Straßenreinigung Laub am besten im Garten kompostieren

Alle Jahre wieder kehren Grundstückseigentümer im Herbst stundenlang Laub zusammen. In Delmenhorst gibt es gute Möglichkeiten, dieses heruntergefallene Laub ordnungsgemäß zu entsorgen.
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Laub am besten im Garten kompostieren
Von Gerwin Möller

Allein in den öffentlichen Grünanlagen der Stadt fallen jeden Herbst rund 1000 Kubikmeter Laub an. Darin eingeschlossen ist auch die Menge, die der städtische Baubetrieb im Straßenbegleitgrün einsammelt. Für manchen Bürger ist das herabfallende Laub auch eine Last. Denn nicht nur für den eigenen Garten sind die Eigentümer verantwortlich, sie müssen zum Teil auch vor der Haustür auf dem öffentlichen Gehweg kehren. Ähnlich wie beim Schneedienst wird die genaue Zuständigkeit dafür über die Straßenreinigungsverordnung geregelt.

Nach mühsamer Kehrarbeiten, die oft stundenlang dauern, steht man im Herbst oftmals vor riesigen Bergen an Laub. Zu viel, um es alles in die Biotonne zu stopfen. Grundstücksbesitzer sind für die Entsorgung selbst zuständig. Unterstützung bieten die Abfall-Annahmestellen am Burggrafendamm, an der Steller Straße und an der Lemwerderstraße. Aber das kostet Geld. Pro 150 Liter im Sack werden 1,50 Euro berechnet, für bis zu zwei Kubikmetern Lauf werden fünf Euro fällig. Für rund 800 Bürger der Stadt gibt es eine Ausnahmegenehmigung. Sie haben die Erlaubnis zur kostenlosen Anlieferung des Laubes von der Stadt erhalten. Dafür waren die Grundstücke per Luftbildaufnahmen und im Zweifelsfall direkt vor Ort überprüft worden, erklärt Rathaussprecher Timo Frers. „Die haben eine unverhältnismäßig große Menge an öffentlichem Baumlaub zu entsorgen.“

Es besteht auch die Möglichkeit, das Laub auf privaten Grundstücken einfach liegen zu lassen. Auch wenn das Laub nicht vom eigenen Baum stamme, sondern vom Nachbarn oder städtischen Grünanlagen herüber wehe, muss sich der Grundstückseigentümer selbst darum kümmern. „Die Blätter dürfen nicht einfach in die Gullys gekehrt werden“, erläutert Timo Frers. Genauso wenig wie man es einfach zum Nachbarn oder auf die Straße fegen darf.

Auf den Wert, den Laub für die Natur hat, weist der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hin. „Für viele Arten, gerade für Insekten, ist es ein Überlebensraum“, sagt Rüdiger Wohlers vom Nabu Niedersachsen. Sie suchen darunter im Winter Schutz vor Kälte und Frost. „Laub auf Beeten verhindert wiederum das Austrocknen der Böden, wird zu hervorragendem Humus, ist Überwinterungsterrain für Kleintiere wie Igel und eine Nahrungsquelle – auch für die in der Bodenbildung unverzichtbaren Regenwürmer“, sagt Wohlers.

Beim Nabu vertritt man übrigens die Position, dass Laub am besten mit dem Besen zu kehren ist. Motorbetriebene Gartengeräte stören ihrer Ansicht nach Umwelt und Gesundheit durch Lärm und Schadstoffe. Und gerade beim Betrieb sogenannter Laubsauger stören sie auch den Naturhaushalt.

Der Laubhaufen im Garten hilft nicht nur Insekten über den Winter. „Er ist der Allrounder unter den Winterquartieren. Erdkröten und Igel schätzen das Laub als Schutz gegen Kälte, insektenfressende Tiere als Nahrungsquelle“, sagt Bettina Janßen, Vorsitzende des Delmenhorster Nabu. Und sie ergänzt: „Als Mulchschicht auf den Beeten schützt Laub die Pflanzen vor Frost und dient auch hier als Winterquartier für Insekten.“ Wer noch mehr für Igel tun wolle, könne ein Igelhaus bauen.

„Man kann das Laub unter Büschen und auf Beeten auch liegen lassen“, sagt der Biologe Uwe Handke, der auch im Nabu aktiv ist. Wo nötig werden Harke und Rechen eingesetzt. Handke schwört auf die Anlage eigener Komposthaufen, so helfe man in der Tat dem Naturschutz. Beim Kompostieren sei zu bedenken, dass einige Laubarten, wie Eichenlaub, problematisch seien. Die meisten Laubarten sind schon nach eineinhalb bis zwei Jahren verrottet und wieder als Dünger einsetzbar. „Der Kompost kann dann im Garten Mineraldünger oder Torf ersetzen“, sagt der Nabu-Aktivist. Bodenorganismen wie Regenwürmer, Asseln und Schnecken würden durch Kompostierung gefördert. „Der Komposthaufen ist natürlich auch ein Lebensraum in dem Ringelnattern, Molche und Kröten überwintern“, sagt Handke. In Laubhaufen überwintern viele Käferarten. „Es macht bestimmt mehr Sinn, eine ungeordnete Ecke im Garten zu belassen, als ein künstliches Insektenhotel aufzuhängen“, sagt er. Der bisher so milde November lasse es übrigens noch zu, jetzt Laubhaufen für Igel und andere Kleintiere liegen zu lassen. „Die Tiere sind noch gar nicht im Winterschlaf“, sagt Handke. Natürlich sollten Laubhaufen so platziert werden, dass man sie bis zum kommenden März ruhen lässt und mit dem Wegräumen erst „nach dem Auszug“ der Tiere beginnt.

Die Fraktion der Delmenhorster Liste hat übrigens einen Vorschlag entwickelt, der auch bei der Laubentsorgung hilft. Die Abfallwirtschaft Delmenhorst soll zur Abfuhr der Grünabfälle zusätzlich zur bekannten “Grünen Tonne” auch die Bereitstellung von kompostierbaren Grünabfallsäcken ermöglichen. Dadurch würde man zugleich unnötigen Verkehr zu den Annahmestellen vermeiden helfen.

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