Delmenhorst Jens Wallmann ist Food-Entwickler

Delmenhorst. Jens Wallmann ist Food-Entwickler - er erforscht, erfindet und verbessert Lebensmittel. Wenn er im Supermarkt einkauft, läuft das immer ein wenig anders als bei anderen Kunden ab.
21.02.2010, 21:00
Lesedauer: 3 Min
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Jens Wallmann ist Food-Entwickler
Von Florian Cordes

Delmenhorst. Wenn Jens Wallmann im Supermarkt einkauft, läuft das immer ein wenig anders als bei anderen Kunden ab. Er wirft jedes Mal einen besonders kritischen Blick auf die Lebensmittel, schaut ganz genau auf die Optik der Waren und überlegt, was daran noch zu verbessern sein könnte. Denn Jens Wallmann ist Food-Entwickler - er erforscht, erfindet und verbessert Lebensmittel.

'Beim Einkaufen achte ich darauf, wie man die Fertigprodukte verbessern kann. Daher werde ich manchmal auch komisch im Supermarkt angeguckt', erzählt Wallmann. Zusammen mit der Diplom-Lebensmittel-Ingenieurin Daniela Buchholz betreibt er das Unternehmen 'JW Food Systems' in Bookholzberg.

Erst vor kurzem entdeckte er im Supermarkt einen Back-Camembert, den er für verbesserungswürdig hielt. 'Ich habe dem Hersteller gesagt, dass wir den Camembert mit einer anderen Panade noch besser machen können', berichtet Wallmann. Gesagt, getan: Als er den Auftrag des Herstellers erhielt, forschte er in seinem kleinen Labor, das sich in seinem Wohnhaus befindet, und entwickelte eine Nasspanade, die durch ihre Zusammensetzung besser als die alte Panade an dem Käse haftet.

Jens Wallmann beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Lebensmitteln. Angefangen hat er als Schlachter und arbeitete lange Zeit in einer hessischen Firma in der Anwendungstechnik und Produktentwicklung. 'Schon da wollte ich immer wissen, was wirklich hinter den Produkten steckt. Außerdem brauchte ich eine neue Herausforderung und wollte auf dem Lebensmittelmarkt etwas bewegen', sagt er.

Im Jahr 2008 hat er sich sich dazu entschieden, sich noch intensiver mit der Forschung an Lebensmitteln zu beschäftigen und seine Firma gegründet. Ein Jahr später zog er nach Bookholzberg - und zwar aus mehreren Gründen. 'Hier in Bookholzberg sind wir sehr nahe an den Produktionsstandorten unserer Kunden, vor allem der Fleischindustrie. Und ich bin auch in Bookholzberg zur Schule gegangen", erklärt Wallmann den Umzug aus dem hessischen Bensheim in den Norden Deutschlands.

Seitdem haben er und Daniela Buchholz sich einen Namen in der Lebensmittelbranche gemacht. Deshalb können sie sich vor Arbeit manchmal kaum retten. 'In den letzten 16 Monaten hatten wir kaum frei. Lediglich zu Weihnachten haben wir uns ein paar Tage gegönnt', sagt Wallmann. Der Beginn von Wallmanns Selbstständigkeit war dagegen nicht einfach. 'Anfangs wurde ich schon wegen meiner Ideen belächelt. Mittlerweile werde ich aber respektiert', erzählt der 45-Jährige.

Zurzeit forschen er und Daniela Buchholz an einer weiteren Neuerung auf dem Lebensmittelmarkt. Nämlich an einer Alternative zum Fleisch. Was aussieht wie eine Pampe aus Haferflocken, ist in Wirklichkeit sogenanntes Texturat - ein Stoff, der aus Weizen- oder Sojaproteinen besteht. 'Mit Wasser vermischt, ergibt das Texturat eine vegetarische Alternative zum Hackfleisch', schildert Wallmann.

Rein äußerlich ähnelt das Gemisch weniger an Fleisch. Aber wenn der Food-Entwickler daraus Frikadellen formt und diese in einer Pfanne anbrät, ändert sich das Bild ziemlich schnell. Beim Zerbrechen und Kauen hat man wirklich das Gefühl, eine Frikadelle zu essen. 'Nur der Geschmack ist ein wenig fad. Aber bei den ersten Versuchen verzichte ich ganz bewusst auf Gewürze', erklärt Wallmann: 'Denn zu Anfang geht es darum, dass ich die richtige Zusammensetzung der Mischung finde.'

Der besondere Vorteil des vegetarischen Hackfleischs liegt zudem darin, dass es für die Firmen billiger zu produzieren ist. Denn auch darauf achten Wallmann und Buchholz. 'Wir entwickeln ausschließlich Produkte, die leicht und günstig herzustellen sind', erläutert er.

Und das nicht nur in Deutschland. 'Wir exportieren unsere Erfindungen auch nach Holland', berichtet Wallmann. Und als nächstes wollen sich die beiden Unternehmer auch auf dem osteuropäischen und skandinavischen Markt bekannt machen.

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