Schulbehörde hält Vorgehen für zumutbar Ärger um Auslieferung der Testkits

Während die meisten Schulen ihre Testkits für die Schülerschaft als Einzelverpackung erhalten, werden diese an Gesamt- und Berufsschulen in Paketen geliefert. Dort ist ein Umpacken erforderlich.
19.04.2021, 19:20
Lesedauer: 3 Min
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Ärger um Auslieferung der Testkits
Von Gerwin Möller

Die Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule, Sigrid Radetzky, ist ziemlich schlecht auf das Regionale Landesamt für Schule und Bildung zu sprechen. Von dort wird die Verteilung der Corona-Schnelltests organisiert, die durch die Schulen an die Jugendlichen weitergegeben werden sollen. Aber ihre Schule erreichen keine vorgefertigten Einzelpackungen sondern Großgebinde. "Da haben wir erst einmal eine Bastelstunde einzulegen", sagt Radetzky. Vor der Weitergabe an die Schüler müssen die Testkits noch zusammengestellt werden. "Das bedeutet auch, dass wir zuerst 3000 Gefriertüten einkaufen müssen, da Beutel in der Sendung gar nicht enthalten sind.“ Zusätzlich seien auch 3000 Gebrauchsanleitungen in der Schule auszudrucken, um sie beilegen zu können. Für das Umpacken aus den Großgebinden sei es dann erforderlich, möglichst sterile Bedingungen zu schaffen. "Geht aber nicht", sagt Radetzky, immerhin seien die Kräfte, die das Zusammenstellen der einzelnen Testkits übernehmen, mit Masken ausgestattet und sie waschen sich gründlich die Hände.

Auf diesen „untragbaren Missstand“ weist auch der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hin: „Es kann nicht sein, dass eine schon jetzt über alle Maße herausgeforderte Schule auch die Testkits selbst zusammenstellen soll“, sagt GEW-Sprecher Alexander Rehling. Die Kollegen der betroffenen Schulen würden mit großer Anstrengung Lernmöglichkeiten schaffen, auf späte Verfügungen der Stadt und des Landes reagieren und regen Kontakt zu den Eltern halten. Jetzt würden sie zusätzlich noch mindestens zweimal in der Woche für alle Schüler ein Testkit zusammenstellen.

Am Freitag nach Ostern wurden die ersten Testkits durch das Landesverteilzentrum per Paketdienst an die Schulen ausgeliefert. Dass die Gesamtschulen und die Berufsbildenden Schulen als Adressaten der Großgebinde ausgewählt wurden, bringt Andreas Meisner, Landesvorsitzender der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule, auf die Palme: „Warum nun solche Testkits vorwiegend an diese beiden Schulformen ausgeliefert werden, bleibt ein Rätsel.“

Das will die so gescholtene Behörde nicht auf sich sitzen lassen: „Zunächst erlauben Sie uns den Hinweis, dass uns die Ausstattung von etwa 3000 Schulen mit etwa 3,2 Millionen erforderlichen Testkits pro Woche vor große Herausforderungen stellt, die gerade in der Startphase gelegentlich zu Ruckeleien führen können, bis sich das System eingespielt hat“, sagt Mareike Wellmeier aus der Pressestelle des in Lüneburg ansässigen Landesamtes. Mit den Großpackungen wurden ausschließlich große Schulen beliefert, Wellmeier nennt Gesamtschulen und Berufsbildende Schulen. Das sei nicht anders möglich gewesen, denn man sei gezwungen gewesen, aufgrund der weltweit sehr hohen Nachfrage nach Selbsttests sicherzustellen, dass alle Schulen termingerecht in ausreichender Menge beliefert werden können. So wäre es notwendig gewesen, auch auf Selbsttests zurückzugreifen, die nicht in Einzelverpackungen, sondern in Paketen à 25 Tests geliefert werden.

Dass die Behörde ihre IGS als große Schule einordne, wundert Radetzky. Die IGS Delmenhorst unterrichte rund 850 Schüler, damit sei man aber keinesfalls größer als das Maxe oder das Willmsgymnasium. Dessen Schulleiter Stefan Nölting berichtete gegenüber dem DELMENHORSTER KURIER, dass dort die Tests in Einzelpackungen eingetroffen seien.

Dass die einzelverpackten Komponenten aus den Großpackungen vor der Verteilung erst zu einem Testset zusammengestellt werden müssen, bestätigt Landesschulbehörden-Sprecherin Wellmann und wendet ein: „Dabei kann auch auf die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern zurückgegriffen werden.“

Diese Aussage erzürnt Sigrid Radetzky erneut: „An der Schule sind nur noch die Jugendlichen im Präsenzunterricht, die sich gerade auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten, alle anderen werden in ihrem Zuhause unterrichtet, wer soll da also unterstützen?“

„Wenn das Land den Mund zu voll nimmt und Tests verpflichtend macht, muss es auch Sorge tragen, dass eine hinreichende Anzahl an Selbsttests beschafft wird und das Chaos nicht einer oder zwei Schulformen auferlegen“, sagt GGG-Landeschef Meisner.

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Zur Sache

Umverpackung in der Schule

Die Anleitung des Kultusministeriums sieht vor, dass
aus den Großgebinden zunächst die 25 Spenderkappen vereinzelt werden müssen. Da diese jedoch nicht verschlossen verpackt sind, sollte die Umverpackung unbedingt mit gründlich gewaschenen Händen oder mit Einweghandschuhen erfolgen, um eine mögliche Verunreinigung der Kappen zu vermeiden. Am einfachsten wäre es für jeden auszugebenden Test die einzelnen Komponenten in einen sauberen (Gefrier-) Beutel umzuverpacken, sodass alle Testkomponenten sauber und vollständig dem einzelnen Schüler mitgegeben werden können.

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