Vor 25 Jahren in Delmenhorst

Als es noch Brauchtumsfeuer gab

Viele Umzüge, Geschäftsaufgaben und Leerstände beschäftigten vor einem Vierteljahrhundert die Kaufleute. Und es fand noch etwas statt, woran in der Pandemie nicht zu denken ist: traditionelle Osterfeuer.
02.04.2021, 00:00
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Von Volkmar Friedrichs
Als es noch Brauchtumsfeuer gab

Dieses Osterfeuer ist noch nicht 25 Jahre her, sondern es brannte am 28. März 2005 und wurde von der Siedlergemeinschaft Annenheide entzündet.

Ingo Möllers

Die bisher so lebendige und vielfältige Delmenhorster Innenstadt kränkelt. Seit einiger Zeit sind Geschäftsaufgaben, Umzüge wegen zu hoher Mieten, leer stehende Läden oder auch verkleinerte Verkaufsflächen zu beobachten. Das bereitet dem Einzelhandel Sorgen. Mit dem Umzug des Herrenbekleidungsgeschäfts „Warnken for men“ in einen kleineren Laden in der Schauburg-Passage hatte es begonnen. In Warnkens ehemalige Geschäftsräume an der Langen Straße 10 ist nun die Boutique „trend-line“ eingezogen, und in deren ehemaligen Räume an der Langen Straße 1 firmiert jetzt das Herrengeschäft „pro-moda-man“, übrigens die erste echte Neueröffnung seit Langem in der Fußgängerzone.

Auch Rosemarie und Günter Hirschfeld mussten sich verändern. Aus Kostengründen verließen sie nach 17 Jahren ihre Geschäftsräume an der Ecke Lange Straße/Parkstraße und eröffneten einige Meter weiter an der Langen Straße 44 ihren „Foto Quelle Bilderpoint“. In dem Laden hatte zuvor Otto Böhnke Tabakwaren, Geschenkartikel und freie Waffen verkauft. Statt 110 Mark pro Quadratmeter zahlen Hirschfelds jetzt nach eigenen Angaben nur noch „etwa die Hälfte“.

Und weiter geht’s: In das frühere Lederwarengeschäft Kürschner an der Langen Straße 38 wird eine Tchibo-Filiale einziehen, die es früher schon einmal wenige Meter entfernt im jetzigen Telekom-Laden gab. Verkleinert hat sich der vorübergehend leer gestandene „Schmuck-Punkt“ an der Bahnhofstraße, der nun als „Fa. Goldgrube“ und mit einem Fachmann für Insektenschutzsysteme als Untermieter wiedereröffnet.

Etliche Kaufleute haben in den vergangenen Wochen und Monaten aber auch ganz aufgegeben. So machte der Jeans-Laden „Mode Schröder“ an der Langen Straße nach kurzer Zeit wieder dicht, und seit drei Monaten steht auch das „Bistro“ an der Cramerstraße leer. In der Schauburg-Passage hat das Kinderfachgeschäft „go on – KID'S WEAR“ aufgegeben, ebenso der Modeschmuckladen „Cara Collection“ im City-Point. Dort stehen zudem im ersten Obergeschoss schon seit Monaten weitere Ladenflächen leer. Schließlich ist die Filiale der Firma Schrei, Berufsbekleidung und Arbeitsschutz, in der Kaufpark-Passage nun nach zwölfjähriger Präsenz aus Altersgründen aufgegeben worden, und auch „Die Duftlampe“ im ersten Stock der Kaufpark-Passage duftet und leuchtet nicht mehr. (4./5. April 1996)

In Delmenhorst und umzu brannten am Ostersonnabend und -sonntag wieder zahlreiche Osterfeuer. Allein beim Ordnungsamt der Stadt waren knapp 20 dieser uralten Brauchtumsfeuer angemeldet worden. Besonders viele Besucher zogen wieder die Feuer in Hasbergen und Heidkrug an, aber auch um das Osterfeuer der Kleingärtner in Deichhorst oder das der Ganderkeseer Landjugend in Stenum hatten sich viele Zuschauer eingefunden. Am Ostersonntagmorgen herrschte dann wieder auf der Burginsel Hochbetrieb. Die Sankt-Polykarpus-Gilde hatte alle Kinder bis zu zwölf Jahren „aus der ehemaligen Grafschaft Delmenhorst“ zum traditionellen Ostereiersuchen eingeladen. Der Hammerschwingende Gildemeister Gerd Siemers hatte sich traditionell als Osterhase verkleidet und nahm von den Kindern ihre selbst gemalten Bilder und andere kleine Kunstwerke entgegen. Zur Belohnung schickte sie Osterhase Siemers dann auf einen Rundkurs mit mehreren Stationen, an denen Gildemitglieder süße Ostereier und andere Leckereien verteilten. (3./9. April 1996)

Auf 300.000 Mark schätzt die Delmenhorster Polizei den Schaden, der bei einem Brand in der Tagesstätte des Wichernstifts „Haus Am Grünen Kamp“ entstand. Die Polizei ist sich sicher, dass das Feuer von Einbrechern gelegt worden ist, die auf der Rückseite des Hauses zwei Fenster und die Scheibe der Terrassentür eingeschlagen hatten. Ob etwas gestohlen wurde, steht noch nicht fest. (4./5. April 1996)

Alle unter einem Dach: Die Delmenhorster Umweltschutzgruppen Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) und die Aktion für Umweltschutz haben an der Louisenstraße ein gemeinsames Domizil bezogen. Im Umweltzentrum Delmenhorst, so der Name der neuen Anlaufstelle, ist künftig eine bessere Zusammenarbeit möglich. Und die bessere Koordination war neben räumlichen Aspekten auch einer der Gründe für das gemeinsame Zuhause. Es soll eine Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger werden. (6. April 1996)

Offiziell wird das neue Harpstedter Seniorenzentrum zwar erst am 19. April eröffnet, doch der erste Bewohner ist bereits eingezogen. Das Domizil steht unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes, hat rund acht Millionen Mark gekostet und beschäftigt 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter einige in Teilzeit oder Nebenjobs. Wenn das Heim ausgelastet ist, werden es noch mehr Beschäftigte sein, kündigte Geschäftsführer Jürgen Vosteen an. Zentral im Flecken Harpstedt gelegen, stehen im Seniorenzentrum 38 Einzel- und 14 Doppelzimmer zur Verfügung. In der Cafeteria kann à la carte gegessen werden. Sie soll sich zu einem Generationentreff entwickeln, gedacht ist dabei auch an kulturelle Veranstaltungen oder sogar Familienfeiern. (2. April 1996)

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