Allein am Sonnabend waren rund 400 Helfer für die Aktion „Delmenhorst putzt sich heraus“ unterwegs

Fleißige Hände gegen den Müll

„Das ist eine Katastrophe für die Tiere. Der Müll kann für sie zur Falle werden.
14.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von ALEXANDRA PENTH

Wilden Müllkippen und Unrat an Bachläufen, Wegrändern und Grünstreifen sagten am Sonnabend allerorts wieder etliche Delmenhorster den Kampf an. Die Helfer leisteten bei der jährlichen Aufräumaktion „Delmenhorst putzt sich heraus“ ganze Arbeit und machten die Stadt hübsch für den Frühling.

Am späten Morgen schwärmten die einzelnen Gruppen in ihren Einsatzgebieten aus. So auch die Gruppe um den runden Tisch Tiergarten mit tatkräftiger Unterstützung von Anwohnern. Allmählich erreichten immer mehr Helfer den Schotter-Parkplatz der Schützenhalle vor dem Waldstück – Erwachsene und Kinder, einige mit Schubkarren ausgerüstet. Müllbeutel wurden von der Rolle gezupft, Handschuhe, orange Warnwesten und die obligatorischen Greifzangen aus der von der Delmenhorster Abfallwirtschaft (ADG) zur Verfügung gestellten Tonne geholt, ehe es losging. „Dann habe ich hier die lange Schleife an der Bahn und wieder zurück“, verteilte Gruppenleiter Detlef Riedel eine Route unter dem 18-köpfigen Team. Insgesamt fünf Pläne hatte er ausgearbeitet, um jeden Winkel des Waldstücks zu durchkämmen. Erfahrungsgemäß ist die Verschmutzung im Tiergarten besonders an den Sitzbänken schlimm, weiß Riedel. Auch der See inmitten des Tiergartens werde häufig als Müllkippe benutzt. „Wenn der Wind drückt, kommt alles ans Ufer, und wir können ordentlich zulangen“, sagte er.

Währenddessen war Familie Rohde am hinteren Waldstück direkt an der Grenze zur Nachbargemeinde Ganderkesee beschäftigt. Ihre Ausbeute schleppte die vierköpfige Familie an den Straßenrand, um sie später zur Sammelstation an der Schießhalle zu bringen. Bereits vier Säcke stapelten sich nach kurzer Zeit. „Das lag auf 200 Metern im Wald“, sagte Peter Rohde und deutete auf ein marodes Fernsehregal in Birkenoptik. Mia (4) und Maximilian (9) hatten das Stück am See ausfindig gemacht. Neben massenhaft Papier- und Verpackungsresten, wanderten sogar eine Fischreuse und ein Spaten auf den Müllberg. Wie so etwas in den Wald kommt, ist für die Familie unverständlich: „Das ist eine Katastrophe für die Tiere. Der Müll kann für sie zur Falle werden“, sagte Katja Rohde.

In Leuchtwesten halfen auch Vereine und Nachbarschaftsgruppen an verschiedenen Standorten beim Großreinemachen. Zum mittlerweile zwölften Mal ist die Stadt beim norddeutschen Gemeinschaftsprojekt „Der Norden räumt auf“ mit von der Partie. Rund 400 Helfer waren allein am Sonnabend bei der Aktion im Einsatz. Der WDW Kanusport Delmenhorst suchte zum Beispiel zu Wasser das Delme-Ufer nach Müll ab und zog vom Friesenpark bis zur Wassermühle Hasbergen.

Graft und Burginsel waren fest in Kinderhand. Dort suchte die 15-köpfige Gruppe der Kinderfeuerwehr nach Müll. Und der versteckte sich meist in den Büschen. Luca (8) entdeckte eine Flasche im Gebüsch, und schon kam die Greifzange zum Einsatz. „Die will einfach nicht“, ärgerte er sich, schaffte es schließlich aber doch, den Gegenstand in die Plastiktüte zu befördern. „Vier bis fünf Säcke bekommen wir sicher zusammen“, sagte Helfer Matthias Klein. Der Spaß am Sammeln stand für die Kinder sichtlich im Vordergrund. Aber auch der Ernst wurde nicht aus den Augen verloren. „Das hilft schließlich der Natur“, sagte Josephine (9). „Es ist wichtig, dass man das hier mit den Kindern macht. Was die in die Müllsäcke donnern, ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde achtlos weggeworfen“, betonte Jugendfeuerwehrwart Klaus Fischer, der ein Auge auf die Sammelaktion hatte.

Die Graftwiesen und den Burggrafendamm nahmen sich die Wohnmobilfreunde vor. Traditionell waren die 25 Mobilisten schon am Vorabend auf den Fahrzeug-Stellplatz auf die Graftwiesen gezogen und hatten sich auf das gemeinsame Müllsammeln eingestimmt. „Das Wetter ist gut, die Stimmung ist gut“, freute sich Wolfgang Vieluf. Die Wohnmobilfreunde sehen die Stellplätze als Aushängeschild für ihre Stadt: „Wenn man wo ankommt, und es ist dreckig, mögen wir das woanders ja auch nicht“, sagte Wolfgang Vieluf. Der 69-Jährige versorgte die ausgeschwärmte Gruppe per Fahrrad mit Müllbeuteln. Die Befürchtung, es könnten zu wenig sein, hatte er nicht – es habe aber schon andere Zeiten gegeben. „Früher mussten wir richtig knüppeln, mittlerweile ist der Müll glücklicherweise weniger geworden“, zog Vieluf Bilanz. Ein Kühlschrank sei in den sieben Jahren dabei gewesen. Heute sind es vor allem die haufenweise gefundenen Pfandflaschen, die bei Wolfgang Vieluf auf Unverständnis stoßen. „Das ist doch bares Geld, das weggeworfen wird“, sagte er.

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