Arbeitsmarkt Delmenhorst Ukraine-Krieg schlägt sich auf Arbeitsmarkt nieder

Die Zahl der Arbeitslosen in Delmenhorst ist im Juni gestiegen. Es sind vor allem Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind. Grundsätzlich hat sich die Situation am Arbeitsmarkt aber weiter entspannt
30.06.2022, 12:44
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Ukraine-Krieg schlägt sich auf Arbeitsmarkt nieder
Von Kerstin Bendix-Karsten

Der Juni ist vorüber und – hat auf dem Arbeitsmarkt genau das gebracht, was zu erwarten war: Die Zahl der Arbeitslosen ist in Delmenhorst um 3,9 Prozent gestiegen. Insgesamt waren im Juni bei der Agentur für Arbeit 3562 Delmenhorster arbeitslos gemeldet und damit 135 mehr als im Mai. Dies entspricht einer Quote von 9,6 Prozent. Im Mai lag diese bei 9,2 Prozent.

„Im Monat Juni gab es einen saisontypischen Anstieg der Arbeitslosigkeit“, erklärt
Thorsten Müller, Leiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. Denn die ersten zukünftigen Neugesellen, die ihre Ausbildung in diesen und den kommenden Wochen abschließen, melden sich nun arbeitssuchend oder arbeitslos. Das ist aber nur ein Grund für den Anstieg. Noch ein weiterer Effekt schlägt sich in den Arbeitsmarktzahlen nieder: der Ukraine-Krieg.

Vom Jobcenter betreut

Seit 1. Juni werden die Menschen, die aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, über die Grundsicherung (SGB II) von den Jobcentern betreut – so auch in Delmenhorst. "Die um 135 Personen gestiegene Gesamtanzahl arbeitsloser Personen in der Stadt Delmenhorst resultiert überwiegend aus den 105 'neuen' arbeitslosen geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern, welche im SGB II betreut werden", erläutert Philipp Bergk, Geschäftsstellenleiter in Delmenhorst. Bis Ende Mai fielen diese unter das Asylbewerberleistungsgesetz. Bergk geht davon aus, "dass dieser Trend auch in den kommenden Monaten noch Auswirkungen auf die Arbeitslosenstatistik haben wird, da vermutlich noch nicht alle geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer, welche einen Leistungsanspruch haben, den Rechtskreiswechsel ins SGB II unmittelbar vollziehen“.

Obwohl die Arbeitslosenzahl im Juni gestiegen ist, spricht Bergk nach wie vor von einer deutlichen Entspannung des Arbeitsmarktes. Diese zeige sich beim Vergleich mit dem Vorjahr, das vom Corona-Virus geprägt war. So ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Juni 2021 um 7,2 Prozent gesunken. „Mit insgesamt 107 neuen, im Juni gemeldeten Arbeitsstellen stellt sich die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor gut dar", erklärt Bergk. Im Vergleich zum Vorjahr seien seit Jahresbeginn bis Juni 58 Stellen mehr gemeldet worden als im gleichen Zeitraum 2021. Insgesamt werden Helfer – aber auch ganz überwiegend Fachkräfte gesucht.

Freie Ausbildungsplätze

Auch viele Ausbildungsplätze sind noch unbesetzt. Ende Juni waren es 165 Ausbildungsstellen. „In fast allen Ausbildungsberufen gibt es noch freie Ausbildungsplätze", erklärt Bergk. Dem gegenüber stehen 298 Bewerber, die noch unterversorgt sind. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es zwar weniger unversorgte Bewerber (34), die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen ist jedoch größer geworden, und zwar um 19. Die lokale Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt bleibt bestehen, merkt Bergk an: „Bei der Ausbildungsplatzsuche ist es ratsam, neben dem lokalen Angebot auch in angrenzenden Regionen zur Stadt Delmenhorst zu suchen, da das Verhältnis von Bewerbern und gemeldeten Ausbildungsplatzstellen in ländlich geprägten Regionen meist gegenteilig ausfällt und hier die Nachfragen nach Auszubildenden höher ist als das lokale Angebot.“

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