Verwirrung über Familienzentrum

„Hü und Hott“ im Sozialausschuss

Drei Mal beriet der Sozialausschuss über die Fortführung des Familienzentrums an der Fröbelschule. Strittig bleibt die Trägerschaft. Die Politik beschloss zuletzt eine europaweite Ausschreibung.
07.12.2020, 19:17
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
„Hü und Hott“ im Sozialausschuss
Von Gerwin Möller
„Hü und Hott“ im Sozialausschuss

Die Debatte um das geplante Familienzentrum am Standort Fröbelschule hält weiter an.

INGO MÖLLERS

Die Verwirrung scheint groß: Drei Mal beriet der Sozialausschuss über die Fortführung des Familienzentrum-Projektes an der ehemaligen Fröbelschule. Und jedes Mal mit einem anderen Ausgang. Rudolf Mattern leitet im Rathaus den Fachbereich Jugend, Soziales und Gesundheit, in der Ausschusssitzung am vergangenen Donnerstag verschlug es ihm fast die Sprache. In einer ersten Beratung Ende Oktober war der Fachbereichsleiter von den Kommunalpolitikern noch dafür gerügt worden, den Verwaltungsvorschlag nicht mit der Arbeitsgemeinschaft der Träger freier Wohlfahrtsverbände koordiniert zu haben. In diesem Gremium koordinieren sich Arbeiterwohlfahrt (Awo), Caritasverband, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk, Paritätischer Wohlfahrtsverband und die Jüdische Gemeinde. Vergangene Woche hatte Mattern dann eine mit diesem Gremium abgesprochene Beschlussempfehlung vorgelegt. Vertretern von SPD und CDU war das wieder nicht recht, weil dieses Mal ihrem Votum an anderer Stelle nicht gefolgt worden war: In einer zwischenzeitlichen Beratung votierte der Ausschuss nämlich dafür, die Trägerschaft fürs Familienzentrum europaweit ausschreiben zu lassen. Donnerstag lag aber eine Version vor, die die Wohlfahrtsverbände mittragen können, auch weil die europaweite Ausschreibung fehlte. Stattdessen würde die Stadt die Trägerschaft übernehmen, dieses aber als Zuwendungsgeber an einen Wohlfahrtsverband delegieren.

Dass ein „weiter so“ an der Fröbelschule unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt nicht infrage kommt, war inzwischen allen Beteiligten klar. Noch bis März ist die Awo im Schulgebäude mit ihrem Projekt zur Flüchtlingsbetreuung engagiert. Das Rathaus hatte auf das baldige Auslaufen des entsprechenden Vertrags hingewiesen. Der Streitpunkt macht sich seitdem daran fest, ob die Betreuung des Familienzentrums eine Aufgabe sei, die die Stadt in Eigenregie übernehmen könne oder ob ein nichtstädtischer Träger gefunden werden solle. Nach Auffassung der Rathausverwaltung sei bei einer Trägersuche eine europaweite Ausschreibung zwingend. Und: Die wollen eigentlich alle vermeiden.

Ein ähnliches Vergabeverfahren gilt nämlich als Mahnung: Es hatte jüngst für den Betrieb der Kindertagesstätte an der Schreberstraße eine europaweite Ausschreibung gegeben (wir berichteten). Anstelle einer der in Delmenhorst ansässigen Wohlfahrtsorganisationen erhielt ein im Raum Stuttgart ansässiger Verein den Zuschlag.

Jetzt wurde gerade von SPD und CDU gefordert, den Betrieb des Familienzentrums an der Fröbelschule auszuschreiben. Mattern hatte an die Kommunalpolitiker appelliert, davon Abstand zu nehmen. Ein solches Verfahren sei kaum bis zum Auslaufen des Awo-Vertrages abzuschließen, und dann gehe dort das Licht aus. Einen Übergang ohne Schließzeit könne es nur geben, wenn das Projekt in städtische Hand übergehe und von dort ein Zuwendungsempfänger, beispielsweise die Awo, die Arbeit fortsetze.

„Jahrelang haben Verwaltung und Wohlfahrtsverbände sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet“, sagt Andreas Neugebauer von der Delmenhorster Liste. Nun solle diese Ära ein Ende haben, „so haben es Sozialdemokraten und Christdemokraten beschlossen“. Auch die fraktionslose Sozialdemokratin Antje Beilemann zeigt sich irritiert und wirft den Befürwortern der europaweiten Ausschreibung vor, in Unkenntnis der Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden zu handeln.

Montagabend kam die CDU-Fraktion zu ihrer turnusmäßigen Sitzung zusammen und hat eine neue Positionsbestimmung festgelegt: „Uns geht es vor allem darum, dass die Arbeit an der Fröbelschule weitergeht und niemand entlassen werden muss“, sagte Michael Adam auf Nachfrage des DELMENHORSTER KURIER. Man sei jetzt damit einverstanden, auf die europaweite Ausschreibung zu verzichten und wolle die Stadt beauftragen, für einen Zeitraum von zwei Jahren einen Zuwendungsnehmer für das Familienzentrum zu finden. „Dass das zugunsten der Awo ausfallen wird, dürfte kein Geheimnis sein“, sagte Adam. Der CDU-Sozialpolitiker erklärte, „stinksauer“ über das Verfahren zu sein, das betreffe insbesondere den Zwist nach der ersten Ausschusssitzung.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+