Industriemuseum Delmenhorst Was das Vereinsleben bewegt

Das Nordwestdeutsche Museum für Industriekultur plant eine neue Sonderausstellung fürs kommendes Jahr, in der es um das Delmenhorster Vereinsleben geht. Die Schau soll mit Bürgern zusammen gestaltet werden.
17.03.2020, 09:00
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Was das Vereinsleben bewegt
Von Esther Nöggerath

Delmenhorst. Das gesellschaftliche Leben in Delmenhorst wird durch kaum etwas so sehr geprägt wie durch Vereine. Über 360 eingetragene Vereine gibt es in der Stadt, einige von ihnen dabei schon seit Jahrhunderten, wie etwa die St.-Polykarpus-Gilde, die sich bereits 1454 zusammengeschlossen hatte und deren Mitglieder sich in wirtschaftlicher Not, bei Feuersbrünsten, Krankheiten wie etwa der Pest oder Sterbefällen gegenseitig unterstützen sollten. Wie sehr das Vereinsleben Delmenhorst geprägt hat und was die Vereine auch heute noch immer für eine Bedeutung für die Stadt haben, will das Nordwestdeutsche Museum für Industriekultur in einer Sonderausstellung „Dein Verein – Delmenhorster Stadtgeschichte(n)“ zeigen.

Geplant ist die Sonderausstellung anlässlich des 650-jährigen Jubiläums der Verleihung der Stadtrechte in Delmenhorst im kommenden Jahr. „Wir wollten ein Thema aufgreifen, von dem sich möglichst viele Menschen angesprochen fühlen“, erklärt Sonja Köster, die als Volontärin das Projekt im Museum federführend leitet. „Da bot sich das Vereinsleben einfach an.“ Denn auch wenn nicht jeder unbedingt in einem Verein Mitglied ist, hat zumindest jeder bestimmt von dem ein oder anderen Verein gehört, Bekannte, die irgendwo aktiv sind oder vielleicht bei der ein oder anderen Veranstaltung eines Vereins schon mitgemacht.

„Das Vereinsleben macht einen Großteil des gesellschaftlichen Lebens aus“, sagt Köster. Egal ob im kulturellen, sportlichen oder alltäglichen Bereich. „Das ist ganz vielfältig“, hat sie festgestellt. Da gibt es natürlich die großen Vereine, die fast jeder kennt, wie etwa den SV Atlas. Und dann gibt es aber auch kleinere Vereine oder Gruppen, die nur wenigen Menschen bekannt sein dürften, wie etwa der Stenografenverein in Delmenhorst oder auch die ein oder andere Selbsthilfegruppe. „Diese Vielfältigkeit soll auch in der Ausstellung rüberkommen“, betont Köster.

Geplant ist zum einen ein historisch-informativer Teil in der Ausstellung, in dem anhand von bürgerlichen Vereinigungen, Verbänden und Vereinen besondere geschichtliche Themen aufgegriffen werden sollen wie etwa das Vereinswesen während der NS-Zeit oder auch die Einflüsse der Arbeitsmigration, die in Delmenhorst eine besondere Rolle spielt. „Es geht auch darum, was ein Verein überhaupt ist und was typisch für Delmenhorst ist“, erklärt Köster.

Weil das Museum das Thema so lebendig wie möglich rüberbringen möchte, sollen außerdem die Vereine bei der Ausstellung eng mit einbezogen werden. „Das wird für uns besonders spannend“, sagt Köster. Man wolle die Ausstellung mit den Bürgern zusammen entwickeln. Deswegen sollen für den zweiten Teil der Ausstellung die Vereine selber aktiv werden: Sie sollen Objekte aus ihrem Vereinsleben mit in die Ausstellung einbringen, sodass sich die Präsentation durch die Teilhabe der Vereine weiterentwickelt. Das können Objekte sein, die besonders prägend oder wichtig für den Verein sind, aber auch ganz einfache Dinge wie etwa ein Fußball, ohne den es einen Fußballverein ja gar nicht geben würde. „Wir wollen, dass die Bürger mitmachen und sich wiederfinden können“, erklärt Köster.

Zusätzlich ist auch noch ein interaktiver Teil der Ausstellung geplant, um das richtige Vereinsleben im Museum Einzug halten zu lassen. Dafür will das Museum eine Art Vereinslokal in seinen Räumlichkeiten herrichten, in denen Veranstaltungen oder Treffen von Vereinen und Verbänden abgehalten werden können. Denkbar wären etwa Monatsversammlungen oder Vorstandssitzungen, die dann zur Abwechslung mal im Museum stattfinden, aber auch Handarbeit-Treffs oder andere Veranstaltungen. „Wir freuen uns auch sehr auf die Ideen der Vereine“, sagt Köster.

Gleich ein ganzes Jahr soll die Sonderausstellung im Industriemuseum zu sehen sein. Eröffnet wird sie am 20. Juni 2021. Neben der Ausstellung an sich soll es auch eine Reihe von Begleitveranstaltungen geben. Angedacht ist etwa eine Vortragsreihe passend zum Thema. „Da wäre es natürlich toll, wenn auch Personen aus den Vereinen selber reden möchten“, sagt Köster. Denkbar wären aber auch Vorträge von Wissenschaftlern, die über das Vereinsleben sprechen. Außerdem soll es mehrere Führungen zur Sonderausstellung geben sowie die Reihe der Delmenhorster Lieblingsobjekte mit der Sonderausstellung verknüpft werden.

Zusätzlich zur Sonderausstellung plant das Museum zum Jubiläum der Stadtrechte-Verleihung im kommenden Jahr außerdem eine weitere Ausstellung in Kooperation mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg sowie eine Projektion auf dem Rathausgebäude.


Vereine, die Interesse an der Mitwirkung der geplanten Sonderausstellung haben, können sich bei Sonja
Köster im Industriemuseum melden. Sie ist telefonisch erreichbar unter 0 42 21 / 2 98 58 21 sowie per E-Mail an sonja.koester@delmenhorst.de.

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