Gymnasien in Delmenhorst Zwischen Raum und Borke

Weder der Containertrakt am Max-Planck-Gymnasium noch die neue Außenstelle des Gymnasiums an der Willmsstraße in Delmenhorst werden nach den Sommerferien bezugsfertig sein. Das kommt wenig überraschend.
31.07.2020, 17:47
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Zwischen Raum und Borke
Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Für Hunderte Schüler des Gymnasiums an der Willmsstraße und des Max-Planck-Gymnasiums wird es ein holpriger Start ins Schuljahr 2021/2022. Der Grund: Weil sowohl die Sanierung der Räume an der Königsberger Straße für das Willms als auch der Container-Übergangsbau für das Maxe nicht rechtzeitig fertig werden, müssen die Schulleiter improvisieren. Die Verwaltung hat jetzt eingeholt, dass sie mit ihren Planungen der nötigen Baumaßnahmen viel zu spät begonnen hatte. Die Erklärung der Verwaltung für die jetzt auftretenden Verzögerung klingt entsprechend auch wenig überzeugend: „Nun melden gleich mehrere ausführende Handwerker und Lieferanten Behinderungen durch die Corona-Pandemie an.“

Dass das nur nach billiger Ausrede klingt, liegt auch daran, dass die Stadt noch vor wenigen Tagen selbst von anderen Fakten ausging. „Noch vor zwei Wochen war die Stadtverwaltung guten Mutes, dass die Klassenraum-Mobilbauten am Max-Planck-Gymnasium und der Umbau der Schule an der Königsberger Straße für das Willms-Gymnasium rechtzeitig zum Ende der Sommerferien fertiggestellt werden können“, beginnt sie eine Pressemitteilung. Was deutlich euphemistischer formuliert ist, als die Lage wohl tatsächlich war. Schon in der jüngsten Schulausschusssitzung hatte der zuständige Fachbereichsleiter Olaf Meyer-Helfers angedeutet, dass nun alles passen müsse, um den Zeitplan für die neue Willms-Außenstelle irgendwie noch einzuhalten.

Hinter verschlossenen Türen wurde, wie Insider berichten, schon deutlicher artikuliert, dass Meyer-Helfers öffentliches Statement mehr Hoffnung denn Realitätsbeschreibung war. Wenn das Gymnasium an der Willmsstraße tatsächlich am 27. August die Räume an der Königsberger Straße hätte nutzen können, wäre ein Anruf von Meyer-Helfers im Vatikan angezeigt gewesen – um sich offiziell ein Wunder anerkennen zu lassen, spötteln politische Beobachter. Denn schon vor über einem Jahr konstatierte die Verwaltung mit Blick auf die Sanierung der Schule an der Königsberger Straße in einer Vorlage für die Politik: „Die Maßnahme steht unter einem außerordentlichen Zeitdruck.“ Schon da war den Verantwortlichen also klar, dass der Umbau nur mit viel Glück zu schaffen sein würde.

Ähnlich optimistisch war das Denken der Verwaltung wohl beim Maxe. Dort soll es, weil auf dem Schulgrundstück genügend Platz vorhanden ist, sogar einen Neubau geben. Bis der steht, sollte mit einer Container-Lösung, wie an der Oberschule Süd am Brendelweg, gearbeitet werden. Am 13. Mai wurde der Grundstein gelegt. Viel zu spät. Die Stadt erklärte das mit Verzögerungen, weil die Firma, die mit der Untersuchung des Bodens auf Kampfmittel beauftragt wurde, vergessen hatte, in Kontakt mit der Luftbildstelle des Landes zu treten und gleich mit der Vor-Ort-Sondierung beginnen wollte. Dann machte angeblich auch noch Corona den Kampfmittel-Sondierern einen Strich durch die Rechnung. Und nun teilte die beauftragte Bau-Firma mit, dass die Container erst Anfang September geliefert werden. So scheint eine Nutzung erst nach dem Ende der Herbstferien realistisch.

Maxe-Direktorin Katrin Wutschke hatte mit ihrem Team vorsorglich einen Plan B in der Schublade – auf einen fertigen Container-Trakt zum Ende der Sommerferien zu hoffen, wäre auch etwas blauäugig gewesen. „Wir können für einen sehr begrenzten Zeitraum alle unsere Schüler am Maxe in den bestehenden Räumlichkeiten unterbringen und ihnen trotz der baulichen Verzögerung ein gutes Lernumfeld bereitstellen“, wird sie in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert. Voraussetzung sei jedoch, dass die Baumaßnahmen an anderen Räumen, wie zum Beispiel im Musiktrakt, am Ende der Sommerferien wenigstens so weit abgeschlossen werden, dass die Räume und Flure nutzbar sind.

Auch Willms-Direktor Stefan Nolting hatte einen Plan B in der Tasche. Anders als die Verantwortlichen im Rathaus, die zumindest den beiden Schulleitern für ihre umsichtige Planung danken. Die Willms-Schüler bekommen vorerst schulisches Asyl am Wiekhorner Heuweg. „Ulrich Droste, Schulleiter der BBS II, hat uns in dieser Lage umgehend ermöglicht, bis zu den Herbstferien dort Klassenräume zu nutzen“, würdigt Nolting, der seit Jahren ein Handeln von Verwaltung und Politik wegen G 9 eingefordert hatte, das kollegiale Verhalten. Außerdem hat die IGS-Führung zugestimmt, zunächst noch Räume in der alten Pestalozzischule dem Willms zu überlassen.

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