Benefizkonzert soll besondere Therapie für Henrik ermöglichen Hoffen auf ein Wiedersehen mit den Delfinen

Delmenhorst. Der fünfjährige Henrik Bellersen ist geistig und körperlich behindert - seine Familie ist auf Spenden angewiesen, um eine Delfintherapie zu finanzieren.
26.01.2010, 03:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Anja Perkuhn

Delmenhorst. Neben der Haustür der Familie Bellersen steht eine Keramikschale mit ein paar Pflanzen darin. Zwischen den Pflänzchen liegt ein runder, heller Stein mit ein paar eingravierten Worten: 'Das einzig wahre Glück ist der gelebte Augenblick' steht darauf. In einem Schaufenster wäre dieser Stein nicht mehr als ein Stück Kitsch. Vor dem Haus der Bellersens aber kündigt er an, was Besucher dort erwartet.

'Inzwischen weiß ich, dass es mit dem Glück wirklich so ist', sagt Manuela Bellersen. Ihr fünfjähriger Sohn Henrik ist geistig und körperlich schwerbehindert, und seine Eltern haben gelernt, die schönen Momente zu genießen und mit den weniger schönen umzugehen - und dafür zu sorgen, dass es mehr schöne Momente als andere gibt. Deshalb hoffen sie jetzt auf Spenden für eine Delfintherapie für Henrik.

Was auf dem Stein in der Keramikschale keine Erwähnung findet, ist das Lachen, das im Haus der Familie Bellersen allgegenwärtig zu sein scheint. Manuela Bellersen scherzt mit ihrem Mann Andre über ein paar Tanzstunden-Versuche, und Henrik lächelt dazu. Sandra Otte, eine langjährige Freundin der Familie und Manuela Bellersens Arbeitgeberin, trägt ein selbst geschriebenes Lied über Entscheidungsschwierigkeiten vor und erntet Kichern, und auch die Diskussion über den Familienhund Basko endet in großem Gelächter.

Henrik lacht ebenfalls. Er strahlt über das ganze Gesicht, schaut mit großen Augen seine Eltern an. Das ist nicht selbstverständlich, das konnte er vor ein paar Jahren noch nicht, war still und sah immer an den Gesichtern seiner Eltern vorbei. Henrik kam als Frühgeburt zur Welt, erlitt nach sechs Tagen eine Blutvergiftung. Die führte zu Schäden am Hirn und somit zu seiner Behinderung. Sprechen kann Henrik nicht, er lautiert stattdessen. Der blonde Junge sitzt wegen seines Spasmus weniger als er steht auf dem Schoß seines Vaters. Dass Henrik sich jetzt zu ihm herumdrehen und ihn direkt anschauen kann, dass er lacht, verdankt die Familie einer Delfintherapie. Vor zwei Jahren hatten die Bellersens genug Geld beisammen, um mit ihrem Sohn auf die Karibikinsel Curacao zu fliegen und ihn dort zwei Wochen lang mit den Therapietieren arbeiten zu lassen.

Und es hat sich gezeigt, dass das eine gute Entscheidung war: Schon nach drei Tagen gab es den ersten Erfolg, und Henrik begann, sich im Liegen selbst auf den Bauch zu drehen. 'Und das Gefühl, als er uns später das erste Mal direkt angesehen hat', erzählt seine Mutter, 'das kann man gar nicht beschreiben.' Die Arbeit mit den Meeressäugern hat mehr bewirkt, als sich Manuela und Andre Bellersen je erhofft hatten - mehr und anderes, als die Heiltherapie, die Logopädie, das therapeutische Reiten und die Krankengymnastik, die Henrik in Deutschland zur Verfügung stehen. Deshalb wollen die Eltern im kommenden April noch einmal mit ihm nach Curacao, auch wenn die Krankenkasse so etwas nicht bezahlt. Umgerechnet etwa 5000 Euro kostet die Therapie, hinzu kommen noch Flug und Unterkunft - Geld, das sich die Familie schon 2008 zusammensparen und -sammeln musste.

Und da kommt Sandra Otte mit ihrer Musik ins Spiel. Sie kennt die Familie seit zehn Jahren, 'die beiden sind so geblieben, wie sie vorher waren', sagt sie und lächelt das Ehepaar an. Frohnaturen, starke Personen, auch wenn man ihnen die Erschöpfung oft anmerke, sagt Otte. Das war vor allem im ersten Lebensjahr des Jungen der Fall. Um der kleinen Familie zu helfen, will Sandra Otte am 21. Februar in Harpstedt als 'Sandra Otte und ihr Couchcafé' mit ihrer Band auftreten, Kuchen verkaufen und dabei Spenden sammeln. Auch Familie Bellersen wird an diesem Tag dabei sein.

Ihre Geschichte haben Manuela und Andre Bellersen in den vergangenen Jahren schon oft erzählt. Für die beiden ist es einfach ihre und keine, die Mitleid erregen soll. 'Wenn wir den ganzen Tag rumheulen, nützt das ja auch nichts', sagt sie pragmatisch. Henrik quiekst und gluckst ein wenig. 'Was wir inzwischen für Reaktionen bekommen haben, das ist ganz stark', sagt seine Mutter. Vor allem die bisherigen Vorberichte für das Benefizkonzert für Henrik haben viel Feedback erzeugt: Viele Patienten der Physiotherapie-Praxis von Sandra Otte haben zum Beispiel gespendet, aber auch wildfremde Menschen. 'Da war eine ältere Dame, die nicht einfach so Geld überweisen wollte. Also hat sie angerufen und sich mit mir unterhalten.' Am nächsten Tag kam sie beim Haus der Bellersens vorbei - und gab einen Briefumschlag mit 500 Euro ab. 'Es ist unglaublich, was da passiert', sagt Manuela Bellersen.

Wie viele Menschen beim Konzert sein werden, vermögen weder Henriks Eltern noch Sandra Otte zu erahnen, aber das mache ihnen gar nichts aus, sagen sie. 'Wenn es so sein sollte, dann spielen wir eben auch für zwei', sagt Otte mit einem Augenzwinkern. Das einzige Problem dabei ist allerdings: Henrik kennt ihre Musik noch nicht - und hört eigentlich am liebsten Hörspiele und das Programm von Comedian Mario Barth, 'wahrscheinlich, weil der einfach durchgehend sabbelt', vermutet Henriks Mutter. Doch auch für den Fall, dass ihm die Popmusik nicht gefällt, hat Otte schon eine Lösung parat: 'Selbst wenn er uns auslacht, lacht er ja immerhin.'

Die Bellersens sind unter 04221/659490 zu erreichen. Sie freuen sich über Spenden an: Dolphin Aid e. V., Stadtsparkasse Düsseldorf, BLZ: 30050110, Kontonummer: 20002424, Verwendungszweck: Henrik Bellersen.

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