Dreckmann berichtet von Bedrohungen und Beschädigungen Jobcenter beklagt Gewaltproblem

Delmenhorst. Siegfried Dreckmann hat ein wachsendes Gewaltproblem im Jobcenter Delmenhorst festgestellt. "Die Mehrheit der Kunden verhält sich angemessen. Dennoch passieren solche Vorfälle so häufig, dass es nicht so weitergehen kann".
16.06.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Jobcenter beklagt Gewaltproblem
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Die schwere Tischplatte wurde aus der Verankerung gerissen. Auf dem Fußboden liegen ein Computer-Monitor, eine Blumenvase, ein Stuhl und diverse Blätter Papier. So sah es am Mittwoch in einem Büro des Delmenhorster Jobcenters auf dem Nordwolle-Gelände aus. Ein Kunde hatte die Beherrschung verloren und randaliert. "Ohne erkennbaren Grund", wie Siegfried Dreckmann berichtete. Der Jobcenter-Leiter nahm diesen Vorfall zum Anlass, um zu einem Pressegespräch über das zunehmende Gewaltproblem in der Delmenhorster Einrichtung einzuladen.

"Die Mehrheit der Kunden verhält sich angemessen. Dennoch passieren solche Vorfälle so häufig, dass es nicht so weitergehen kann", betonte Dreckmann. Nach Polizeiangaben handelt es sich bei dem Randalierer von gestern um einen 19-jährigen Delmenhorster. Gegen ihn wird wegen Sachbeschädigung ermittelt. Das Jobcenter stellte Anzeige und erteilte ein Hausverbot bis Ende des Jahres. Die 40-jährige Jobcenter-Mitarbeiterin, in deren Büro der Mann randalierte, wurde nicht verletzt.

Reifen zerstochen

"Auch wenn sie körperlich unversehrt blieb, können solche Angriffe psychische Folgen haben", sagte Dreckmann, der von noch drastischeren Vorfällen im Delmenhorster Jobcenter berichtete. Im Jahr 2005 wurde ein Mitarbeiter mit einem Messer bedroht und seines Portemonnaies beraubt. Beschädigungen gibt es laut Dreckmann durchschnittlich einmal im Quartal. "Feuerlöscher und Büromaterial wurden beschädigt. Mehrmals wurde ohne Anlass der Feuermelder betätigt, was zu Feuerwehr- und Polizeieinsätzen führte", berichtete der Jobcenter-Leiter. Erst kürzlich sei eine gläserne Eingangstür eingetreten worden.

Der schlimmste Fall von Sachbeschädigung seien zerstochene Reifen an Außendienstfahrzeugen gewesen. "Das hätte Unfälle zur Folge haben können", so Dreckmann. Der 56-Jährige wurde auch selbst schon von einem Kunden geschlagen. "So heftig, dass ich ins Taumeln geriet. Dazu kommen regelmäßig Drohungen wie ,Ich weiß, wo du wohnst' oder Beschimpfungen, die man sonst nur von Betrunkenen im Fußballstadion kennt."

Die entscheidende Frage für Siegfried Dreckmann ist nun: "Wie kann man das unakzeptable Verhalten einiger Kunden im Jobcenter verhindern?" Bei den Sicherheitsvorkehrungen gebe es kaum noch Spielraum, wie ihm auch die Polizei versichert habe. Alle Mitarbeiter seien in Deeskalation geschult. Sie hätten an ihren Computern zudem einen Notfallknopf, und in jedem Büro gebe es einen zweiten Ausgang. Familienfotos und Dinge wie Locher, die als Wurfgeschosse dienen könnten, liegen nicht mehr auf den Schreibtischen. "Wir könnten höchstens noch einen Sicherheitsdienst anheuern. Das würde in unserem weiträumigen Gebäude aber keinen Sinn machen", sagte Dreckmann.

Wichtiger wäre ihm, dass sich das Image der Jobcenter und der als Hartz IV bekannten Grundsicherung für Arbeitsuchende in der Gesellschaft verbessert. "Der Staat wendet mehr Geld auf als zuvor. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Trotzdem fehlt der Respekt und die Wertschätzung dafür. Das zeigt sich dann auch an Gewaltausbrüchen in Jobcentern", glaubt Dreckmann. Er forderte daher eine Imagekampagne der Bundesagentur für Arbeit, der kommunalen Spitzenverbände und des zuständigen Bundesarbeitsministeriums. Der Delmenhorster Jobcenter-Leiter versprach: "Ich werde das Thema ,Gewalt in Jobcentern' an die entsprechenden Stellen weitertragen."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+