Neuer Bericht vorgelegt Führungsebene in Männerhand

Delmenhorst. Mit Spannung erwartet sie den Ausgang der Wiederbesetzung des Stadtratpostens, sagte die städtische Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann während der letzten Ratssitzung des Jahres. Und dabei machte sie nicht den Eindruck, dass sie außerordentlich fest daran glaubt, dass es eine Frau würde. Denn seit ihrem ersten "Bericht zur Chancengleichheit" vor drei Jahren ist, insbesondere was Führungspositionen in der Verwaltung angeht, nicht viel passiert.
23.12.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Führungsebene in Männerhand
Von Kai Purschke

Delmenhorst. Mit Spannung erwartet sie den Ausgang der Wiederbesetzung des Stadtratpostens, sagte die städtische Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann während der letzten Ratssitzung des Jahres. Und dabei machte sie nicht den Eindruck, dass sie außerordentlich fest daran glaubt, dass es eine Frau würde. Denn seit ihrem ersten "Bericht zur Chancengleichheit" vor drei Jahren ist, insbesondere was Führungspositionen in der Verwaltung angeht, nicht viel passiert.

Besser gesagt gar nichts: Auf den zwei höchsten Führungsebenen des Vorstandes und der Fachbereiche "sind Männer sogar noch völlig unter sich", erklärte Borrmann. Und solange im Schnitt drei von vier Leitungsstellen in der Verwaltung mit Männern besetzt seien, sei das "unverändert nicht zufriedenstellend" - in diese Rechnung hat die Gleichstellungsbeauftragte die Fachleiterebene (42 Männer, 13 Frauen) miteinbezogen. Petra Borrmann hat dieses Mal die Zahlen von 2007 bis 2009 ausgewertet, alle drei Jahre muss sie laut der Niedersächsischen Gemeindeordnung solch einen Bericht verfassen.

Dabei hat sie nun auch das Zahlenverhältnis von Männlein und Weiblein bei den Auszubildenden analysiert. Es ist fast ausgewogen, schildert Petra Borrmann. Allerdings seien typische Berufswahlverhalten "nur begrenzt" zu beeinflussen. Im Rahmen ihres Berichts regt die Gleichstellungsbeauftragte an, ein Profil zu entwickeln, das auf Familienfreundlichkeit setzt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für die beispielsweise jüngst das Klinikum Delmenhorst zertifiziert worden war, sei ein Thema, "das bei uns klar im Fokus steht". Und so wünscht sich Petra Borrmann das Qualitätssiegel "Familienfreundlicher Arbeitgeber" auch für die Stadtverwaltung. Aber sie verdeutlicht auch, dass "die fehlende personelle Ausstattung der Gleichstellungsstelle sich nicht verändert hat und dies nach wie vor kein sehr wirtschaftliches Arbeiten erlaubt".

Das Missverhältnis von Männern und Frauen in entscheidenden Positionen spiegelt sich auch in der Besetzung des Rates wider: Von 45 Mitgliedern machen die Frauen ein Drittel aus. Das ist verglichen mit dem restlichen Niedersachsen aber vorzeigbar. So stehe Delmenhorst mit seiner Frauenquote von 33 Prozent an siebter Stelle von 47 Kommunen. Der Landesdurchschnitt liegt bei 24 Prozent Frauenanteil unter den Mandatsträgern. Obwohl laut dem Niedersächsischen Gleichstellungsgesetz (NGG) eine Fifty-Fifty-Situation in kommunalen Gremien herrschen soll. Auch in den Aufsichtsräten der städtischen Töchter wird diese Parität nicht erreicht. So hatten sogar drei der elf Gesellschaften von 2007 bis 2009 ausschließlich Männer in ihren Aufsichtsgremien sitzen.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt laut Borrmann "erklärtes Ziel der Stadt Delmenhorst". Jetzt aber steht erstmal die Besetzung des Stadtratpostens an - dafür hat Oberbürgermeister Patrick de La Lanne das Vorschlagsrecht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+