St.-Josef-Stift: Trainingslager des Geburtshilfe-Teams Fortbildung zum Wohle der Kleinsten

Delmenhorst. Ein kleiner, krächzender Schrei hallt durch die Flure der Entbindungsstation des St.-Josef-Stifts. Im Kreißsaal 1 ist am Sonnabendmorgen wieder ein kleiner Mensch zur Welt gekommen und lässt das auch alle wissen. Kreißsaal 2 ist gerade von Ärzten und Hebammen besetzt. In dem hellen Raum mit dem Storch an der Tür, dem Sternenhimmel über dem Bett, der großen türkisfarbenen Badewanne und den Schränken voller medizinischer Geräte findet ein Teil ihrer Fortbildung statt.
14.03.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Viola Diem

Delmenhorst. Ein kleiner, krächzender Schrei hallt durch die Flure der Entbindungsstation des St.-Josef-Stifts. Im Kreißsaal 1 ist am Sonnabendmorgen wieder ein kleiner Mensch zur Welt gekommen und lässt das auch alle wissen. Kreißsaal 2 ist gerade von Ärzten und Hebammen besetzt. In dem hellen Raum mit dem Storch an der Tür, dem Sternenhimmel über dem Bett, der großen türkisfarbenen Badewanne und den Schränken voller medizinischer Geräte findet ein Teil ihrer Fortbildung statt.

Wie in jedem Jahr brachte das Geburtshilfe-Team sein Wissen auf den neuesten Stand und wies die Neulinge in der Mannschaft ein. Das fängt bei der Frage an, wo die Handtücher liegen und wo die medizinischen Gerätschaften für den Ernstfall. Wo ist der Lichtschalter im OP? Wo die Telefonnummer für den Facharzt? Das Geburtshilfe-Team muss und möchte für alle Fälle gerüstet sein und Hand in Hand arbeiten. Oberärztin Dr. Katharina Lüdemann sagt über den Sinn und Zweck der Veranstaltung: "Auch die Neulinge sind alte Häsinnen in ihrem Job, aber es ist wichtig, dass man sich abstimmt. Und natürlich gibt es nicht jährlich fundamentale Änderungen in der Geburtshilfe, aber bestimmte Richtlinien, über die wir auf dem neuesten Stand sein wollen."

Neben einiger Theorie und einer Führung wurde auch praktisch geübt. Alle müssen für den Notfall gerüstet sein, mag er auch noch so selten eintreten. "99 Prozent aller Kinder liegen kurz nach der Geburt an der Brust der Mutter, da wo sie hingehören", erzählt die Oberärztin. "Aber wenn das mal anders ist, muss es schnell gehen." Praktische Übungen gab es unter anderem an einem Modell des weiblichen Beckens - wobei: Besonders schön sieht das Modell nicht aus, aber es erfüllt seinen Zweck. An ihm können die benötigten Handgriffe für komplizierte Geburten trainiert werden.

Oberarzt Dr. Klaus Stawowy hielt zu diesem Thema zusätzlich einen Vortrag. "Es gibt im Grunde den Fall nicht mehr, dass es einem Kind nach der Geburt ganz plötzlich schlecht geht. Das ist vielleicht noch in einem von 1000 Fällen so." Durch die Untersuchungen während der Schwangerschaft und kurz vor der Geburt gibt es mittlerweile eine recht verlässliche Risikoeinschätzung. Der medizinische Fortschritt ermöglicht eine Vielzahl von Untersuchungen, die eine komplikationslose Geburt ermöglichen beziehungsweise vorwarnen, wenn es zu Schwierigkeiten während der Geburt kommen könnte. "70 Prozent der Geburten verlaufen ganz normal", sagt Stawowy. "Und wenn es nicht so ist - dafür sind wir ja da." Für das Kind wie auch für die Mutter. "Ein Problem ist zum Beispiel, wenn es zu starken Blutungen bei der Mutter kommt", berichtet Chefarzt Dr. Eckart Wiegers. "Dann kann es sein, dass operiert werden muss. Wobei es inzwischen auch schon sehr gute Medikamente gibt."

Fachsimpeln über Homöopathie

Es blieb auch Zeit zum Fachsimpeln für die Anwesenden. Zum Beispiel über die Wirkung homöopathischer Mittel, die auf der Station zum Einsatz kommen. Ebenso wie Aromatherapien, Akupunktur oder neuere, technische Mittel. Da wäre die sogenannte "Tens-Behandlung", bei der durch die Entspannung der Rückenmuskulatur eine Schmerzreduzierung für die entbindende Mutter bewirkt wird.

Hebammen und Ärzte sind mit sichtlich guter Laune bei der Sache. Und doch sind sie sich bei aller Spaßerei ihrer Verantwortung bewusst. Wiegers: "Eine Geburt ist immer Stress. Aber positiver Stress. Wichtig ist, dass man, auch wenn man schon 10000 Kinder mit auf die Welt gebracht hat, nie den Respekt vor der Situation verliert."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+