Delmenhorst Feuerwehr muss dringend aufrüsten

Delmenhorst. Feuerwehrchef Thomas Stalinski hat einen 113 Seiten starken Bericht mit Zündstoff verfasst. Zwar geht es der Delmenhorster Feuerwehr demnach nicht dramatisch schlecht, doch um auch künftig eine leistungsfähige Wehr zu haben, muss die Stadt viel Geld ausgeben.
24.11.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Der Titel des 113 Seiten starken Papiers klingt eher trocken: "Brandschutzbedarfs- und Entwicklungsplan 2010 der Feuerwehr Delmenhorst". Doch in dem Werk, das Feuerwehrchef Thomas Stalinski verfasst hat, steckt Zündstoff. Zwar geht es der Delmenhorster Feuerwehr demnach nicht dramatisch schlecht, doch um auch in Zukunft eine leistungsfähige Wehr zu haben, muss die Stadt richtig viel Geld in die Hand nehmen. Die Details wird Stalinski heute den Politikern im Ausschuss für Gesundheit, Verbraucherschutz und Gefahrenabwehr vorstellen.

Unterm Strich kommt Stalinski, der sich gestern noch nicht öffentlich zu dem Bericht äußern wollte, bevor er heute die Politik informiert hat, zu dem Schluss, dass die Delmenhorster Feuerwehr nicht nur neue Mitarbeiter benötigt, sondern auch neue Geräte und teilweise auch neue Gebäude. Und dabei handelt es sich nicht um Anschaffungen, die Delmenhorst eine Luxus-Wehr bescheren. Stalinski betont in seinem Resümee: "Abschließend soll klargestellt werden, dass die beschriebenen Maßnahmen grundsätzlich den erforderlichen Bedarf zur Erreichung des minimal erforderlichen Sicherheitsniveaus und Schutzniveaus beschreiben."

Investitionen sind jetzt nötig

Doch Neuanschaffungen kosten Geld, viel Geld, um genau zu sein. Nur: Die Stadt ist pleite, die Kommunalaufsicht sitzt ihr im Nacken, jeder Cent, der nun in Sicherheit investiert wird, muss an anderer Stelle wieder eingespart werden. Und auf bessere Jahre warten, geht auch nicht, wie Stalinski schreibt. Neues Personal muss so schnell wie möglich her, das gilt genauso für eine neue Schutzausstattung und ein Löschwasserfördersystem. Ein heißes Thema für die Politik, zumal im Herbst 2011 Kommunalwahlen anstehen.

Die Wunschliste, die Stalinski der Politik da kurz vor Weihnachten präsentiert, ist üppig: Rein rechnerisch fehlen der Delmenhorster Feuerwehr zurzeit 12,564 Mitarbeiter, alles Beamte, die die Kommune viel Geld kosten. Zumal sie aufwendig ausgebildet werden müssen. Doch damit nicht genug: Der Feuerwehrchef empfiehlt zudem, einige der bisher bestehenden Stellen in Zukunft besser zu bezahlen. Die neuen hauptamtlichen Kräfte sind übrigens allein schon deswegen nötig, weil den drei Freiwilligen Feuerwehren Hasbergen, Stadtmitte und Süd die Leute fehlen. "Die Verfügbarkeitsanalyse der Ortsfeuerwehren hat gezeigt, dass sie zurzeit nur teilweise und nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit in der Lage sind, die Schutzziele mit zu gewährleisten." Und die jetzige hauptamtliche Mannschaft arbeite wegen gestiegener Ansprüche bereits an der Belastungsgrenze, allein im Jahr 2008 fielen laut Stalinski zirka 700 Überstunden an.

Auch die Bausubstanz der Feuerwehrhäuser ist laut dem Bericht in Teilen nicht mehr hinnehmbar. Beispiel Hasbergen: "Das Feuerwehrhaus ist dringend sanierungsbedürftig. Eine Abhilfe der Mängel unter Beachtung wirtschaftlicher Gesichtspunkte ist nur durch einen Neubau zu realisieren." Da die Hasberger in Zukunft unter anderem wegen der neuen Bundesstraße 212 auch einen größeren Aufgabenbereich betreuen müssen, benötigen sie zudem zwei neue Fahrzeuge, also mehr Platz. Stalinski schätzt, dass die Kosten allein für den Neubau 450000 Euro betragen.

Aber auch die Hauptberufliche Wachbereitschaft, bei der die Berufsfeuerwehrleute arbeiten, braucht neue Geräte, zum Beispiel ein "Hochleistungs-Löschwasserförderungs-Modul". Das ist nötig, weil laut Stalinski in einigen Stadtteilen wie Iprump und Düsternort die "Löschwassermengen schon heute nicht mehr im ausreichenden Umfang zur Verfügung" stehen. Kosten: 450000 Euro. Zudem müsse die Feuerwehr langfristig auch ein eigenes "Öl-Spur-Beseitigungsfahrzeug" für 200000 Euro und einen weiteren Pkw für rund 20000 Euro anschaffen.

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