Nachgefragt: Werner Dörgeloh über seinen schmerzhaften Siegtreffer gegen Hoykenkamp und seine Zukunft „Ich soll mich nicht so anstellen“

Herr Dörgeloh, am Sonntag verwandelten Sie den entscheidenden Siebenmeter im Spitzenspiel der Handball-Landesliga Weser-Ems zum 31:30-Sieg der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg gegen die TS Hoykenkamp. Im anschließenden Jubel traf Sie jedoch ein Mitspieler mit der Faust am Kopf und Sie zogen sich eine Platzwunde über dem linken Auge zu.
07.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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„Ich soll mich nicht so anstellen“
Von Patrick Hilmes

Herr Dörgeloh, am Sonntag verwandelten Sie den entscheidenden Siebenmeter im Spitzenspiel der Handball-Landesliga Weser-Ems zum 31:30-Sieg der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg gegen die TS Hoykenkamp. Im anschließenden Jubel traf Sie jedoch ein Mitspieler mit der Faust am Kopf und Sie zogen sich eine Platzwunde über dem linken Auge zu. Wie geht es Ihrem Kopf mittlerweile?

Werner Dörgeloh : Die Wunde ist noch etwas dick und hat mehrere Farben, ansonsten ist aber alles gut. Ich bin auch schon schon wieder am Arbeiten.

Trotz der Verletzung sind Sie wieder am Arbeiten als Heizungsmonteur?

Mein Chef hat mich zwar am Morgen ausgelacht, aber das geht schon. Er findet es gut, wenn wir Sport treiben, wenn wir uns verletzen, aber weniger (schmunzelt). Ich mache alles möglich, wenn es irgendwie geht. Als ich mir die Achillessehne gerissen habe, war ich zwei Wochen später auch wieder auf der Arbeit. Eigentlich wollte ich nächste Woche nicht spielen, aber meine Frau hat gesagt, ich soll mich nicht so anstellen (lacht).

Wie verlief Ihr Sonntag nach dem Spiel noch?

Unser Torwart Arne Klostermann hat mich zum Krankenhaus nach Delmenhorst gefahren, dort habe ich anderthalb Stunden verbracht. Ich sagte dem Arzt, ich brauch' nur ein Pflaster, aber der hat mich dann doch lieber mit vier Stichen genäht (lacht). Eine Gehirnerschütterung hatte ich aber nicht. Richtig schade ist, dass ich nach diesem Sieg nicht mal mit den Jungs ein Bier trinken konnte.

Wissen Sie denn mittlerweile, wer Ihnen den Schlag verpasst hat?

Nein, es hat sich bisher noch keiner getraut, das zuzugeben. Wenn ich ihn mal finden sollte, unterhalte ich mich noch mal mit ihm (lacht).

Wie war es um Ihre Gefühlslage vor dem entscheidenden Siebenmeter bestellt? Waren Sie wirklich nicht nervös?

Nein, war ich wirklich nicht. Vor dem Spiel war ich viel nervöser. Zu dem Zeitpunkt mit dem Siebenmeter hatten wir das Unentschieden ja schon sicher.

Zunächst hatte jedoch ihr Teamkollege Stefan Buß den Ball vor dem Entscheidungswurf in der Hand. Warum haben dann doch Sie geworfen?

Wir hatten uns beide angeguckt und eigentlich wollte Stefan werfen. Auch, weil ich vorher schon lange Zeit auf der Bank saß. Aber ein Mitspieler hat dann gesagt, ich soll werfen. Zuvor bin ich ja bei einem Siebenmeter übergetreten, da sagte ich mir: Den machst du jetzt sicher rein. Und dennoch war der Keeper dran. Aber egal, er war drin.

Sie haben schon bei diversen Derbys mitgespielt. Haben Sie schon einmal solch eine turbulente Schlussphase erlebt?

Die Spiele gegen Hoykenkamp sind immer eng und besonders. Diesmal war es ja auch wieder auf Augenhöhe. Aber so, nein, das habe ich auch noch nicht erlebt, erst recht nicht, dass ich den letzten Wurf gemacht habe. In den letzten zehn Minuten mussten auf unserer Seite drei Spieler raus, für die gleichen Aktionen auf der Gegenseite musste aber keiner raus. Dadurch wog das Spiel hin und her. Am Ende ist das aber egal, wir haben ja gewonnen. Und ich denke auch verdient, denn wir waren spielerisch etwas besser. Wir waren auf jeder Position gefährlich, was man an unseren diversen Torschützen auch ablesen kann. Bei Hoykenkamp waren es immer wieder die Rückraumschützen.

Die Trainer übten sich vor und auch nach dem Spiel in Understatement. Sehen Sie es auch so, dass es „nur“ um zwei Punkte ging?

Insgeheim denken die Trainer auch, dass das schon eine andere Nummer war. Hoykenkamp hätte gerne gewonnen, dann wäre es beinahe eine Vorentscheidung im Titelrennen gewesen. Aber auch wenn das jetzt doof klingt, wir denken weiter von Spiel zu Spiel und wollen unsere Serie weiter ausbauen. Gegen Schüttorf am Sonnabend geht es darum, den Sieg gegen Hoykenkamp zu vergolden, ansonsten war er nichts wert.

Wie sehr gieren Sie und die Mannschaft nach dem Titel?

Ein Thema ist das bei uns noch nicht. Aber natürlich wollen wir die Meisterschaft holen, jetzt wollen wir da bleiben, wo wir sind, ganz oben. Zudem könnten wir theoretisch nicht an den Relegationsspielen teilnehmen, denn zu diesem Zeitpunkt sind wir eigentlich auf Mannschaftsfahrt auf Mallorca (lacht). Das haben wir vor der Saison gebucht, damals haben wir über die Relegation noch nicht nachgedacht.

Wie ist es denn um Ihre eigene aktive Zukunft bestellt?

Sollte nichts Besonderes passieren und ich frei von Verletzungen bleiben, dann spiele ich noch ein Jahr. Verbandsliga wäre dann die Krönung.

Danach ist definitiv Schluss?

Meine Tochter will einen Hund haben, das habe ich ihr auch versprochen. Meine Frau sagt aber, dass ich dafür mit Handball aufhören muss. Aber ich sag' schon lange, dass das mein letztes Jahr ist. Mittlerweile glaubt mir das keiner mehr, daher sag' ich es besser nicht (lacht). Zudem müssen die Jungs und der Trainer mich ja auch noch haben wollen.

Aber der Schlag ist nicht so zu verstehen, dass Sie in der Mannschaft nicht mehr willkommen sind, oder?

Das durfte ich mir von meinen Mitspielern auch schon anhören. Ich habe geantwortet, sie müssen mich dafür nicht schlagen, sagen reicht (lacht).

Das Interview führte Patrick Hilmes.

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