man kaum Werbung für den Schießsport machen können, die 1847er verfügen noch über 117 Mitglieder. Und wer auf Scheiben schießt, erwerbe sich nicht den Ruf eines "Ballermanns", tritt Heino Brackhahn, Präsident des Ganderkeseer Schützenbundes, dem auch zwei Vereine aus der Stadt Delmenhorst, nämlich die Adelheider und Annenheider Grünröcke angeschlossen sind, Vorurteilen entgegen. Wer einmal eine Trainingsstunde an einem Schießstand besuche, könne erleben, mit welcher Konzentration dort Sport ausgeübt wird. "Beim Schießen ist auch kreatives Denken gefordert", sagte Jürgen Deeken. Für ihn ist das Schießen ein Zusammenspiel von Körper und Geist, "ein mentaler Sport, der zu 90 Prozent geistige Anstrengung" erfordere.

"Vereine sorgen für Zusammenhalt"

Die Schießsportler nannte Delmenhorsts ehrenamtlicher Bürgermeister Enno Konukiewitz einen festen Bestandteil im gesellschaftlichen Leben der kreisfreien Stadt. Natürlich gehöre zum Schiesport auch die Traditionspflege. Schützenfeste seien immer auch ein Ort der Begegnung, "die Vereine bieten attraktive Freizeitangebote und stiften viel Zusammenhalt". Besonders gefalle ihm das Miteinander der im Fachverband Schießsport zusammengeschlossenen Schützengemeinschaften, "weil sie sich nicht als Konkurrenten sehen, sondern gemeinsam als Partner des Sports handeln". Konukiewitz würdigte in besonderer Weise das Aufrechterhalten der Vereinstätigkeiten in den beiden zurückliegenden, von Corona geprägten Jahren und dankte für die ehrenamtlich geleistete Arbeit.

Die sportliche Leistung und die Präzision, mit der der Sport ausgeübt werde, würdigte auch Helmut Heuermann. Er steht dem Fachverband Schießsport im Stadtsportbund seit dem Jahr 2000 vor. Sein Stellvertreter Heino Brackhahn überreichte ihm dafür die Ehrennadel des Fachverbandes. Brackhahn erinnerte auch an die Versuche Anfang dieses Jahrtausends, in Delmenhorst ein Stadtschützenfest auf der Burginsel zu etablieren. "Wir hätten der Veranstaltung im Zelt für 500 Personen wohl einen anderen Namen, beispielsweise 'Inselparty', geben sollen", so Heuermann. Immerhin habe die Initiative der Schützen dazu beigetragen, dass es heute eine kleine Infrastruktur auf der Burginsel gebe, die von anderen Veranstaltern genutzt werde.

Luftgewehrschüsse auf Spiegelscheibe

Die am Sonnabend ausgerufenen drei Stadtmajestäten haben sich durch ihre Teilnahme an einem in den einzelnen Vereinen organisierten Wettbewerb durchgesetzt. Mit dem Luftgewehr wurde auf sogenannte Spiegelscheiben gezielt. Gewertet wurden die Treffer innerhalb des Zehner-Ringes in der Mitte der Schießscheibe. Bei der Ringwertung wurde das endgültige Ergebnis noch in Zehntelwerte unterteilt. Je weiter der Schuss absolut in der Mitte lag, verbesserte sich das Ergebnis.

Bei den jugendlichen Schützen trafen Ines Einemann und Lina Wichmann (beide Sportschützenverein Adelheide) am besten. Weil das Reglement eine persönliche Anwesenheit zur Proklamation verlangt, beide aber abwesend waren, heimste der Drittplatzierte, Julian Busse, ebenfalls aus Adelheide, die Würde des Jugendkönigs ein. Bei den Frauen war die Entscheidung ebenso knapp wie durch das Regelwerk bestimmt: Birgit Zygmunt und Kerstin Majunke waren gerade 2018 und 2019 Schützenköniginnen und so durch die Statuten mit Sperrzeiten belegt. Zur Damenkönigin wurde am Sonnabend Dagmar Schmidt von der Schützenbrüderschaft Delmenhorst ausgerufen. Als Schützenkönig qualifizierte sich Frank Deneke von den 1847ern vor Rolf Schwarting und Arne Behrens (beide Adelheide).

Info

Zum Schützenfest in Adelheide wird für Sonnabend bis Montag, 27. bis 29. August, auf den Sportplatz neben der Schießhalle eingeladen. Der Festumzug ist für Sonntag, ab 12 Uhr terminiert, zur Königsproklamation mit anschließender Party kommt es am Montag ab 19 Uhr.

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