Delmenhorster Klinikum stellt Rückenmarkstimulation vor Im Fokus steht die Schmerzlinderung

Delmenhorst. Die Klinik für Anästhesiologie in Delmenhorst geht seit vier Jahren alternative Wege bei der Behandlung von Rückenschmerzen. Betroffenen werden nicht operiert oder mit Medikanenten behandelt, sondern einer Rückenmarkstimulation (SCS) unterzogen.
05.05.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Im Fokus steht die Schmerzlinderung
Von Florian Cordes

Delmenhorst. Die Deutschen haben eine Volkskrankheit: Rückenschmerzen. Wege gibt es viele, diese Schmerzen zu lindern oder ganz zu beheben, zum Beispiel durch Medikamente oder Operationen. Doch es gibt auch eine Alternative. Und zwar die Rückenmarkstimulation (SCS). Diese Methode wird seit bereits vier Jahren in der Schmerztherapie der Klinik für Anästhesiologie in Delmenhorst angeboten.

Doch was wird durch die Rückenmarkstimulation überhaupt erreicht? 'Ein verletztes Körperteil sendet ein Signal an das Gehirn, das als Schmerz empfunden wird. Das SCS zielt darauf ab, das Schmerzsignal auf dem Weg zum Gehirn zu blockieren oder abzuschwächen', erklärte Dr. Gunnar Jähnichen, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie im Klinikum Delmenhorst, beim Pressegespräch. 'Das Verfahren ist nicht komplett neu, aber in den letzten Jahren hat sich die Rückenmarkstimulation enorm weiterentwickelt.'

Weiterentwickelt hat sich vor allem die Art der Behandlung. War früher noch eine aufwändige Operation nötig, müssen die Ärzte heutzutage nur noch einen kleinen Eingriff vornehmen, um den Patienten zu helfen. 'Dadurch, dass damals eine richtige Operation erforderlich war, brauchten die Patienten natürlich eine längere Erholungsphase', erläuterte Jähnichen.

Die neue Methode könne dagegen ohne Vollnarkose vollzogen werden. Dem Patienten wird eine Nadel in den Rücken gestochen. Durch die Nadel wird anschließend ein dünner Draht geschoben, an dessen Ende sich Elektroden befinden, die an der Wirbelsäule implantiert werden. Die Elektroden geben schließlich schwache elektrische Impulse an das Rückenmark ab, die das Schmerzsignal blockieren. Jähnichen stellte klar, dass sich die Methode schmerzhafter anhöre als sie wirklich sei. 'Der Patient verspürt lediglich ein kribbelndes Gefühl', schilderte der Arzt.

Keine Nebenwirkungen

Die Rückenmarkstimulation hat nach den Erfahrungen von Jähnichen zwei große Vorteile. Zum einen bringe das SCS keine bekannten Nebenwirkungen mit sich, wie es bei Medikamenten häufig der Fall sei. 'So werden keine Organe angegriffen. Im besten Fall kann das SCS-System starke Medikamente komplett ersetzen', sagte Jähnichen. Der zweite Vorteil des SCS sei, dass zu Beginn der Therapie eine einwöchige Testphase stehe. 'Während dieser Zeit schauen wir, ob es eine Besserung der Schmerzen gibt. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, wird der Draht ganz einfach wieder herausgezogen', erklärte Jähnichen. Werden die Schmerzen jedoch geringer, wird an das Ende des Drahtes ein kleiner Generator angeschlossen, der anschließend in das Gesäß implantiert wird. Dieser Generator schickt schließlich den elektrischen Strom an die Elektroden. Jähnichen: 'Das ganze System funktioniert ähnlich wie ein Herzschrittmacher.'

Der Leitende Oberarzt erklärte aber auch, dass die Rückenmarkstimulation kein Wundermittel ist und die Volkskrankheit Rückenschmerzen nicht komplett heilen wird. 'In den wenigsten Fällen sind die Patienten komplett schmerzfrei. Im Fokus der Therapie steht vor allem die Linderung der Schmerzen und damit die Steigerung der Lebensqualität', sagte Jähnichen.

Am kommenden Dienstag, 11. Mai, gibt es um 19.30 Uhr im Klinikum eine Informationsveranstaltung für Patienten. Hier wird Dr. Gunnar Jähnichen die Methode erklären und erläutern, welche Patienten für eine Behandlung geeignet sind. 'Denn nicht jeder Mensch, der über Rückenschmerzen klagt, kann mit dem SCS behandelt werden', stellte er klar.

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