Professor Bernd Ulrich Hucker stellt seine Sagen-Sammlung „Natternkönigin und Riesen“ vor Fantastisches Harpstedt

Harpstedt. „Simon von Beckeln, den finde ich gut“, verriet Bernd Ulrich Hucker bei der Vorstellung seiner Sagensammlung am Freitagabend. Die Erzählung aus dem Harpstedter Raum beschreibt die Übersiedlung eines Adelsgeschlechtes nach Wildeshausen im 14.
28.11.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Alexandra Penth

Harpstedt. „Simon von Beckeln, den finde ich gut“, verriet Bernd Ulrich Hucker bei der Vorstellung seiner Sagensammlung am Freitagabend. Die Erzählung aus dem Harpstedter Raum beschreibt die Übersiedlung eines Adelsgeschlechtes nach Wildeshausen im 14. Jahrhundert. Aber nicht nur Simon von Beckeln, sondern auch Spukgestalten, Fabelwesen, Riesen und Zauberer finden sich im Sagenschatz der Gemeinde. 43 dieser volkstümlichen Erzählungen aus den historischen Kirchspielen Harpstedt und Colnrade sowie den damals zum alten Amt Harpstedt gehörenden Dörfern hat Bernd Ulrich Hucker gesammelt und mit einer wissenschaftlichen Kommentierung versehen. „Natternkönigin und Riesen. Sagen aus dem Harpstedter Raum“ heißt das Werk, das ab sofort in den örtlichen Buchhandlungen zu erstehen ist.

Bernd Ulrich Hucker hat von 1988 bis 2009 Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Vechta gelehrt, wo er nun eine Professur für Landesgeschichte innehat. Herausgegeben hat der Wissenschaftler die Sammlung im Rahmen des durch Drittmittel finanzierten Forschungsprojektes „Bäuerliche Besiedlungs- und Geschlechterhistorie im mittelalterlichen Amt Harpstedt“.

Bei seinen Recherchen hat Hucker auf die Vorarbeit zweier Figuren zurückgegriffen: Der Amtsschreiber Johann Heinrich Redeker widmete sich im 18. Jahrhundert der Dokumentation mündlich tradierter Erzählungen. Der Harpstedter Schulleiter Robert Grimsehl fertigte Abschriften an, von denen jedoch Passagen fehlen.

Erschienen ist die Sagensammlung im Wissenschaftsverlag Solivagus. „Als ich hörte, dass es um Sagen geht, war ich sofort mit im Spiel“, sagte Verleger Stefan Eick. Beim Format entschied sich der Verlag für eines, das knapp unter Din A5 liegt. Auch bei der Gestaltung haben sich die Verantwortlichen Gedanken gemacht. „Es ist zwar ein wissenschaftliches Buch, aber die Harpstedter sollen es lesen.“ Der Einband ist in dunklem Grün gehalten. Eine goldene Schlange ziert die Vorderseite. Diese und andere fantastische Wesen im Buch zeichnete Huckers 13-jährige Tochter Gabriela.

Kennzeichnend für die Sagensammlung ist die wissenschaftliche Kommentierung, die darauf hinweisen soll, was Mythos ist und an welcher Stelle es sich um historische Begebenheiten handelt. Fantastisches und Historisches sind in der Gattung der Sage eng miteinander verwoben. Die 660 Jahre mündlich überlieferte Erzählung um Simon von Beckeln zum Beispiel birgt noch immer viele Geheimnisse. Der Ritter empfängt Bauern, die ihre Abgaben zu ihm gebracht haben, auf seinem Hof und serviert ihnen anstelle eines Wildbratens eine Katze. Den Irrtum bemerken die Bauern jedoch erst, als Simon von Beckeln ihnen mit einer Katzenpfote hinterherwinkt. Aus Zorn brennen sie das Anwesen nieder. Der Erzählung nach flieht der adelige Ritter in ein Kloster in Wildeshausen. Ein gleichnamiges Adelsgeschlecht blieb der Stadt zwar erhalten, den Vornamen Simon hat Bernd Ulrich Hucker bei seinen Nachforschungen jedoch nicht ausfindig machen können. „Ob es zur damaligen Zeit überhaupt einen Brand gegeben hat, weiß man nicht.“

Das regionalgeschichtliche Forschungsprojekt ist noch nicht abgeschlossen. 2008 wandte sich die Professorin Karin Holm, die dessen Beiratsvorsitzende ist, an Hucke. Früh habe sich die Gemeinde Harpstedt eingeklinkt. Zwei Jahre später erhielt das Forschungsprojekt ein Stipendium für zwei Doktorandenstellen. Der 69-jährige Herbert Bock hat vergangenes Jahr seine Arbeit veröffentlicht, in der er sich mit den Kirchspielen Harpstedt und Colnrade zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert beschäftigt hat. Die Dissertation von Mareike Hustedt ist derweil noch nicht fertiggestellt. Eine Chronik über das 18. Jahrhundert und ein Sonderbuch über Ritter und Knappen sind in der Mache und sollen 2017 erscheinen, kündigte Karin Holm an.

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