Fall Niels H. Josef-Hospital reagiert auf Anklage gegen drei Mitarbeiter

Kollegen des Patienten-Mörders Niels H. sollen um seine Taten gewusst, aber nichts dagegen unternommen haben. Am Montag hat das Josef-Hospital auf die Anklage gegen drei seiner Mitarbeiter reagiert.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Josef-Hospital reagiert auf Anklage gegen drei Mitarbeiter
Von Andreas D. Becker

Kollegen des Patienten-Mörders Niels H. sollen um seine Taten gewusst, aber nichts dagegen unternommen haben. Am Montag hat das Josef-Hospital auf die Anklage gegen drei seiner Mitarbeiter reagiert.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Freitag mitgeteilt hatte, dass sie zwei Pflegern und einem Oberarzt Totschlag durch Unterlassen vorwirft, klang es so, als föchte das die Hospital-Leitung nicht an. Sie wolle erst den Ausgang der juristischen Aufarbeitung abwarten, hieß es. Nun die Kehrtwende: „Nach intensiven Gesprächen zwischen Klinikleitung und den drei im Fall Niels H. angeklagten Mitarbeitern sind alle Beteiligten einvernehmlich zu dem Schluss gekommen, dass die Beschäftigung der Angeklagten zwar wie geplant aufrecht bestehen bleibt, der weitere Dienst sich bis zur Urteilsverkündung aber auf patientenferne Tätigkeiten beschränken wird.“

Patientenfern bedeutet, dass sie Arbeiten im Hintergrund – Codierungen, Dokumentationen, Erstellen von Statistiken – erledigen werden. Arbeiten ohne Patientenkontakt eben. Am Montag räumte Hospital-Geschäftsführer Thomas Breidenbach auch ein, dass es ein Fehler gewesen sei, diesen Schritt nicht bereits am Freitag gegangen zu sein. Er betonte aber auch, dass für die drei – drei weitere Angeklagte arbeiten nicht mehr im Haus – weiterhin die Unschuldsvermutung gelte. „Aufgrund der erhöhten Sensibilität und Brisanz der aktuellen Entwicklungen waren wir uns aber einig, diesen Schritt zu gehen.“ Kurz: Der öffentliche Druck dürfte zu groß geworden sein.

Auswirkung auf Patientenzahlen

Intern werde derzeit auch befürchtet, dass sich diese Anklage wieder negativ auf die Patientenzahlen auswirken könnte, ist aus Kreisen des Aufsichtsrates zu vernehmen. Bereits im Sommer hatte das Krankenhaus mit einem unerwarteten Rückschlag leben müssen, als im Kommunalwahlkampf über die Standortfrage hitzig diskutiert wurde. In der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag konnte Breidenbach dann vermelden, dass sich die Patientenzahlen langsam wieder stabilisieren, bis am Freitag der nächste Rückschlag kam.

Das Krankenhaus war seitens der Behörden auch nicht vorab informiert worden. Wenigstens hatte Breidenbach am Freitag – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – das Bedauern der Belegschaft deutlich und glaubhaft zum Ausdruck gebracht: „Die Taten von Niels H. stellen ein unfassbar furchtbares Geschehen und ein Handeln gegen das Herz und den Kern des Antriebs von Menschen dar, die einen Heilberuf erlernt haben. Alle Mitarbeiter des Hauses begrüßen und unterstützen daher die Aufarbeitung des Falles, auch wenn dieses sehr belastend und schmerzhaft ist.“

Lesen Sie auch

Doch gegen diese Worte steht eben die jetzige Anklage. Die Ermittler gehen davon aus, dass Niels H. hätte gestoppt werden können, sodass mindestens eine Patientin weniger, vielleicht sogar drei Menschen weniger gestorben wären. Staatsanwaltschaft und Polizei vermuten, dass aus Angst um den Ruf des Hauses und aus Angst, falsche Anschuldigungen zu erheben, das Morden des ehemaligen Krankenpflegers nicht angesprochen und auch nicht der Polizei gemeldet wurde.

Im jüngsten Prozess gegen H., der im vergangenen Jahr mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe für den Mörder endete, wurde mehrmals ausgeführt, dass H. auf frischer Tat ertappt wurde, als er dem Patienten Dieter M. ohne ärztliche Anordnung ein gefährliches Herzmedikament gespritzt hatte. Aber H. wurde nicht aus dem Verkehr gezogen. Zwei Tage später, direkt bevor er in den Urlaub ging, mordete er ein letztes Mal. Wenn auch mit einem anderen Medikament.

Im Namen der Angehörigen der Ermordeten sagte Christian Marbach mit Blick auf den zukünftig „patientenfernen“ Einsatz der drei Angeklagten: „Eine Entscheidung, die wir als Angehörige der Klinikopfer eingefordert haben und die wir auch in Anbetracht der juristischen Unschuldsvermutung akzeptieren.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+