Hertie in Delmenhorst Stadt soll altes Kaufhaus erwerben

Vor elf Jahren schloss Hertie in der Innenstadt von Delmenhorst. Seitdem steht die Ruine leer und harrt der Entwicklung. Investor Werner Uhde scheiterte. Nun will die Politik, dass die Stadt das kaufhaus kauft.
16.07.2020, 18:31
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Stadt soll altes Kaufhaus erwerben
Von Andreas D. Becker

Der Knoten scheint durchschlagen: Am späten Mittwochnachmittag hat der Verwaltungsausschusses (VA) des Rates beschlossen, wie es mit Hertie weitergehen soll. Am Ende gab es nach Informationen des DELMENHORSTER KURIER ein einstimmiges Votum: Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, zeitnah einen Vertrag zu entwerfen und mit der Ersten Projektentwicklungsgesellschaft Delmenhorst, vertreten durch Investor Werner Uhde, zu verhandeln. Die Stadt wird im Falle des Kaufs den Abriss auf den Weg bringen und mit einem Investorenwettbewerb die Fläche neu entwickeln lassen.

Das, was jetzt noch fehlt, ist der entsprechende Ratsbeschluss. Schnellstmöglich solle eine Ratssitzung einberufen werden, sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz am Donnerstag. Wann diese Sitzung genau stattfindet, ist noch nicht klar. Aber es gab Stimmen aus der Politik, die sich für einen Termin in der kommenden Woche oder wenigstens in der ersten Hälfte der Sommerferien ausgesprochen haben, damit die Verwaltung umgehend anfangen kann zu arbeiten, um bei Hertie Fortschritte zu erreichen.

Das, was nun schon einmal beschlossen wurde, entspricht der bisherigen Variante 5 in den Beratungen. Die Verwaltung fasst dieses Modell folgendermaßen zusammen: „Ankauf/Zwischenerwerb durch Stadt, Investorenwettbewerb, Weitervermarktung“. Wobei diese Lösung auch nicht die war, die die Verwaltung selbst favorisiert hat. Denn die Planungsfachleute im Rathaus sehen durchaus auch Nachteile, obwohl das Einschreiten der öffentlichen Hand, um städtebauliche Fehlentwicklungen zu stoppen, auch bei anderen Objekten durchaus üblich sei. „Diese Variante bedeutet allerdings einen erheblichen Aufwand, der im Fachdienst 51 zu leisten wäre. Dies hätte eine weitere womöglich jahrelange Verzögerung der Entwicklung Hertie-Kaufhauses zur Folge“, führte die Verwaltung aus. Sie schrieb auch: „Diese Variante ist dem Stillstand vorzuziehen, jedoch nur als letzte Möglichkeit bei Scheitern aller anderen Optionen zu forcieren.“ Der Punkt scheint nun also erreicht, alles andere ist gescheitert.

Investor Werner Uhde ist gesprächsbereit, um mit der Stadt über einen Verkauf zu verhandeln. „Wir werden jetzt unsere Kosten dokumentieren“, sagte er auf Nachfrage. „Wir wollen an dem Objekt nicht verdienen.“ Allerdings wird sein Unternehmen auch nicht bereit sein, den Kauf durch die Stadt durch einen eigenen Millionen-Verlust zu subventionieren. Es wird spannend, bei welchem Wert sich die Parteien treffen. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Verkehrswertgutachten hatte ergeben, dass der Kaufhaus-Klotz samt Grundstück rund 1,9 Millionen Euro wert ist. Und eigentlich darf die Stadt nicht mehr als den Verkehrswert zahlen. Uhde: „Wir werden alles mittragen, was gut für die Stadt ist.“

Er betont aber auch, dass sein Unternehmen seit anderthalb Jahren eine Lösung für die Revitalisierung in der Schublade hatte. Wie berichtet, hatte Uhde bereits Zusagen von einem Fitnessstudiobetreiber und einem Unternehmen, das betreutes Wohnen anbieten wollte. Allerdings wurden diese Pläne in der Politik sehr kritisch gesehen. Dass Uhde daran festhielt, hatte auch damit etwas zu tun, dass nur Lösungen im jetzigen Gebäude gefördert worden wären. Was beim Investor auf Unverständnis stößt. „Dass ein Abriss oder ein Teilabriss mit Neuaufbau, also das, was für die Stadt am besten ist, nicht förderfähig sein sollen, ist in meinen Augen ein Irrwitz.“

Dass in den Ferien Bewegung in die Geschichte gekommen ist, lag an einem von der Fraktion FDP/UAD initiierten Antrag, dem sich CDU, Grüne und Partner sowie die Freien Wähler angeschlossen hatten. Sie wollten unbedingt vor der Sommerpause eine Entscheidung fällen. Auf Wunsch der Parteien kam auch Investor Uhde in den VA und berichtete vom aktuellen Sachstand. Das dürfte den Entschluss, dass die Stadt am besten selbst aktiv werden soll, befeuert haben. Genauso wie die Aussage, dass der Abriss durch die Stadt auch mit Fördergeldern unterstützt wird. „Ich bin über die Entscheidung sehr froh, sie eröffnet uns an der Stelle eine echt Zukunftsperspektive“, sagte Antragsteller Murat Kalmis von der FDP. Der Fraktionsvorsitzende von FDP/UAD erhofft sich durch den Abriss im Osten der Innenstadt eine architektonische Aufwertung. An eine Lösung mit großflächigem Einzelhandel, wie sie einmal angestrebt worden war, glaubt er nicht mehr. „Da müssen wir umdenken und uns für neue Ideen öffnen.“

Oberbürgermeister Axel Jahnz sieht es ebenso: „An diesem zentralen Punkt in unserer Innenstadt benötigen wir eine zukunftsfähige Entwicklung, und manchmal ist ein drastischer Schritt der beste.“ Auch Christian Wüstner, Sprecher der Innenstadtkaufleute, schließt sich dem an: „Ich bin froh, dass wir nach vielen Jahren des Stillstands nun endlich ins Handeln kommen. Aber die nun gewählte Option bedeutet auch viel Arbeit.“ Laut Jahnz wird ein solches Mammutprojekt auch gar nicht mit Bordmitteln gestemmt werden können. Er geht davon aus, dafür einen externen Projektentwickler zu engagieren.

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