Hanse-Wissenschaftskolleg unterhält seine Gäste intellektuell Jahresempfang der anderen Art

Delmenhorst. Jahresempfänge sind im Grunde nette Zusammenkünfte, bei denen man sich in der Regel an einem alkoholischen Getränk festhält und mit den Anwesenden ein bisschen plaudert, über Fußball, diese Kälte, das Dschungel-Camp oder was die aktuelle Small-Talk-Top-Ten gerade so hergibt. Eigentlich. Aber das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) als einzige akademische Einrichtung der Stadt von Rang zelebrierte seinen Jahresempfang am Freitag anders. Intellektueller.
28.01.2013, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Jahresempfänge sind im Grunde nette Zusammenkünfte, bei denen man sich in der Regel an einem alkoholischen Getränk festhält und mit den Anwesenden ein bisschen plaudert, über Fußball, diese Kälte, das Dschungel-Camp oder was die aktuelle Small-Talk-Top-Ten gerade so hergibt. Eigentlich. Aber das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) als einzige akademische Einrichtung der Stadt von Rang zelebrierte seinen Jahresempfang am Freitag anders. Intellektueller.

Es ging ja schon damit los, dass es künstlerisch begann. Was typisch Reto Weiler ist. Der Professor Doktor der Universität Oldenburg, der auch das HWK leitet, forciert das Zusammenkommen von kreativen Köpfen aus den Künsten und den Wissenschaften ungemein. Und deswegen startete der Abend am Lehmkuhlenbusch mit einer "künstlerischen Lichtinszenierung", die sich die "RaumZeitPiraten" Tobias Daemgen und Moritz Ellerich ausgedacht hatten. Schon mal eine Kunstform, die jede Form des normalen Small Talks sprengt. Normalerweise gibt es ja nur eine Begrüßungsrede des Hausherren und gut. Die gab es auch, allerdings war es damit immer noch nicht gut mit dem Konventionensprengen.

Denn das HWK versteht sich als ein Haus des Denkens – und deswegen gab es an dem Abend ebenfalls noch einen intellektuellen Leckerbissen. Romanautor Bernhard Kegel, der demnächst auch Gast des HWK sein wird, las aus seinen Romanen "Der Rote" und "Ein tiefer Fall", anschließend stieg er in einen Dialog mit HWK-Fellow Cristiano Chiessi, einem Meeresbiologen aus Brasilien, ein. Das Ganze war sozusagen der Auftakt eines neuen Projektes, das die Gedankenwelten im HWK bereichern soll: "Fiction meets Science". Kegel, der selbst früher als Wissenschaftler arbeitete, bevor er sich der Schriftstellerei widmete, beschäftigt sich dabei intensiv mit den Schaffensprozessen im Wissenschaftsbetrieb. Seine These: Unsauberes akademisches Arbeiten, wie es seit dem Guttenbergschen Dissertations-Dilemma ständig öffentlich diskutiert wird und gerade im Fall der Wissenschaftsministerin Annette Schavan wieder hochköchelt, sei nichts Neues und wohl auch nichts Außergewöhnliches. Ansätze, mit denen Kegel sicherlich manche Diskussion anregen wird, wenn er ab April drei Monate zu Gast sein wird.

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