Große Sause zum Weltkindertag am und im Jute-Center lockt so viele Besucher wie noch nie an Fröhliches Fest – aber wohl ohne Happy-End

Seit vier Jahren findet die Feier zum Weltkindertag nun schon zwischen Bahnhof und Jute-Center statt. So voll wie gestern war es noch nie. Denn nicht nur, dass die Sonne mächtig schien, sondern der 20. September, das offizielle Datum des Weltkindertages, fiel auf einen Sonnabend. Phasenweise gab es kein Durchkommen mehr.
22.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von BJÖRN BLAAK

Seit vier Jahren findet die Feier zum Weltkindertag nun schon zwischen Bahnhof und Jute-Center statt. So voll wie gestern war es noch nie. Denn nicht nur, dass die Sonne mächtig schien, sondern der 20. September, das offizielle Datum des Weltkindertages, fiel auf einen Sonnabend. Phasenweise gab es kein Durchkommen mehr.

Hätte man sich am Sonnabendmittag einmal alle Menschen vom Jute-Vorplatz weggedacht, die, als der Weltkindertag von der UNO ins Leben gerufen wurde, noch nicht geboren waren, es bliebe vielleicht eine Handvoll übrig. Denn das war vor 60 Jahren. Die Vereinten Nationen wollten damals mit der Initiative erreichen, dass man sich mindestens ein Mal im Jahr für die Rechte der Kinder einsetze.

Doch über viele Jahre wurde der Tag sowohl von Regierungen als auch von der Öffentlichkeit schlichtweg ignoriert. Erst als das deutsche Kinderhilfswerk 1989 beschloss, diesen Tag mit einem Kinder- und Jugendfest zu zelebrieren, begann sich der Tag zu etablieren. 2014 war nun Jubiläum. Zum 25. Mal gab es anlässlich des Weltkindertages ein Fest. Gefeiert wird dieses inzwischen in 145 Staaten der Erde.

Obst und Delmenhorster Wasser

In Deutschland fanden die Hauptveranstaltungen in Köln und Berlin statt. Aber auch in Delmenhorst steppte der Bär. Bereits zum vierten Mal luden Unicef und GiK auf den Vorplatz des Jute-Centers und es schien, als hätte sich ganz Delmenhorst auf den Weg gemacht, gemeinsam zu feiern. Bereits eine Stunde nach der Eröffnungsrede von Bürgermeisterin Antje Beilemann, die bisweilen von durchratternden Güterzügen unterbrochen wurde, hatte man am Waffelstand im Jute-Center bereits ein Kilogramm Mehl in Waffeln verbacken, was auf rund 100 Stück schließen ließ. Die Gratis-Obstspieße des Vereins „Stars for Kids“ in der Passage und das kostenlose Wasser, das die Stadtwerke (SWD) zur Verfügung stellten, fanden reißenden Absatz. Richtig in Schwung kamen die Delmenhorster beim Auftritt der Zumba-Kids vor dem Jute-Center. Zu wummernden Beats zeigten sie ihr Können.

Der Kinderschutzbund schickte die kleineren Kinder derweil auf einem Bobbycar über einen Parcours, gemeinsam mit den SWD konnte der Nachwuchs Blumen pflanzen – und auf dem Stand der Grafttherme angelten sich Groß und Klein aus einem Wasserbecken Lachgesichter, die dann in Preise getauscht werden konnten.

Die freiwillige Feuerwehr hatte ein Zelt aufgebaut. Ein sogenanntes Null-Sicht-Zelt. Darin befand sich nichts außer dichtem Nebel. Wer hineintrat, konnte sich nach kürzester Zeit nicht mehr orientieren. So erhielt man einen Eindruck, wie schwer es sein muss, sich in einer verqualmten Umgebung zu Recht zu finden.

Sich auf dem teilweise randvollen Jute-Vorplatz zurechtzufinden, war ebenfalls nicht ganz einfach. Auch im Inneren des Centers vibrierte es förmlich. Wie ein Bienenschwarm schwirrten die Kinder – und in ihrem Schlepptau die Eltern und Großeltern, von Stand zu Stand.

Ein ruhiges Plätzchen unter einem großen Sonnenschirm hatte sich Christiane Appel-Schneider vom Unicef-Team Delmenhorst gesucht. Auf einem Korbstuhl sitzend, beobachtete sie das bunte Treiben mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei es toll, dass so viele Menschen zu der Veranstaltung gekommen seien, mehrere Tausend mögen es am Ende gewesen sein, aber es sei eben auch schade, dass sich kaum einer genauer inhaltlich mit dem Sinn und Zweck des Weltkindertages beschäftige.

Generell hätte Unicef, nachdem sie 2007 in Verdacht geraten sind, Spendengelder zu veruntreuen, zunehmend einen schweren Stand, junge Menschen für sich und ihre Arbeit zu begeistern. Außerdem bekäme das Team in Delmenhorst häufiger zu hören, dass sie ja nichts für die Region leisten würden. „Dabei vergessen die Leute das hier“, erörterte Christiane Appel-Schneider, die seit fünf Jahren ehrenamtlich für Unicef unterwegs ist, und deutete auf das bunte Treiben zwischen Bahnhof und Jute-Center hin.

Illusionen, dass die Familien sich im Nachgang des Festes mit den Rechten der Kinder und deren Situation auf der Welt beschäftigten, mache sie sich nicht. Das Happy-End aus ihrer Sicht fehlte demnach.

Anders als im Kino gegenüber. Dort konnten die Kinder am Ende der Veranstaltung kostenlos den Animationsfilm „Planes 2“ schauen. Und wie bei Disney-Filmen so üblich, sind da am Ende alle glücklich.

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