Renate von der Wöste bekommt Verdienstmedaille für jahrzehntelanges soziales Engagement verliehen „Helfen ist doch selbstverständlich“

Delmenhorst. Helfen. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Renate von der Wöste.
09.04.2016, 00:00
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„Helfen ist doch selbstverständlich“
Von Christina Steinacker

Helfen. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Renate von der Wöste. Die Freude daran, mit Menschen umzugehen, das Bedürfnis, andere zu unterstützen – das war immer ihr Antrieb. „Helfen ist doch selbstverständlich“, sagt sie. „So war das auch in meiner Familie, wir sind so groß geworden.“ Am Mittwoch bekommt die 66-Jährige für ihr jahrzehntelanges soziales Engagement eine besondere Auszeichnung im Rathaus verliehen.

Die gebürtige Delmenhorsterin erhält im großen Sitzungssaal die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Oberbürgermeister Axel Jahnz wird ihr die Verleihungsurkunde überreichen und das Ordenszeichen im Auftrag des Bundespräsidenten Joachim Gauck anheften. „Man ist schon stolz“, gesteht sie lächelnd, aber fast ist es ihr auch ein bisschen unangenehm, so im Mittelpunkt zu stehen. „Ich wäre lieber auf der anderen Seite, um jemandem das zu überreichen.“

Bereits seit 1987 ist die Mutter eines erwachsenen Sohnes Mitglied im Sozialverband VdK Deutschland. In ihrer Funktion als Vorsitzende des Hasberger Ortsverbandes engagiert sie sich seit fast 30 Jahren als Ansprechpartnerin für die rund 120 Mitglieder. Nachdem sie 18 Jahre lang auch noch Frauenvertreterin im Kreisverband Delmenhorst war, übernahm sie im Jahr 2005 den stellvertretenden Vorsitz des Kreisverbandes. Und im Landesverband Niedersachsen-Bremen des VdK ist die Hasbergerin seit über 13 Jahren zudem als stellvertretende Vorsitzende aktiv.

Wobei das noch längst nicht alles ist. „Der VdK hat die Auszeichnung ausgelöst, weil ich damit die meiste Zeit zu tun habe“, erzählt von der Wöste. Vor ihrem Eintritt in den Verband war sie auch schon anderweitig sozial aktiv. Aber dazu später mehr. Denn zunächst berichtet die Delmenhorsterin von einem Unfall, den sie damals hatte. Durch ihn bekam sie Kontakt zum VdK. „Der Arzt hat gesagt, ich soll mal dorthin gehen, weil es auch um eventuelle Erwerbsminderung ging.“ Sie hatte drei Knie-Operationen, ging dem Ende der Frist entgegen, und es drohte, dass kein Krankengeld mehr weiter gezahlt werde, erzählt von der Wöste, die nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau noch eine zur Hauswirtschaftsmeisterin nachgelegt hatte. „Ich bin dann Mitglied geworden – das muss man ja, wenn man Hilfe in Anspruch nimmt – und mir wurde zu meinem Recht verholfen“, blickt von der Wöste zurück, die seit dieser Zeit in Rente ist. Im Verband blieb sie auch danach. „Das ist Tradition. Man nimmt nicht mehr unbedingt eine Beratung in Anspruch, aber bleibt trotzdem Mitglied“. Zumal der VdK ja auch mit den Mitgliedsbeiträgen arbeite.

Zu ihrem Ehrenamt kam sie dann ganz unerwartet: „Zeitgleich mit dem Eintritt wurde ich auch Vorsitzende im Ortsverband, es standen Neuwahlen an, und da hat man mich sozusagen ausgeguckt“, erzählt sie. „Mein erster Gedanke war: Das kann ich nicht. Aber da wächst man rein. Dann macht man das einfach.“ Als Vorsitzende kümmert sie sich um den „gesellschaftlichen“ Teil – „ich mache keine Rechtsberatung, das machen sie im Kreisverband“. Zu ihren Tätigkeiten zählen vor allem die Organisation von Informationsveranstaltungen, die Fortbildung, Unterstützung und Koordination der ehrenamtlich Tätigen, die im Kreisvorstand wirken, sowie die Mithilfe in der Mitgliederberatung.

In Berührung kam die heute 66-Jährige mit der sozialen Arbeit aber schon Mitte der 70er-Jahre, als sie die damalige Geschäftsführerin der Awo, Hannelore Händel, kennenlernte. Die beiden wurden Freundinnen. „Sie hat mich motiviert, das war der Auslöser, dass ich mit eingestiegen bin.“ Renate von der Wöste kümmerte sich nachmittags um Kinder, spielte, malte und kochte mit ihnen, und fuhr später auch mit Gruppen ins Ferienlager: „40 Kinder, drei Wochen, in Bayern auf der Alm“ – sie erinnert sich gern daran zurück.

Ihre Initiative war auch eine große Spendensammlung für ein Kinderheim in Russland Ende der 90er – auch da kam es wieder auf, das Bedürfnis zu helfen, als sie mit ihrem Mann das Heim auf einer Reise besuchte. Und über die Zustände dort vollkommen erschüttert war: „Die hatten da nichts, nackte Wände, ein Loch in der Decke als Dusche“, schildert die Delmenhorsterin, die daraufhin einen Aufruf startete. Die Resonanz war überwältigend: „Von Waschmaschine über Badewanne bis hin zum Weihnachtsengel haben wir später alles gehabt, um das Waisenhaus komplett auszustatten.“

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