Forscher loben Delmenhorster Präventionsbausteine Gut für Kinder und Stadtfinanzen

Delmenhorst. Ein bisschen verkopft klingt die Überschrift ja schon, 'Delmenhorster Präventionsbausteine'. Doch was sich dahinter verbirgt, lässt sich ganz leicht auf den Punkt bringen, wie Rudolf Mattern beweist: 'Wir versuchen, jedem Kind in Delmenhorst die Chance zu geben, etwas aus seinem Leben zu machen', so der Leiter des Fachbereichs Jugend, Familie und Soziales. Ob das gelingt, wird am Freitag, 5. November, bei einer Fachtagung zu diesem Thema im Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) erläutert.
02.11.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Alexander Schmolke

Delmenhorst. Ein bisschen verkopft klingt die Überschrift ja schon, 'Delmenhorster Präventionsbausteine'. Doch was sich dahinter verbirgt, lässt sich ganz leicht auf den Punkt bringen, wie Rudolf Mattern beweist: 'Wir versuchen, jedem Kind in Delmenhorst die Chance zu geben, etwas aus seinem Leben zu machen', so der Leiter des Fachbereichs Jugend, Familie und Soziales. Ob das gelingt, wird am Freitag, 5. November, bei einer Fachtagung zu diesem Thema im Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) erläutert.

Im Mittelpunkt der Konferenz, an der 30 Mitarbeiter aus den Bausteinen und gut 50 Wissenschaftler aus ganz Deutschland teilnehmen werden, stehen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung. Seit Januar 2008 analysieren Experten der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität unter der Leitung der Professoren Anke Spies und Manfred Wittrock die einzelnen Maßnahmen wie Hebammendienst, Nachbarschaftsbüro oder soziale Arbeit an Schulen. Und im Grundsatz zeigen ihre Studien, das verrieten die Professoren bereits gestern bei einem Pressegespräch: Das Delmenhorster Modell wirkt!

Ein Beispiel: 'Normalerweise ist es heutzutage, da immer mehr Kinder verhaltensauffällig sind, schon ein Erfolg, wenn Maßnahmen wie Überweisungen an Förderschulen nur langsam zunehmen', erläuterte Wittrock. In Delmenhorst, wo ein effektiver sozialer Dienst an Grundschulen installiert worden ist, gingen sie zurück.

Ein anderes Beispiel: Der Familienstützende Dienst hat in den vergangenen drei Jahren 538 Kinder in 249 Familien betreut, Eltern und ihrem Nachwuchs bei Problemen geholfen oder sie vor welchen bewahrt. 'Alle Familien haben sich dazu freiwillig gemeldet', betonte Wittrock - und das sei ein gutes Beispiel für die Effektivität niedrigschwelliger Angebote. 'Kommt ein offizieller Mitarbeiter des Jugendamts, würden viele dieser Eltern sofort abblocken.' Beim netten Sozialpädagogen, der 'einfach mal vorbeischaut', eben nicht.

Die Präventionsbausteine sollen nicht nur den Kindern helfen, sondern langfristig der Stadt auch Ausgaben ersparen. Genaue Zahlen sind in so einem Bereich nicht errechenbar, da man eben nicht weiß, wie viele betreute Babys, Kinder, Schüler, Jugendliche ohne Betreuung auffällig geworden wären. Aber: 'Die drei Sozialarbeiter, die seit Januar 2008 die 538 Kinder besucht haben, kosten die Stadt 100000 Euro pro Jahr - genauso viel wie lediglich zwei Plätze in einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe', so Mattern. Das Einsparpotenzial sei also klar ersichtlich.

Ausweitungen wünschenswert

Die wissenschaftliche Begleitforschung geht nach dem Fachtag im HWK zu Ende. Für die Zeit danach seien hier und da sicher noch Ausweitungen wünschenswert, sagt Spies, 'doch in Zeiten knapper Kassen wäre es auch schon ein Erfolg, das Projekt in die Nachhaltigkeit zu überführen.' Neu erfunden werden müsse das Rad in Delmenhorst jedenfalls nicht. 'Alle Bausteine sind voll ausgelastet und zeigen Erfolge.' - Das freut die Verantwortlichen und motiviert sie ganz offensichtlich. 'Wir dürfen uns einmal kurz auf die Schultern klopfen, weil es bisher so gut läuft', sagt Mattern. 'Aber wir dürfen nicht nachlassen, sondern müssen stets versuchen, die Präventionsbausteine weiterzuentwickeln.'

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