Oldenburgischer Feuerwehrverband Großübung unter erschwerten Bedingungen

Für die Mitglieder der Küstenwehr des 1. Oldenburgischen Deichsbands war die Nacht zu Sonnabend früh zu Ende. Gegen 23.45 Uhr wurden sie alarmiert, um Sandsäcke zu füllen. Zum Glück war es nur eine Übung.
12.07.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Barbara Wenke und ALEXANDRA PENTH

Für die Mitglieder der Küstenwehr des 1. Oldenburgischen Deichsbands war die Nacht zu Sonnabend früh zu Ende. Gegen 23.45 Uhr wurden sie alarmiert, um Sandsäcke zu füllen. Der Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte war Teil einer landesgrenzenüberschreitenden Großübung, die der Oldenburgische Feuerwehrverband unter der Bezeichnung „Biber Brand“ erarbeitet hatte. Die Übung hatte es in sich: Bis Sonnabend Nachmittag hielt sie rund 1000 Einsatzkräfte in Berne, Lemwerder und Delmenhorst, aber auch in Bremen-Gröpelingen und dem Neustädter Hafen auf Trab.

Die Mitglieder der Küstenwehr waren die ersten, die im Rahmen der Übung aktiv wurden. Sie füllten rund 12 000 Sandsäcke ab, mit denen die Feuerwehrbereitschaft Delmenhorst und Oldenburg Stadt wenig später begann, einen Hochwasserschutz zu errichten.

Die Übungsleitung hatte sich die Weser-Insel Ruschsand in Höhe der Ortschaft Weserdeich (Gemeinde Berne) herausgepickt. Die Einsatzkräfte verbauten rund 450 Tonnen Sand, um einen begehbaren Damm von der Insel zum Festland zu schaffen. Sie selbst standen zum Teil tief im Wasser, um in Zweierreihen die 15 Kilogramm schweren Säcke weiterzureichen.

Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kreisbereitschaften lief so reibungslos, dass der Damm bereits zwei Stunden vor Hochwasser fertig war. Übungsleiter Klaus Niekamp war überaus zufrieden: „Das hat hervorragend geklappt.“

Wenige Kilometer weiter südlich kämpften die Einsatzkräfte gegen einen fiktiven Industriebrand. Der Lemwerderaner Rotorblatthersteller Carbon Rotec stellte für die Übung unterirdische Gänge auf seinem Gelände zur Verfügung. Zahlreiche vermisste Personen, so die Vorgabe, mussten aus verqualmten Versorgungsschächten gerettet werden. Zudem verlangte die Aufgabe, dass die Wasserversorgung über weite Wegstrecken sichergestellt wird.

„Wenn die Halle 25 brennt, ist das ein Riesenproblem“, betonte Übungsleiter Uwe Drees. Zwar sei die Weser nahe, doch könnten die Fördersysteme Wasser maximal bis zu acht Meter in die Höhe saugen. Zu wenig bei Niedrigwasser. So mussten die Einsatzkräfte Tragkraftspritzen die Böschung hinunter zur Weser bringen.

Die Lemwerderaner Wehr würde im Ernstfall auf ein Schiff der Fährgesellschaft Bremen-Stedingen zurückgreifen können. „Von da aus haben wir dann nur eineinhalb Meter bis zum Wasser“, so Drees.

Als Verletzte hatten sich zehn Mitglieder der Stadtjugendfeuerwehr Delmenhorst zur Verfügung gestellt. In den Gängen, die durch Theaterrauch extrem verqualmt wurden, hatten die Organisatoren Puppen versteckt.

Am frühen Sonnabendmorgen, so ein weiteres Szenario von „Biber Brand“ wird ein Feuer auf der Großen Höhe gemeldet, dessen Flammen sich unkontrolliert auszubreiten drohen. Eine Kolonne von Feuerwehr, darunter Einsatzkräfte aus dem Landkreis Friesland, DLRG, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk (THW) rückt mit Blaulicht an. An einem Feldweg neben dem Militärgelände stand das Einsatzleitungsfahrzeug. Für sie war die Große Höhe die zweite Station am Sonnabend – am frühen Morgen waren sie zum Deich in Berne ausgerückt. Vom Einsatzleitwagen aus hielt man Funkkontakt zur Feuerwehrtechnischen Zentrale in Ganderkesee.

„Der Deich steht“, drang es derweil durch einen Lautsprecher im Einsatzleitwagen auf dem Hof der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Ganderkesee, der Koordinierungsstelle für die Großübung. Es gehen laufend Funksprüche ein, ein ziemliches Durcheinander. Als Sichter ist es Stephan Hartmanns Aufgabe, Ordnung in das Chaos zu bringen und die wichtigen Informationen aus dem Funkverkehr herauszufiltern. „Ich muss den Überblick behalten und wenn sich etwas ändert reagieren“, sagt er. Drei Sprechfunker dokumentieren eingehende Informationen und senden auf Hartmanns Anweisung Funksprüche an die Leitstellen aus. Die Übung unterscheide sich im Grunde nicht von der Koordination realer Einsätze, schildert Hartmann die Situation. „Die Handgriffe sind die gleichen wie sonst auch.“ Nur liefen diesmal gleich vier Einsätze parallel. „Es ist ein bisschen stressig“, sagt Hartmann.

Die Mittagshitze verlangt den Einsatzkräften an den Übungsorten einiges ab. Auf den Grünflächen auf der Großen Höhe sucht man vergebens Schutz vor der sengenden Sonne, die Schläuche werden querfeldein verlegt.

„Das sind schon erschwerte Bedingungen für uns“, sagt Reiner Hinrichs, Bereitschaftsführer des Landkreises Friesland. Vom Einsatzleitwagen aus liegt die Gefahrenstelle rund einen Kilometer entfernt. Etwa zwei Kilometer Schlauch werden da benötigt. Da es auf dem Gelände weit und breit keinen Hydranten gibt, muss das Wasser über eine lange Strecke geleitet werden.

Mit der insgesamt 175-köpfigen Truppe, zu der neben den Feuerwehrleuten auch Helfer von DLRG, THW und DRK zählen,ist Einsatzleiter Reiner Hinrichs äußerst zufrieden. „Die Leute arbeiten top, eine tolle Kameradschaft“, sagt er. Insgesamt waren die Einsatzkräfte fast zwölf Stunden im Dauereinsatz. Ganz schwere Geschütze wurden auf der Großen Höhe übrigens nicht aufgefahren. Die Ausrüstung zum Atemschutz etwa kam nicht zum Einsatz. Aber auch in „leichter Montur“ – dunkle Jacke und dunkle lange Hose – kamen die Einsatzkräfte ordentlich ins Schwitzen. Dass einer Übung auf den Fuß ein Ernstfall folgen kann, haben die Feuerwehrleute aus dem Landkreis Friesland erst vor drei Jahren erlebt. „Wenige Wochen nach der Übung wurden wir zum Elbe-Hochwasser gerufen“, erzählte Reiner Hinrichs.

„So eine Übung hat es in dieser Größenordnung noch nie gegeben“, sagte Regierungsbrandmeister und Vorsitzender des Oldenburgischen Feuerwehrverbands (OFV), Dieter Schnittjer. Die Idee sei aus einer Arbeitsgruppe der Kreisbereitschaftsführer hervorgegangen. Insgesamt zeigte sich Dieter Schnittjer mit dem Verlauf der Großübung zufrieden, obwohl der Zeitplan nicht ganz eingehalten werden konnte. „Weil die Fahrtwege lang sind, haben wir eine kleine Verzögerung nach hinten“, sagte er.

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