Josef-Hospital Delmenhorst Krankenhaus erwirtschaftet Überschuss

Das gab es lange nicht mehr: Im Stadtrat von Delmenhorst wurde ausnahmslos positiv über das Josef-Hospital gesprochen. Es ging um die wirtschaftliche Entwicklung und den Neubau. Und auch um einen neuen Namen.
16.07.2020, 11:01
Lesedauer: 4 Min
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Krankenhaus erwirtschaftet Überschuss
Von Andreas D. Becker

Gute Entwicklung im Josef-Hospital (JHD): Nachdem es die Delmenhorster Politik eigentlich über Jahre gewohnt war, Hiobsbotschaften von der Wildeshauser Straße zu hören, berichtete Geschäftsführer Florian Friedel am Dienstag in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause – Achtung: Tusch! – nur Positives. Das JHD wird das Jahr mit einem Plus abschließen. Die Pläne für den Neubau gedeihen aktuell mit großer Geschwindigkeit. Und: Es wird noch in diesem Jahr einen neuen Namen geben.

„Wir rechnen derzeit damit, dass wir das Jahr mit einem Plus von 1,2 Millionen Euro vor Steuern abschließen“, sagte Friedel. Das wären sogar 700 000 Euro mehr, als der Sanierungsplan für das Delmenhorster Krankenhaus vorgesehen hat. Nach Abzug der Steuern könnte dann tatsächlich ein Plus von 700 000 Euro übrig bleiben, rechnete Friedel vor. Vorausgesetzt, das JHD entwickelt sich so wie zu Beginn dieses Jahres weiter. „Das erste Quartal war sehr gut“, führte Friedel aus. „Da lagen wir bereits mit 300 000 Euro über Plan. Doch ab Mitte März mussten wir Knall auf Fall die Patienten entlassen.“ Da waren Corona beziehungsweise die Vorbereitungen auf die Pandemie auch in deutschen Krankenhäusern angekommen.

Statt um die 250 Patienten wurden im JHD im Schnitt noch um 130 bis 150 betreut. Natürlich viel zu wenig, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. „Im April lagen wir bei den Leistungen 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau“, sagte Friedel. Doch Bund und Land halfen. So gab es unter anderem eine Freihalte-Pauschale für die nicht belegten Betten. Friedel bezeichnete sie anfangs immer als knapp auskömmlich für sein Haus. Nun liegen die genaueren Zahlen vor. Und Friedel verkündete: „Wir liegen damit sogar deutlich über dem Plan.“ Bis September wird es diese Hilfe noch geben. Wobei diese Angaben wie immer ohne Gewähr sind, schließlich weiß niemand, wie sich die Pandemie entwickeln wird und ob die Zahl der an Covid-19 erkrankten Menschen nicht doch sprunghaft ansteigt. Zudem muss sich zeigen, wie sich die Patientenzahlen im dann wahrscheinlich wieder normal abzurechnenden vierten Quartal entwickeln.

Geld für einen neuen Namen

Mit dem ersten erwirtschafteten Überschuss nach Beendigung der Insolvenz fällt allerdings Friedels bisheriges Hauptargument gegen eine Namensänderung weg. Bisher hatte er immer gesagt, dass so eine Änderung mit Blick auf die schwierige wirtschaftliche Lage schlicht zu teuer ist. Der Wunsch, dass der in der Bevölkerung nie wirklich akzeptierte Name Josef-Hospital, der immer etwas zu sehr an den früheren katholischen Hauptanteilseigner erinnert, weg muss, existiert seit Langem. 2018 fand er übrigens auch in der Politik Widerhall, damals hatte die FDP beantragt, das Krankenhaus umzubenennen: „Der neue Name soll eindeutig auf die 100-prozentige Beteiligung der Stadt am JHD hinweisen und damit auch dem Grundsatz der Klarheit und Wahrheit im Sinne des GmbH-Gesetzes entsprechen.“ Friedel versprach, dass auch die Mitarbeiter des JHD und die Bevölkerung in die Suche nach einem neuen Namen einbezogen werden sollen.

Bauskizzen vorgestellt

Erstmals wurde im Rat auch ein Eindruck verschafft, wie das neue Krankenhaus aussehen könnte. Jörg Schneider vom Bremer Architekturbüro Gerlach Schneider Partner (GSP) erklärte, wie der neue Krankenhausbau aufgeteilt wird. Optisch soll dabei der wuchtige Sockel mit den unteren drei Geschossen verklinkert werden, um damit die signifikante Formensprache des denkmalgeschützten Höger-Baus aufzugreifen. Die Bettenhäuser in den beiden oberen Ebenen sollen dann deutlich luftiger aussehen, durch die Verschachtelung der einzelnen Trakte soll dem extrem wuchtigen Neubau ein wenig Leichtigkeit verliehen werden.

Aber in erster Linie geht es um eine gute Funktionalität, die vor allem effizientes Arbeiten für die Mitarbeiter zulässt. Das alles sei in engster Abstimmung mit den Beschäftigten entstanden, um deren Bedürfnisse optimal zu bedienen. „Es gab für diesen Abstimmungsprozess mehrere Sitzungen pro Woche.“ Im Erdgeschoss wird dann zum Beispiel die Notaufnahme untergebracht. Während die Rettungswagen auf der Nordseite aufs Gelände fahren und über die Rückseite des Gebäudes die Liegendtransporte bringen, wird es einen separaten Eingang für die Fälle, die zu Fuß kommen, geben. Daneben soll der Haupteingang entstehen, der auf den Platz vor dem Höger-Bau führt. Im Erdgeschoss wird auch ein Café angesiedelt, das über zwei Geschosse gezogen werden soll.

Im ersten Stock werden die Operationssäle, aber auch die Geburtshilfe und die Urologie untergebracht, in den beiden oberen Stockwerken entstehen Bettenhäuser. Diese sind so flexibel, dass sie schnell nach den jeweiligen Patientenbedarfen in unterschiedliche Kluster geteilt werden können, erklärte Schneider. Auf Nachfrage von Kathrin Seidel (Bürgerforum) versicherte Architekt Peter Schipkowski, dass auf jeden Fall Fotovoltaik und auch der Einsatz von regenerativen Energien eine Rolle beim Neubau spielen werden. „Genau diese Fragen werden nun alle vom Planungsbüro VA in Hannover bearbeitet.“ Zu den Kosten des Projektes wurde allerdings nichts gesagt, auch auf Nachfrage an Florian Friedel gab es am Mittwoch keine Antwort.

Neues Selbstbewusstsein

Es gibt aktuell also allen Grund, dass Delmenhorst in Sachen Krankenhaus optimistisch in die Zukunft blicken kann. Eine Stimmung, die sich am JHD selbst auch bemerkbar macht. Zumindest wurde in Sachen Außendarstellung von Olaf Mehlis, unter anderem für Personalmarketing und -entwicklung am JHD zuständig, eine erfrischend sympathische Idee umgesetzt: „Die beste Klinik der Stadt“ steht selbstbewusst, aber auch mit einem sympathisch unverkrampften Augenzwinkern auf neuen Aufklebern. Mittlerweile gibt es also ein Krankenhaus, mit dem die Delmenhorster zufrieden sein können. Und die Patientenzahlen zumindest der ersten drei Monate im diesem Jahr sprechen dafür, dass diese Sicht der Dinge geteilt wird.

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