Der US-amerikanische Physiker Daniel Kammen ist der diesjährige OLB-Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg Intelligente Stromnetze und CO2-freie Energieerzeugung

Delmenhorst. 'Ich genieße die Zeit, die man hier zum Denken hat.' Professor Doktor Daniel Kammen ist gerade für ein paar Tage aus seinem Alltag gerissen worden, um am Hanse-Wissenschaftskolleg zu forschen. Zwei Tage durchschnaufen, der Energieexperte arbeitet zurzeit nicht in seinem Labor an der Universität Berkeley, sondern - neben seiner Beratertätigkeit der Regierung von Präsident Barack Obama - als Cheftechnologe für erneuerbare Energien und Energieeffizienz bei der Weltbank. 'Das bedeutet: Besprechungen im Fünfzehnminutentakt, von morgens sieben bis abends um neun.' Der Wissenschaftler, der als OLB-Fellow in Delmenhorst ist, genoss deswegen die Denkzeit.
17.11.2010, 05:00
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. 'Ich genieße die Zeit, die man hier zum Denken hat.' Professor Doktor Daniel Kammen ist gerade für ein paar Tage aus seinem Alltag gerissen worden, um am Hanse-Wissenschaftskolleg zu forschen. Zwei Tage durchschnaufen, der Energieexperte arbeitet zurzeit nicht in seinem Labor an der Universität Berkeley, sondern - neben seiner Beratertätigkeit der Regierung von Präsident Barack Obama - als Cheftechnologe für erneuerbare Energien und Energieeffizienz bei der Weltbank. 'Das bedeutet: Besprechungen im Fünfzehnminutentakt, von morgens sieben bis abends um neun.' Der Wissenschaftler, der als OLB-Fellow in Delmenhorst ist, genoss deswegen die Denkzeit.

Ein Mal im Jahr bringt sich die Oldenburgische Landesbank ins Wissenschaftskolleg ein und holt für ein paar Tage einen international renommierten Wissenschaftler. Lord Ralf Dahrendorf war schon da, ebenso der Medizinnobelpreisträger Eric Kandal. Und jetzt eben Kammen, der sich in Berkeley vor allem mit Energiesystemen beschäftigt und als Co-Autor am Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) mitgewirkt hat, das 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Gestern Abend sprach er im OLB-Forum über das Thema 'Wissenschaft und Politik: Gemeinsam für eine saubere Energiewirtschaft'.

Ziel aller Anstrengungen müsse es sein, eine 'Niedrig-CO2-Gesellschaft' zu schaffen. 80 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes sollen in den nächsten 40 Jahren eingespart werden. 'Wir brauchen dafür eine weitere industrielle Revolution.' Ein ehrgeiziges Ziel, das Kammen und der IPCC formuliert haben. Zumal der Energiebedarf der Welt ständig wächst. Große Nationen wie China oder Indien haben riesige Wachstumsraten. Afrika steht erst ganz am Anfang seiner wirtschaftlichen Entwicklung, zudem steigen südlich der Sahara die Bevölkerungszahlen exorbitant - mehr Menschen benötigen auch immer mehr Energie. Kammen forscht deswegen an intelligenten Energiesystemen. 'Ebenfalls von hoher Priorität ist die Entwicklung modernster Solarenergie, einschließlich möglicher Wege zur effizienten Speicherung und Verteilung, denn Solarenergie kann Bedarfe in wohlhabenden und armen Gemeinschaften gleichermaßen befriedigen', führt Kammen aus.

Für Kammen spielt in dem dafür notwendigen zukünftigen Energiemix auch Kernkraft eine Rolle, denn auch sie produziert kein Kohlenstoffdioxid. '2020 würden 80 Prozent der Elektrizität dann durch Solar- und Windenergie, durch Kernkraft, Geothermie und Wasserkraft erzeugt.' Kammen sieht die Nutzung der Atomkraft ganz nüchtern: Sie ist nun mal da, sie wird sogar noch ausgebaut - allein China will zukünftig eine Strommenge von 50 Gigawatt über neue Atom-Reaktoren erzeugen -, also sollte man sie in den Modellen auch beachten. 'Das Problem dabei ist, wie gehen wir mit dem Müll um', meinte er.

Die Rolle des Menschen werde in den Überlegungen zu einer CO2-armen Zukunft noch zu wenig beachtet, gibt Kammen zu. Aber da würden wir in den kommenden Jahren sicherlich viele Veränderungen erleben, aus Kammens Sicht werden soziale Internetnetzwerke wie Facebook dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie werden das Vehikel sein, wenn es darum geht, Verhaltensweisen zu ändern. 'Aber das Thema Verhaltens-Ökonomie ist noch weitestgehend Neuland.' Das Internet spiele nicht nur eine große Rolle, wenn es um Verhaltensweisen geht, auch auf den Energiemarkt könnte mit Internet Bewegung kommen. 'Wir brauchen ein E-Bay für Energie', ist sich Kammen sicher. Nur so profitieren auch die Verbraucher: durch bessere Qualität und geringere Preise.

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