Ehrenamtliche des Jahres in Delmenhorst Frau Krön wird gekrönt

63 Vorschläge waren eingereicht worden. Am Ende entschied die Jury: Renate Krön ist die Ehrenamtliche des Jahres in Delmenhorst. In Düsternort ist die 60-Jährige so etwas wie der gute Geist des Quartiers.
17.11.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Frau Krön wird gekrönt
Von Andreas D. Becker

63 Vorschläge waren eingereicht worden. Am Ende entschied die Jury: Renate Krön ist die Ehrenamtliche des Jahres in Delmenhorst. In Düsternort ist die 60-Jährige so etwas wie der gute Geist des Quartiers.

Die 60-Jährige ist irgendwie so etwas wie der gute Geist des Quartiers. Und deswegen wurde sie am Mittwoch bei der Veranstaltung „Ehrenamt verbindet“ in der Markthalle von Oberbürgermeister Axel Jahnz, Bürgermeisterin Antje Beilemann und Bürgermeister Hermann Thölstedt als Ehrenamtliche des Jahres 2016 ausgezeichnet.

„Sie haben etwas zu geben. Und Sie schauen nicht darauf, wer da vor Ihnen steht“, sagte Jahnz in seiner Laudatio. Er hob ausdrücklich hervor, dass sich Renate Krön bereits seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert, dass sie ein stets gut gelaunter Mensch sei und ein gutes Beispiel für Tat- und Schaffenskraft. „Wir sagen als Delmenhorster: Wir sind sehr, sehr stolz auf Sie. Sie haben es verdient.“

Seit dem vergangenen Jahr ehrt die Stadt auf diese Weise im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in der Markthalle einen Ehrenamtler. Am Mittwoch gab es nicht nur die Laudatio für die Gewinnerin, sondern auch Musik mit Lars Schneider und Timo von Seggern alias die „Twinns“, Zauberei und Komik mit Tim Jantzen und Akrobatik mit der Showturngruppe des TV Deichhorst. Zudem soll die Veranstaltung dem Austausch der Ehrenamtler untereinander dienen, bei einem Snack und Getränken sollen sie ins Gespräch kommen.

Seit über 30 Jahren schon lebt Renate Krön in Düsternort, einem Stadtteil, der nicht unbedingt positiv besetzt ist bei vielen Delmenhorstern. Nördlich der Autobahn ist der Stadtteil geprägt vom Nachkriegs-Geschosswohnungsbau, viele Ausländer leben dort, zuletzt hat die Stadt gerade dort auch viele Flüchtlinge untergebracht. Düsternort hat sich allein in der Zeit, in der Renate Krön dort wohnt, sehr gewandelt. „In meinem Hauseingang leben Menschen aus vier Nationen“, erzählte sie. Und trotz des Wandels in der Nachbarschaft gehe es immer herzlich zu. „Wenn man sich im Treppenhaus trifft, gibt es mindestens immer ein nettes Hallo, wie geht‘s“, erzählte sie. Und einmal, als sie für ein paar Tage nicht zu Hause war, fiel ihr eine Nachbarin, die erst gerade nach Deutschland geflüchtet war, um den Hals und freute sich, Renate Krön wiederzusehen. Und genau dieses Klima fördert sie selbst auch durch ihre Art und ihr Engagement. „Ich habe auch nicht vor, aufzuhören“, sagte Renate Krön. „Viele Sachen, die ich mache, mache ich gern.“ Und allen, die sie mal wieder nicht erreichen können, gab sie den Tipp, einfach auf den Anrufbeantworter zu sprechen. Sie rufe zurück. Sobald sie wieder zu Hause ist.

Lange Liste der Aktivitäten

Die Liste dessen, was Renate Krön für ihren Stadtteil tut, ist lang. Da ist nicht nur die zweiwöchentlich stattfindende Nähwerkstatt im Nachbarschaftsbüro, in der sie zusammen mit Helma Gehrken-Bendlage die Teilnehmer an der Nähmaschine anleitet. Immer wieder bietet sie Workshops zu Themen wie Taschen oder Kissen an. Und wenn Mütter zum Nähen ihre Kinder mitbringen, kümmert sich Renate Krön auch um sie, liest vor, malt mit ihnen, hilft ihnen, Deutsch zu lernen. „Renate ist immer mit Tatkraft dabei, wenn Hilfe gebraucht wird“, sagen sie im Nachbarschaftsbüro über sie. Sei es, dass Blumensträuße für die Dekoration des Cafés Düsternort benötigt werden, sei es, dass sie etwas zum Grillen mitbringt, sei es, dass sie ihren Nachbarn hilft, Alltagsprobleme zu bewältigen, zum Beispiel bei Behördengängen.

Dass es Renate Krön wirklich um ihren Stadtteil geht, zeigt sich auch daran, dass sie nicht nur im Nachbarschaftsbüro zu finden ist. Im Kinder- und Jugendhaus Horizont findet wöchentlich der offene Flüchtlingstreff „Wind-Café“ statt, den sie unterstützt und weshalb sie einen guten Draht zu all den neuen Nachbarn hat. In der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Zu den zwölf Aposteln gehört Renate Krön zum Frauen-Kreativ-Kreis, der Produkte für die Basare der Gemeinde herstellt und durch deren Verkauf Geld in die Kasse der Gemeinde für weitere Projekte gespült wird. Und dann ist Renate Krön auch noch Mitglied im Kleingartenverein, seit fast einem Jahr engagiert sie sich dort als Fachberaterin. Und immer wieder lädt sie ihre Nachbarn auf ihre Parzelle ein.

Mit der Veranstaltung „Ehrenamt verbindet“ dankt die Stadt jährlich Menschen, die sich in Delmenhorst besonders verdient gemacht haben, indem sie sich ehrenamtlich engagieren. Insbesondere junge Menschen sollen dadurch auch in ihren Bestrebungen für ein gemeinsames, uneigennütziges Miteinander bestärkt werden. In diesem Jahr wurden 63 Ehrenamtler für die Auszeichnung vorgeschlagen. Renate Krön wurde schließlich von einer Jury, die sich unter anderem aus Bürgermeister Thölstedt, Holger Fischer vom Stadtsportbund und mehreren Journalisten zusammensetzte, aus all den Nominierten ausgewählt. Darunter befanden sich Mitglieder von Hilfseinrichtungen wie dem Technischen Hilfswerk oder der Freiwilligen Feuerwehr, Kulturschaffende oder Sportler. Ausschlaggebend für die Wahl Renate Kröns war unter anderem, dass sie nicht nur in einem Verein oder für eine Institution tätig ist, sondern einfach da mithilft, wo Hilfe wirklich gebraucht wird. Was eindrucksvoll zeigt, dass es ihr wirklich um ihren Stadtteil geht.

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