Rückblick auf Klinikbrand in Delmenhorst

Feuerwehrchef: „Teilweise höchst gefährlicher Einsatz“

Am 16. September brannte das Josef Hospital Mitte in Delmenhorst. Feuerwehrchef Thomas Stalinski schilderte dem Ratsausschuss für Gefahrenabwehr jetzt den Löscheinsatz aus Sicht der Einsatzkräfte.
13.10.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

Am 16. September brannte das Josef Hospital Mitte in Delmenhorst. Feuerwehrchef Thomas Stalinski schilderte dem Ratsausschuss für Gefahrenabwehr jetzt den Löscheinsatz aus Sicht der Einsatzkräfte.

Ausdrücklich gestellt hat die Frage allerdings niemand, und so wurde sie auch nicht beantwortet. Dabei hatte Stalinski gleich mehrfach recht deutlich auf diesen Punkt hingewiesen. Schon die ersten Feuerwehrleute hätten auf der Anfahrt nicht nur starken Rauch, sondern auch Feuerschein aus dem Gebäude steigen sehen, sagte Stalinski, und: „Bis so ein Dachstuhl durchbrennt, das dauert seine Zeit.“ Später sprach er noch einmal von einer „gewissen Vorbrennzeit“, die für ein derartiges Ausmaß nötig sei.

Damit schien er sich nicht allein auf die in diesem Fall vergleichsweise lange Anfahrt zu beziehen, weil der größere Teil der Berufsfeuerwehr und die Ortsfeuerwehr Hasbergen schon seit dem Vormittag bei Groß Emshoop im äußersten Osten des Stadtgebiets Strohballen löschen mussten und auch die zunächst noch in der Feuerwache verbliebene Drehleiter-Besatzung wenige Minuten vor dem um 13.44 Uhr ausgelösten Brandmelde-Alarm zu einer Türnotöffnung gerufen worden war. „Menschenrettung geht über alles“, beschrieb der oberste Feuerwehrmann der Stadt dann die Prioritäten, als die ersten Einsatzkräfte eingetroffen waren. Allerdings hätten sie zunächst vor einer Schwierigkeit gestanden: „Keiner wusste so genau, wo noch Menschen sind. Das musste erstmal geklärt werden.“

Plötzlich stürzte eine Zwischendecke ein

Als ausgeschlossen werden konnte, dass sich noch Menschen im Gebäude befanden, und die Einsatzkräfte sich voll auf die Brandbekämpfung konzentrierten, „stürzte ohne Vorwarnung die Zwischendecke im dritten Obergeschoss vollständig ein“, berichtete Stalinski. „Da waren die Kollegen nur ein paar Sekunden vorher noch drin, um den Innenangriff vorzubereiten.“ Sie seien heil davongekommen, Ausrüstung und Schläuche hätten sie jedoch aufgeben müssen, „die haben wir im Schutt wiedergefunden“.

Kurzzeitig habe es auch so ausgesehen, als ob der Brand sich auf den Altbau ausdehnen würde. Bis zum Spitzboden im Übergang hatten sich die Flammen schon durchgefressen. „Der Bereich stand kurz vorm Durchzünden“, war Stalinskis Einschätzung,„aber letztendlich haben wir das Feuer dort halten und zurückdrängen können“.

Am Nachmittag gegen 16 Uhr war der Brand zumindest unter Kontrolle, verbreitete sich also nicht mehr weiter. Insgesamt habe der teilweise „höchst gefährliche Einsatz, der uns materiell und und menschlich sehr gefordert hat“, allerdings rund 24 Stunden gedauert, sagte Stalinski, später nötige Nachlöscharbeiten nicht inbegriffen. Rund 300 Feuerwehrleute aus Delmenhorst, den angrenzenden Landkreisen und Bremen seien daran beteiligt gewesen, umriss er die Dimension. Und noch eine andere Zahl: In den Spitzenzeiten seien pro Minute 12 000 Liter Wasser durch die Schläuche gepumpt worden. Dieser Bedarf sei teilweise aus der unmittelbar an dem Krankenhaus vorbeifließenden Kleinen Delme gedeckt worden. Darüber hinaus musste das Hydrantennetz herhalten, bis hin zur Friedrich-Ebert-Allee.

Die Aufstellplätze für die Feuerwehrfahrzeuge, insbesondere die fünf Drehleitern, seien ausreichend gewesen, sagte Stalinski. Dass früh angekommene Fahrzeuge oder auch Ausrüstung gelegentlich später nachrückenden Kräften im Weg stehen, sei in so einer Situation nicht zu vermeiden. Auf die Verbindungsbrücke zwischen dem Krankenhaus-Komplex und dem Medizinischen Versorgungszentrum, die im ersten Obergeschoss über die Westerstraße führt, ging er in diesem Zusammenhang nicht ein. Ratsfrau Annette Schwarz (CDU) hatte wenige Tage nach dem Brand eine Anfrage an die Verwaltung gestellt, in der es um den Brandschutz bei der Brücke und unter anderem um eine mögliche Behinderung der Drehleiter ging. Vorbeugender Brandschutz und der Brandschutzgutachter des damaligen St.-Josef-Stifts hätten hinsichtlich der Lage, Abmessungen und Höhe keine Bedenken gehabt, lautete die Antwort.

Stalinski erwähnte die gläserne Verbindung allerdings in einem anderen Zusammenhang. „Wir haben Glück gehabt, dass das Krankenhaus nicht belegt war“, betonte er. „Das da sind übrigens Patientenzimmer“, hatte er zuvor schon Fotos kommentiert, auf denen unmittelbar oberhalb der Fenster lodernde Flammen zu sehen waren. Wenn dort noch Menschen gewesen wären, hätte man zunächst versuchen müssen, sie auf dem jeweiligen Geschoss in den nächsten Abschnitt zu bringen und letztlich aus dem Gebäude heraus. „Wir hätten das komplette Ding leermachen müssen“, sagte Stalinski. Und dabei hätte die Brücke sogar helfen können, indem Menschen durch sie und das MVZ hindurch bis zur Bahnhofstraße hätten transportiert werden können.

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