Frau aus Rumänien wegen Fälschung und Betrugs angeklagt Fehlende Unterlagen verzögern Prozess

Delmenhorst. Einen Kriminalfall mit deutlichen Hinweisen auf südosteuropäische Mafiastrukturen hat seit Dienstag das Delmenhorster Jugendschöffengericht zu verhandeln. Angeklagt ist eine junge Frau aus Rumänien, um die sich offensichtlich mehrere Geheimnisse ranken.
24.02.2010, 08:00
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Von Helmuth Riewe

Delmenhorst. Einen Kriminalfall mit deutlichen Hinweisen auf südosteuropäische Mafiastrukturen hat seit gestern das Delmenhorster Jugendschöffengericht zu verhandeln. Angeklagt ist eine junge Frau aus Rumänien, die nach ihren Angaben im Sommer 1991 geboren worden sei, nach einem in den Gerichtsakten befindlichen Sachverständigengutachten allerdings spätestens 1990 zur Welt kam. Ebenfalls nach ihren eigenen Angaben habe die verheiratete Angeklagte bisher noch nie eine Schule besucht.

Laut Anklageschrift soll die möglicherweise 18-Jährige allerdings am 15. Dezember 2009 in einer Delmenhorster Innenstadt-Bank geschickt genug gewesen sein, um nicht nur einen Auszahlungsbeleg eines 80-jährigen Rentners zu fälschen, sondern diesen zugleich um 1000 Euro zu prellen. Unmittelbar vor der Bank war die Angeklagte von einer Polizistin gestellt worden. Seitdem sitzt die Rumänin in Untersuchungshaft.

Angeklagt ist die junge Frau nun wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs sowie wegen gewerbsmäßigen Diebstahls - zwei Vorwürfe, die sie nun womöglich erneut für längere Zeit hinter Gefängnisgitter bringen können. Denn die einst in Berlin lebende junge Frau war in Deutschland schon früher strafrechtlich so erheblich aufgefallen, dass sie hier zu einer längeren Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt worden war. Einen Teil dieser früheren Strafe hat die junge Frau inzwischen verbüßt, danach war sie in ihr Geburtsland abgeschoben worden.

Angeblich war sie erst dreieinhalb Monate vor der ihr nun vorgeworfenen Tat erneut nach Deutschland eingereist. Ihre beiden Verteidigerinnen bemühten sich gestern mit Vehemenz, für ihre Mandantin ein erträgliches Urteil zu erreichen. Wichtige Station dahin könnte ein psychiatrisches Sachverständigengutachten sein, das das Amtsgericht gestern über die Schuldfähigkeit der Angeklagten in Auftrag gegeben hatte.

Gravierende Details

Zuvor hatten die Verteidigerinnen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit Unterstützung einer Dolmetscherin offenbar solch gravierende Details der Lebenssituation der Heranwachsenden dargelegt, dass sich das Gericht zu dem überraschenden Schritt veranlasst sah. 'Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise auf die Notwendigkeit der Einbeziehung eines Gutachters', hatte die Staatsanwältin zunächst noch erklärt. Doch schon zu diesem Zeitpunkt hatten die Verteidigerinnen darauf verwiesen, dass aufgrund unterschiedlicher Angaben über den Namen und das Geburtsdatum der Angeklagten in der Vergangenheit nicht alle Unterlagen bei Gericht vorhanden seien. Bis zur Ansetzung eines neuen Verhandlungstermins in zirka sechs Wochen will sich der Vorsitzende Richter daher um weitere Unterlagen aus Berlin bemühen.

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