Neubau der Bundesstraße 212 Gegner hoffen auf die Teichfledermaus

Delmenhorst. Der Streit um die 'Entwicklungsachse' genannte neue Bundesstraße in Ganderkesee geht in die nächste Runde. Dabei haben die Gegner der Bundesstraße212neu noch einen Trumpf im Ärmel, der bisher nur am Rande thematisiert wurde: den Naturschutz.
20.02.2010, 00:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Bisher ging es vor allem um Verkehrsbelastungen, es ging um viermal so viele Lastwagen, die über die Stedinger Straße in Delmenhorst rumpeln werden. Es ging darum, dass in absehbarer Zeit in Ganderkesee bestimmt jene neue Bundesstraße gebaut werden muss, die bisher nur ominös 'Entwicklungsachse' genannt wird. Dabei haben die Gegner der Bundesstraße212neu noch einen Trumpf im Ärmel, der bisher nur am Rande thematisiert wurde: den Naturschutz.

Am Donnerstagabend stand deswegen die Tier- und Pflanzenwelt im Mittelpunkt der Überlegungen, die Martin Clausen und Uwe Kroll auf Einladung der SPD anstellten. 'B212neu und EU-Naturschutz: Ein Mittel zum Zweck?' war ihr Vortrag überschrieben. 'Wenn man für die Naturschutzfragen keine Lösungen findet, kann es sein, dass die Straße nicht gebaut wird. Das ist ja auch die Angst der Planer', sagt Clausen, einer der Sprecher der Interessengemeinschaft B212-freies Deich- und Sandhausen.

Öko-Sternchen für B212n

Dass diese Thematik bisher nicht so im Mittelpunkt des Interesses stand, liegt vor allem daran, dass Umweltschutz erst wieder im letzten Abschnitt des Planungsmarathons eine entscheidende Rolle spielen wird, im sogenannten Planfeststellungsverfahren. Dabei führt die neue Bundesstraße durch ein extrem sensibles Gebiet, auf Bremer Seite sind weite Teile der Flächen entweder als FFH- oder als Vogelschutzgebiet (siehe kleinen Bericht) ausgewiesen. Deswegen wurde das Bauprojekt bereits zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung mit der Auflage 'besonderer naturschutzfachlicher Planungsauftrag' versehen, salopp redet man vom 'Öko-Sternchen'.

'Dabei muss allen klar sein: Es gibt keine Variante, die dieses Gebiet nicht erheblich beeinträchtigt', erklärt Clausen, die Natur wird auf jeden Fall leiden. Es geht also nur darum, den verträglichsten Weg zu beschreiten. Und da haben Clausen, Kroll und ihre zahlreichen Mitstreiter den Verdacht, dass der Naturschutz von den Planern instrumentalisiert wird, um die von ihnen favorisierte Südvariante schönzureden. Denn das wurde auf den von Clausen gezeigten Landkarten deutlich: Die von der Interessengemeinschaft geforderte Verkehrsoptimierte Nordvariante (VoN) berührt die Schutzgebiete nicht mehr als die Südtrasse.

Dass die Planer trotzdem nicht kompromissbereit sind, führt die Initiative auf wirtschaftliche Interessen zurück: Die B212n ist ein Zubringer zur Autobahn 281, die soll wiederum im Norden an die A27 angeschlossen werden - mittels eines Wesertunnels. Den sollen Investoren bauen und dann über eine Maut refinanzieren. Die Verkehrsuntersuchungen haben gezeigt, dass über die Südvariante täglich um die 5000 Fahrzeuge mehr als über die Nordroute in den Tunnel gelotst würden.

Clausen und Co. hoffen aber, dass ihnen nicht nur die FFH-Gebiete auf Bremer Gebiet beim Widerstand hilfreich sind. Sondern auch Fledermäuse, sieben Arten sind es, würden besonders beeinträchtigt durch die neue, vierspurig auf einem Damm ausgebaute Bundesstraße, vor allem wohl die recht niedrig fliegenden Teich- und Wasserfledermäuse. 'Es wird überlegt, mit Leitwänden zu arbeiten, um die Fledermäuse umzulenken', erklärt Clausen. Unklar ist noch, wohin die Tiere dann eigentlich geleitet werden sollen. Unklar ist auch, wie aufwendig es wäre, solche Wände zu bauen. Clausen hofft, dass der Bau dadurch massiv verteuert wird.

Ein weiterer Tierschutzaspekt wurde in den Straßenplanungen auch noch nicht berücksichtigt, obwohl dieser Punkt bereits beim Bau einer Hochspannungsleitung untersucht wurde. 'Westlich von Deichhausen gibt es eine große Fläche, die im Winter von Rastvögeln genutzt wird, dort kommen auch viele Kiebitze vor', sagt Clausen. Die Südvariante führt mitten durch dieses Gebiet, die Nordvariante führt weit daran vorbei. Ausgerechnet die Lebensräume seltener Vögel waren auf Bremer Seite ein Argument, warum die B212n südlich und nicht nördlich verlaufen soll. 'All das wird im Planfeststellungsverfahren aufgegriffen. Das Problem ist: Je weiter die Planung vorangeschritten ist, desto schwieriger wird es, etwas zurückzudrehen.'

Da sich die Gegner der B212n auf lange Prozesse vor Verwaltungsgerichten einstellen, sammeln sie Geld: Klagefonds B212neu GbR, Konto 263572000, BLZ 28067170 (Raiffeisen-Volksbank Delmenhorst-Schierbrok), weitere Infos auf der Homepage www.igb212neu.de.

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