Arztbesuche nicht verschleppen

Britische Mutante setzt sich durch

Die Corona-Patienten im Josef-Hospital werden jünger: Klinikchef Florian Friedel berichtet von längeren Liegezeiten auf der Intensivstation als neue Herausforderung.
07.04.2021, 16:17
Lesedauer: 1 Min
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Britische Mutante setzt sich durch
Von Gerwin Möller
Britische Mutante setzt sich durch

Klinik-Geschäftsführer Florian Friedel informierte über die aktuelle Corona-Lage im Josef-Hospital.

INGO MÖLLERS

Unter den Corona-Patienten im Josef-Hospital hat sich die britische Mutante „überwiegend durchgesetzt“. Das berichtet Klinikleiter Florian Friedel. Weil viele Alte schon geimpft seien, verändere sich gerade die Altersstruktur. Die britische Covid-Variante gilt als infektiöser und führt häufiger zu schweren Verläufen. Das drückt sich auch in einer gestiegenen Verweildauer der jünger werdenden Intensivpatienten aus. „Wir brauchen dadurch eine etwa doppelt so hohe Kapazität auf der Intensivstation“, sagt Friedel. Aktuell behandelt das Hospital 13 Corona-Patienten, drei davon werden auf der Intensivstation künstlich beatmet.

Für das Krankenhaus sei es momentan besonders schwierig, Prognosen zur weiteren Entwicklung abzugeben, „das bedeutet, dass wir jederzeit auf das worst-case-Szenario eingestellt sein müssen“, so Friedel. Schlimmste Vorhersagen zur Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen nach den Osterfeiertagen seien so nicht eingetreten.

Eine weiterhin große Belastung fürs Josef-Hospital bringe die Arbeit in der Notaufnahme mit sich. Dort registriere man insgesamt weniger Patienten. „Es fehlen diejenigen, die früher mit eher ambulant zu behandelnden Leiden zu uns kamen“, so Friedel. Weil das öffentliche Leben eingeschränkt sei, gebe es auch weniger Unfallopfer. Aber jeder, der eingeliefert werde, müsse bis zu einem negativen Testergebnis wie ein Corona-Patient unter Schutz gestellt werden. Ein weiteres Problem bestehe darin, dass die Patienten später als sonst zur Klinik kämen. „In manchen Fällen haben wir annehmen müssen, dass wenn der Patient einen Tag früher oder auch nur wenige Stunden zuvor ins Krankenhaus gekommen wäre, wir besser hätten helfen können“, sagt Friedel und appelliert, dringende Arztbesuche nicht aufzuschieben. „Wir haben ein hervorragendes Hygienekonzept entwickelt, aus Angst vor einer Ansteckung sollte niemand fernbleiben“, sagt Friedel. Der Klinik-Geschäftsführer verzeichnet einen spürbaren Anstieg bei der Fallschwere der neuen Patienten, der entsprechende Index weise ein Plus von rund 15 Prozent aus. „Wer seine Krankheit verschleppt, droht sie zu chronifizieren, gehen Sie rechtzeitig zum Arzt.“

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