Neue Medieninitiative informiert über die Lage im Nordirak Jesiden und Christen hoffen auf internationale Hilfe gegen IS

Delmenhorst. „Wir brauchen Hilfe.“ Das sagte Mîr Tahsîn Alî Beg, religiöses und weltliches Oberhaupt der Jesiden, zum Abschluss seiner Rede.
11.09.2014, 00:00
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Von Andreas D. Becker

„Wir brauchen Hilfe.“ Das sagte Mîr Tahsîn Alî Beg, religiöses und weltliches Oberhaupt der Jesiden, zum Abschluss seiner Rede. Eingeladen hatte ihn die neu gegründete

Medieninitiative Sinjar und Mosul (Misum). In der Initiative sind Christen und Jesiden vereint, die mit Nachdruck über das Leid ihrer Landsleute informieren wollen, die im Nordirak von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) vertrieben und ermordet werden. Und Alî Beg sagte auch, wie diese Hilfe aussehen soll: Einrichtung einer Schutzzone, Lieferung von Waffen, damit sich die Jesiden selbst verteidigen können.

Der Verein setzt aber nicht nur auf religiöse Prominenz, um auf die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Sindschar-Region hinzuweisen, er setzt auf Authentizität, auf Bilder, auf Augenzeugen. Zur Vorstellung der Arbeit im gestrigen Pressegespräch in der aramäischen Gemeinde gab es denn auch erstmal eine mit dramatischer hollywoodesker Musik unterlegte Präsentation, in der vor allem Bilder von leidenden, weinenden Kindern zu sehen sind, oft auch Mütter mit ihren Kindern.

Auch die Augenzeugen berichteten drastisch. So zum Beispiel der aus Detmold stammende Celal Önen, der am Montag aus dem Irak zurück nach Deutschland gekommen ist. Er sagte, er habe sich die Flüchtlingslager in der Türkei angeschaut, er habe den Norden Syriens bereist und sich mit seiner Reisegruppe bis in den Nordirak, in die Berge von Sindschar, vorgewagt. „Überall sahen wir liegen gebliebene Autos, blutverschmierte Kleidung.“ Er malte ein dramatisches Bild, denn mit der Flucht und Vertreibung aus dem Nordirak, „einem eindeutigen Signal der Ausrottung“, gehe auch der Verlust der Identität einher. „Unsere Religion ist endgültig verloren, wenn Jesiden nicht mehr in Sindschar leben“, sagte er.

Eine Frau, die in Oldenburg lebt und ihren Namen nicht nennen möchte, weil sie Angst vor Repressionen hat, erzählte die Geschichte ihrer Schwester, zu der sie zuletzt am 15. August um 11 Uhr Kontakt hatte. Danach nahm der Islamische Staat auch ihre Heimatstadt ein. Alle Frauen und Kinder, die sich zu der Zeit noch im Ort befanden, wurden demnach von den IS-Truppen verschleppt. Wenn sie nicht ermordet wurden, sei davon auszugehen, dass sie als Sklaven verkauft werden.

Die Delmenhorster Landtagsabgeordnete Annette Schwarz (CDU) wies darauf hin, dass die Landespolitik machtlos sei, wenn es um Themen wie Schutzzonen gehe. Aber sie sagte, dass es Bestrebungen gebe, die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge auch in Niedersachsen zu erhöhen, von einem Kontingent von 20 000 Menschen ist die Rede. „Wir stehen in der Verpflichtung, den Menschen zu helfen. Und wir müssen der deutschen Bevölkerung klar machen, wie groß die Not ist. Wir reden nicht über Wirtschaftsflüchtlinge, sondern es geht ums nackte Überleben.“

Mehr Infos auf www.misum.org.

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