Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst

Über das Glück nach Corona

Was hat Corona mit dem Glück zu tun? Und können wir es nach der Krise wiederfinden? Das möchte Hilke Brockmann von der Jacobs University in Bremen in einem Vortrag am Hanse-Wissenschaftskolleg beantworten.
06.10.2021, 14:45
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Über das Glück nach Corona
Von Annika Lütje

Was ist eigentlich Glück? Wie findet man es? Und was hat Corona mit dem Glück zu tun? Wie hat die Pandemie das Glücksempfinden beeinflusst? Und kann es nach Corona wieder Glück geben? Fragen wie diese möchte Hilke Brockmann, Professorin für Soziologie an der Jacobs University in Bremen, in einem Vortrag am Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) beantworten. Er findet unter dem Titel "Gibt es (ein) Glück nach Corona? Wenn ja, wie sieht es aus?" am Montag, 11. Oktober, um 19.30 Uhr statt.

Das Glück empfänden nicht alle Menschen gleich. Krisen wie die Corona-Pandemie auch nicht. So unterschiedlich wie die Menschen selbst seien auch die Effekte solcher Krisen auf sie, meint Brockmann. Für manche sei die Krise dramatischer als für andere – weil der Lockdown für sie besonders schlimm gewesen sei, weil sie ein erhöhtes Gesundheitsrisiko hatten oder weil sie aufgrund anderer Faktoren gefährdeter waren. Wann und in welcher Form sich nach einer solchen Erfahrung das Glück wieder einstelle, habe auch damit zu tun, wie sehr die Krise nachhalle, wie ausgeprägt die psychischen Narben seien. Und das habe zusammenfassend vor allem damit zu tun, wie man die Krise erlebt habe, wie die eigene Einstellung zum Leben und zu Krisen aussehe und in welcher Phase des Lebens man gerade stecke.

"Jugendliche, die raus gehen, Party machen und echte Kontakte knüpfen wollen, haben den Lockdown zum Beispiel ganz anders erlebt als Erwachsene im mittleren Alter, die voll im Berufsleben stehen. Und unter Letzteren macht es einen Unterschied, ob man seine Verwaltungsarbeit genauso gut im Homeoffice erledigen konnte oder ob man selbstständig ist und um seine Existenz fürchten musste", erläutert Brockmann.

Wie gut man eine Krise wegstecke, habe unter anderem mit der inneren Einstellung zu tun. Denn eine Krise bedeute auch immer Kontrollverlust. Die Frage ist: Wie geht man damit um? Ist das Glas halb leer oder halb voll? Oder auch: "Wie gut kann man sich umfreuen?", wie es Brockmann formuliert. Sie erklärt: "Wer sich auf eine neue Situation gut einstellen und das Gute daran sehen kann, hat es leichter, mit einer Krise umzugehen und das Glück wiederzufinden. Entscheidend ist das relative Urteil."

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Krisenbewältigung sei, wie isoliert man die Situation – hier den Lockdown – erlebt habe. "Negative Ereignisse, die wir mit anderen teilen, erscheinen uns weniger dramatisch, weil wir wissen, dass es anderen gerade genauso ergeht wie uns", erklärt Brockmann. Wer im Lockdown seine sozialen Kontakte beispielsweise durch gemeinsame Spaziergänge oder digitale Treffen am Leben gehalten habe, werde das Glück nach Corona einfacher finden als jemand, der sich komplett isoliert habe.

Auch anderen Menschen zu helfen, könne dem eigenen Glück dienlich sein. Man spreche hier auch von dem Helpers High – von dem Hochgefühl, dass man selbst spürt, wenn man anderen zu Freude verholfen hat. Es ist geradezu lebensnotwendig. Zumal einem soziales Engagement Anerkennung verschaffe – ganz besondere Wertschätzung gebe es dafür in Zeiten sozialer Isolation, wenn zwischenmenschliche Kontakte und soziales Engagement knappe Ressourcen seien.

Das Glück nach Corona wiederzufinden, ist laut Brockmann ein natürlicher Drang des Menschen. Er wolle nicht nur eine gewisse Lebenszufriedenheit spüren, sondern auch immer wieder den Glückszustand erreichen. Dieser sei eng an Lernphasen gekoppelt. "Man sucht und findet das Glück, dann ist man befriedigt. Danach setzt das Lernen ein: Wo und wie hat man das Glück eigentlich gefunden? Wie kann das wieder gelingen?", erklärt die Professorin. Zum Lernen gehörten auch Tiefpunkte und Krisen. Sie sorgten für die richtige Motivation, sich wieder auf die Suche nach dem Glück zu machen und Lerneffekte zu durchlaufen.

Und was hat das mit Corona zu tun? Was könnten wir aus der globalen Krise gelernt haben? "Wir haben gelernt, dass es nützlich ist, kollektiv zu handeln und gemeinsam für unser Glück zu sorgen", sagt Brockmann. Diesen Lerneffekt könnten wir in die nächste Krise mitnehmen – zum Beispiel in die Klimakrise. Nach Ansicht Brockmanns hat dafür bereits während des Lockdown ein Bewusstsein begonnen. "Durch Spaziergänge in der Natur haben viele gelernt, die Umwelt wertzuschätzen und sich dafür zu engagieren", sagt sie.

Zur Sache

Der Vortrag "Gibt es (ein) Glück nach Corona? Wenn ja, wie sieht es aus?" findet am Montag, 11. Oktober, um 19.30 Uhr statt. Interessierte können sowohl an der Präsenzveranstaltung im Hörsaal des Hanse-Wissenschaftskollegs als auch online auf HWK digital teilnehmen. Platzreservierungen sind im Internet unter dem Link https://hanse-ias.de/anmeldung möglich. Mehr Informationen zu dem Vortrag und den Anmeldemodalitäten gibt es im Internet unter dem Link https://hanse-ias.de/veranstaltungen/oeffentliche-veranstaltungen/detail/event/81.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+