Knappe Ausschuss-Mehrheit lehnt Krippe in Dünsener Schulgebäude ab / Erweiterung „Zwergnase“ favorisiert

Gegen Schulschließung durch die Hintertür

Harpstedt. Die Samtgemeinde Harpstedt soll zwei neue Krippengruppen einrichten. Darin war sich der Sozialausschuss des Rats am Dienstagabend einig.
15.10.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann
Gegen Schulschließung durch die Hintertür

Die Grundschule Dünsen soll Schule bleiben und das Gebäude nicht für eine Krippe genutzt werden. So jedenfalls empfiehlt es eine Mehrheit im Sozialausschuss der Samtgemeinde.

Janina Rahn

Die Samtgemeinde Harpstedt soll zwei neue Krippengruppen einrichten. Darin war sich der Sozialausschuss des Rats am Dienstagabend einig. Damit würden zusätzliche Betreuungsplätze für 24 bis 30 Kinder unter drei Jahren geschaffen. Eine ausgedehnte Debatte entspann sich jedoch über den Standort. Letztlich stimmte eine knappe Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP dafür, die nötigen Räume am Kindergarten „Zwergnase“ im Flecken Harpstedt anzubauen. Nicht durchsetzen konnten sich CDU und HBL, die lieber eine gänzlich neue Einrichtung im Gebäude der Grundschule Dünsen gesehen hätten – was aber zugleich bedeutet hätte, die Schule aufzugeben. Der Beschlussvorschlag muss aber noch im Samtgemeindeausschuss und im Rat bestätigt werden.

Derzeit gibt es nach den Ausführungen der Verwaltung in der Samtgemeinde 40 Krippenplätze. Je eine Gruppe à 15 Plätze halten der Kindergarten „Zwergnase“ und der DRK-Kindergarten im Flecken vor. Weitere zehn Plätze stehen in der Freinet-Kindertagesstätte Prinzhöfte zur Verfügung. In allen anderen Gemeinden gibt es zwar Kindergärten, aber keine gesonderten Gruppen für die Kleinsten. Allerdings würden teilweise einzelne Zwei- bis Dreijährige in den regulären Gruppen mit betreut, führte die Verwaltung aus.

„Damit sind wir bis vor Kurzem sehr gut über die Runden gekommen“, sagte Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse in der Sitzung. Doch für das laufende Kindergartenjahr überstiegen die Anmeldungen erstmals die Plätze. Das liege nicht etwa anmehr Geburten – die Zahl der Kinder habe sich „auf niedrigem Niveau“ bei etwa 70 pro Jahrgang stabilisiert, erklärte Wöbse. Aber der Anteil der Krippenkinder steige. „Immer mehr Eltern wünschen diese Form der Betreuung.“ Außerdem werde sie auch stärker schon für Kleinstkinder im ersten Lebensjahr nachgefragt.

Die Verwaltung der Samtgemeinde hat deshalb für die nächsten Jahre mit einer Belegungsquote von 35 Prozent über alle drei Krippenjahrgänge kalkuliert. Demnach würden künftig 73 Plätze benötigt. Die beiden neuen Gruppen würden den Bedarf also noch nicht einmal ganz decken können. Noch schwieriger wird es, wenn vermehrt Mädchen und Jungen unter zwei Jahren unterzubringen sind. Denn bei mehr als sieben von ihnen in einer Gruppe muss die Standardgröße von 15 Plätzen um drei verringert werden.

Dass zur Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz zwei neue Gruppen gebraucht werden, war denn auch unstrittig, die von der Standortfrage abgekoppelte Abstimmung über deren Einrichtung fiel einstimmig aus. Doch für alle vier Varianten, die die Verwaltung gemäß einem Auftrag aus dem Samtgemeindeausschuss untersucht hatte, seien die Kostenschätzungen „ernüchternd“ gewesen, meinte der Bürgermeister. Am genauesten durchgerechnet wurden sie für die schließlich favorisierte Option, den Kindergarten „Zwergnase“ zu erweitern. Dessen Architekt hat für die Gruppenräume sowie einen bei dieser Größe zusätzlich nötigen Bewegungsraum 860 000 Euro veranschlagt. „Einen Anbau stellt man sich billiger vor“, sagte Wöbse.

Mit Abstand am teuersten würde es, nur eine neue Gruppe bei „Zwergnase“ unterzubringen und die andere an den Kindergarten Kirchseelte anzubauen. Angesichts von überschlägig mehr als 1,2 Millionen Euro mochte sich für diesen Vorschlag niemand erwärmen, obwohl laut Verwaltung voraussichtlich eine Gruppe allein aus den drei Gemeinden im Nordosten, Groß Ippener, Kirchseelte und Dünsen, zu füllen wäre. Mit 960 000 Euro ebenfalls noch teurer als die „Zwergnase“-Lösung käme ein Neubau für zwei Gruppen an einem noch zu findenden Standort. Dafür hob nur Hartmut Post die Hand. Der Dünsener Bürgermeister vermied es so, mit seiner eigenen CDU-Fraktion gegen die Schule in seinem Ort zu stimmen oder sich auf der Gegenseite einzureihen.

Die Umnutzung der Grundschule Dünsen wäre deutlich billiger als alle anderen Möglichkeiten. Für den Umbau standen 550 000 Euro in der Verwaltungsvorlage. Wenn man davon noch 300 000 Euro Investitionsbedarf für den weiteren Schulbetrieb abzieht, blieben unterm Strich nur 200 000 Euro zusätzliche Kosten übrig. Allerdings war nicht aufgeführt, ob und was wiederum ausgegeben werden müsste, wenn die Dünsener Schüler alle in Harpstedt unterkommen sollten. Mehrere Ausschussmitglieder hinterfragten angesichts der Höhe außerdem sämtliche Zahlen, besonders aber die für Dünsen, weil es dabei um Umbau im Bestand ginge, der erfahrungsgemäß mit Unwägbarkeiten verbunden ist.

Die Kosten blieben trotzdem das Hauptargument für die Befürworter der Dünsener Variante. „Wir können hier nicht über den Bestand der Schule beschließen“, sagte Werner Richter (HBL), „aber für die Krippe ist der Dünsener Standort das einzig Richtige.“ Ausgaben von fast einer Million Euro, wenn „das Gleiche fast umsonst“ zu haben sei, könne er nicht verantworten, meinte etwa Stefan Pleus (CDU) und sagte mit Blick auf die Schule, deren Erhalt der Rat im Winter beschlossen hatte: „Setzt doch nicht auf ein totes Pferd.“ Sein Fraktionskollege Stefan Wacholder beschwor außerdem den Charme einer neuen Einrichtung außerhalb des Fleckens: „Sonst werft ihr uns oft vor, dass wir in Harpstedt alles haben wollen.“ Doch die Krippe mit der Schule bezahlen wollte die Mehrheit nicht. Ob sie angesichts des knappen Ergebnisses von sieben Stimmen für „Zwergnase“, fünf für Dünsen und einer für einen Neubau stabil ist, wird sich im November im Rat zeigen.

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