Verein "Senioren am Netz" feiert zehnjähriges Bestehen / Zahl der Mitglieder ist von 30 auf 280 gewachsen Generation Internet

Ganderkesee-Bookholzberg. Facebook, Google und Ebay - das sind zwar englische Ausdrücke, aber für die "Senioren am Netz" längst keine Fremdwörter mehr. Gestern feierte der Verein, der ältere Menschen an das Internet heranführt, sein zehnjähriges Bestehen.
02.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ayleen Finkenzeller und Tina Hayessen

Ganderkesee-Bookholzberg. Facebook, Google und Ebay - das sind zwar englische Ausdrücke, aber für die "Senioren am Netz" längst keine Fremdwörter mehr. Gestern feierte der Verein, der ältere Menschen an das Internet heranführt, sein zehnjähriges Bestehen.

"Ich seh uns hier noch mit sieben Leuten sitzen", erinnert sich Rainer Heinken, Gründungsmitglied des Vereins an den Sommer 2000, als die Idee für "Senioren am Netz" aufkam. In den Räumen des Berufsförderungswerks in Bookholzberg haben die "Senioren am Netz" ein dreiviertel Jahr später eine Heimat gefunden. Seit einem Jahrzehnt kann hier die Großeltern-Generation das lernen, was in ihrer Jugend noch nicht erfunden war. Dazu gehört unter anderem das Surfen im Internet und das Schreiben von E-Mails.

Auch der 71-jährige Erwin Nowak aus Bookholzberg ist Mitglied der ersten Stunde. Über eine Zeitungsanzeige ist er auf das Berufsförderungswerk aufmerksam geworden - darin wurde nach älteren Menschen für den Informatik-Unterricht der Auszubildenden gesucht. Im Rahmen dieser Ausbildung sollten sie ihr Wissen zu Computer und EDV an Senioren weitergeben. "So ist dann das Interesse entstanden", erklärt Nowak. Zu diesem Zeitpunkt habe er noch keinerlei Kenntnisse über die Nutzung eines Computers gehabt, erzählt er. Die Teilnahme an "Senioren am Netz" habe ihm zu einem optimalen Wissen über alles, was den Computer und das Internet betrifft verholfen.

"Es gibt nichts, was wir nicht gemacht haben", meint Nowak, der mittlerweile an seinem Rechner zu Hause sogar Urlaubsbilder mit Musik unterlegt. Der regelmäßige Besuch des Kurses habe ihn nicht nur im Umgang mit der Technik geschult, sondern außerdem ein freundschaftliches Verhältnis zu den anderen Teilnehmern aufbauen lassen. "Mir war der Informationsaustausch mit anderen wichtig und dass man den Kopf anstrengt", bemerkt Nowak, der jede Woche an den Seminaren teilnimmt.

Die 69-jährige Irmhild Nowag schildert ähnliche Erlebnisse. Sie sei bereits seit 2004 Mitglied im Verein "Senioren am Netz" und habe in den regelmäßigen Vorträgen eine Menge gelernt. "Man sammelt vielfältige Erfahrungen hier", wie den Umgang mit Fotoprogrammen und dem Rechenprogramm Exel. Allerdings seien auch die Gefahren des Internets ein wiederkehrendes Thema. Problemlos könne sie an ihrem Computer inzwischen Fotobücher erstellen, über das Internet kommunizieren sowie Bilder und Videos verschicken. Irmhild Nowag ist außerdem begeistert von der Geselligkeit in ihrer "Dienstag-16 Uhr-Gruppe", wie sie ihren Kursus liebevoll nennt. "Es verjüngt und es hält wach", meint die 69-Jährige, die auch in Zukunft keines der Treffen verpassen will.

Mit seinen 45 Jahren ist Heiko Zimmermann etwas jünger als die meisten Mitglieder. "Zum Glück gibt es bei uns keine Klausel, die ein Mindestalter vorsieht", bemerkt der Vorsitzende des Vereins schmunzelnd. Seit fünf Jahren engagiert er sich bei den "Senioren am Netz". Seitdem habe er viele graue Haare dazu bekommen, verrät er in seiner Rede und ergänzt: "Ich muss mich ja auch ein bisschen anpassen." Besonders stolz ist Zimmermann auf die Mitgliederzahlen, die seit 2001 stetig steigen. Was zunächst mit 30 Senioren begann, ist nun zu einem Verein mit 280 Mitgliedern angewachsen.

Kaffeepause gehört zum Konzept

Eine Gratulation ließ sich auch die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Zießler nicht nehmen. Der Verein, betont sie, leiste "unschätzbar wertvolle Arbeit". Gerade bei der sich zur Zeit rasant entwickelnden Technik sei es wichtig, die ältere Generation an den Veränderungen teilhaben zu lassen. Sie selbst habe schon in den frühen 80er Jahren Erfahrungen mit dem Computer gesammelt - und dabei das meiste in Eigenregie gelernt. Dass Senioren mit dem Internet umgehen können, findet Zießler, habe zudem eine soziale Bedeutung für die Familie: "Wer Kinder und Enkelkinder hat, der sollte schließlich auch mitreden können bei diesen Themen."

Rainer Schwede vom Berufsförderungswerk, der die tägliche Arbeit des Vereins verfolgen kann, zeigt sich davon überzeugt, dass es im Internetcafé der besonderen Art um weit mehr als Bits und Bytes geht. "Der Verein zeigt, dass die Beschäftigung mit IT und EDV nicht dazu führt, dass die Leute einsam vor ihrer Tastatur sitzen", lobt der Fachdienstleiter die Ehrenamtlichen. Zahlreiche Unternehmungen und auch der Plausch in der Kaffeepause gehören fest zum Konzept des Vereins, betont auch Heiko Zimmermann: "Es gibt Gruppen, die fahren so oft weg, dass man sie schon ,Das fliegende Klassenzimmer' nennt."

Wer an den Kursen der "Senioren am Netz" interessiert ist, kann sich direkt in den Räumen des Vereins im Berufsförderungswerk (Apfelallee 1) oder per Telefon unter 04223/925208 informieren. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 9.30 bis 12 Uhr sowie Mittwoch zusätzlich von 14 bis 16 Uhr. Selbstverständlich ist der Verein auch im Internet unter www.seniorenamnetz.de vertreten.

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