Haus Coburg Delmenhorst Ein Spiel mit Raum und Farbe

Mit geometrischen Elementen und selbstentwickelten Techniken erschafft der Schweizer Künstler Giacomo Santiago Rogado optische Illusionen. Seine Kunstwerke stellt er derzeit im Haus Coburg in Delmenhorst aus.
24.01.2021, 16:57
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ingo Möllers (Fotos) und Désirée Bertram (Text)

Den Stufen einer hölzernen Treppe den Weg hinauf folgen – entlang an weißen hohen Wänden, die zeitweise durch das einfallende Tageslicht zu strahlen scheinen. Oben angekommen fällt der erste Blick auf ein abstraktes Kunstwerk in kühlen Farben. Dieses erstreckt sich über eine fast zweieinhalb Meter hohe Leinwand. Geometrische Elemente treffen hier auf verschiedenste Farbakzente, die optische Illusionen erzeugen. „Das Auge kann nicht still stehen und der Betrachter wird in einen Bann gezogen“, sagt Giacomo Santiago Rogado während er auf ein Werk in überwiegend warmen Rottönen zeigt.


Der Schweizer Maler mit spanisch-italienischer Herkunft stellt bis Ende März seine Werke im Haus Coburg Delmenhorst aus. Seine Ausstellung „Anfang von etwas“ soll den Betrachter anregen, über Malerei nachzudenken und auch die Möglichkeit schaffen, etwas über sich selbst zu erfahren, erzählt Rogado. Manche Gemälde sind nur ein bisschen größer als ein Din-A4-Blatt, andere hingegen haben eine Höhe von mehr als zwei Metern. Das Verhältnis zwischen großen und kleinen Ausstellungselementen soll „Entspannung für das Auge“ erzeugen, sagt der Künstler. Seine Kunstwerke entstehen entweder in seinem Atelier in der Schweiz oder in Berlin. Die Umgebungen selbst haben aber keinen großen Einfluss auf seine Kunst – „Von innen nach außen“, so beschreibt er seinen künstlerischen Prozess.

Bei jedem Hinsehen lässt sich etwas Neues in seinen Gemälden entdecken. „Alle sehen unterschiedlich aus, haben aber eine ähnliche Struktur“, sagt er und verrät, dass er immer an mehreren Werken gleichzeitig arbeite. Dabei spielt er kreativ mit „der Wirkung von Farbe und Form“. Zudem lasse Rogado ganz unterschiedliche „selbstentwickelte Techniken“ bei seiner Gestaltung miteinfließen. So färbe der Künstler beispielsweise den Stoff einer Leinwand ein, lässt die Farben miteinander verlaufen oder trägt dicke Schichten Ölfarbe auf und zieht mit einem feinen Pinsel Strukturen in die farbige Masse. Das Greifen nach den Farben, die Rogado verwendet, sei für ihn ein intuitiver Prozess: „Man fühlt sich ja auch nicht jeden Tag gleich.“

Aber nicht nur die Kunstwerke selbst spielen eine wichtige Rolle in seiner gesamten Ausstellung, sondern auch die Anordnung in den Räumen der Städtischen Galerie. Rogado habe sich Gedanken gemacht, wie man durch die Räume gehe, wie der Lichteinfall ist und der Raumschnitt aussehe: „Mir gefallen all die räumlichen Eindrücke.“ Die Bilder sollen nicht nur mit einem frontalen Blick betrachtet werden, sondern auch aus verschiedenen Perspektiven, wie etwa aus dem Weitblick oder Seitenblick gesehen werden. „Die Anordnung haben wir ganz bewusst gewählt“, sagt Annett Reckert, Leiterin der Städtischen Galerie. Die Ausstellung führt zum einen durch die hellen Zimmer der ehemaligen Arztvilla. Durch die Eingänge der einzelnen Zimmer kann der Betrachter die verschiedenen Kunstwerke aus mehreren Distanzen ansehen. Zum anderen ist in der Remise des Hauses eine begehbare Installation des Künstlers ausgestellt. Bei seinem drei Meter hohen und 16 Meter langen Kunstwerk gehe es Rogado „ganz stark um räumliche Malerei“. Die Installation befindet sich in einem geschlossenen Raum ohne Tageslichteinfluss. Von der hellen Mitte aus erstrecken sich nach links und rechts verschiedenste Farben, die ineinander verlaufen oder sich auf verschiedenen Ebenen des Werkes befinden. Die Enden hingegen sind dunkel. Rund ein Dreivierteljahr hat der Künstler an seiner Installation mit dem Namen „Anfang von etwas“ gearbeitet: „Ich will keine Geschichte erzählen, sondern es frei und offen halten.“ Er hoffe, dass die Menschen sie Werke „nicht nur sehen, sondern auch spüren und erleben.“

Wegen der coronabedingten Umstände kann die Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst vorerst nicht besucht werden. Deshalb wird es einen virtuellen Einblick in die neue Ausstellung geben: Am Freitag, 29. Januar, findet ab 18 Uhr ein digitales Künstlergespräch mit Giacomo Santiago Rogado statt. Der Link zur Veranstaltung wird im Newsletter der Galerie und auf der Internetseite unter www.staedtische-galerie-delmenhorst.de veröffentlicht. Zudem wird auch zu dieser Ausstellung ein Buch gedruckt. Des Weiteren erstellt Amanda Haas Yoga-Videos zum Mitmachen, die vor den Kunstwerken in den Räumen aufgenommen werden. Diese sollen bald ebenfalls über den Newsletter und die Internetseite veröffentlicht werden.

Laut Reckert unterstützen das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg und der Förderkreis Haus Coburg die Ausstellung finanziell.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+