Bernd Busemann in der Delmenhorster Anlaufstelle für Straffällige Justizminister lobt Projektvorbild

Delmenhorst. Lob, aber auch die eindringliche Bitte, die Arbeit in Delmenhorst verstärkt zu unterstützen - damit ist Justizminister Bernd Busemann (CDU) bei seinem Besuch in der Anlaufstelle für Straffällige konfrontiert worden.
16.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Tina Hayessen

Delmenhorst. Lob, aber auch die eindringliche Bitte, die Arbeit in Delmenhorst verstärkt zu unterstützen, erwartete den niedersächsischen Justizminister Bernd Busemann (CDU) am Montag bei seinem Besuch in der Anlaufstelle für Straffällige in der Düsternortstraße. Die Einrichtung des Diakonischen Werkes hilft seit 30 Jahren Menschen, die straffällig geworden sind, bei der Resozialisierung. Gut ein Drittel der Kosten trägt das niedersächsische Justizministerium.

"Es sind die Eierdiebe, mit denen wir hier zu tun haben. Die Verlierer der Leistungsgesellschaft", sagte Frank Schreiber, Leiter der Anlaufstelle, über die Menschen, die an der Düsternortstraße Hilfe suchen. Im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen Politik und Sozialarbeitern stand das Projekt "Geldverwaltung statt Ersatzfreiheitsstrafe". Es wurde von den Mitarbeitern der Anlaufstelle entwickelt und ist nun Vorbild in Niedersachsen. Eine individuelle Betreuung und Beratung soll verhindern, dass Menschen, die eine Geldstrafe nicht bezahlen können, ins Gefängnis müssen. Doch dieses Projekt, das von vielen Seiten Lob und zum Teil Preise einheimste, bringe auch Schwierigkeiten mit sich, hielt Schreiber fest.

"Es gibt neue Zuständigkeitsbereiche", erklärt Schreiber. Auch aus anderen Städten, beispielsweise Verden, kämen nun Anfragen. "Da tut sich ein Dilemma auf, wir sind an unsere Kapazitätsgrenze gestoßen." Positiv, betonte Schreiber, sei die kürzlich eingeführte Position des Entlassungskoordinators in niedersächsischen Gefängnissen, der für die Vorbereitung der Haftentlassung verantwortlich ist. "So hat man immer einen Ansprechpartner."

Dass durchaus noch viel zu tun sei im Umgang mit Straffälligen, dem stimmte Minister Busemann zu. "Wir können noch viel besser werden", stellte er fest und betonte, dass die Arbeit der Sozialarbeiter nicht nur den ehemaligen und den potenziellen Gefangenen helfe, sondern ein unverzichtbarer Beitrag zum System sei. Busemann: "Haupt- und Ehrenamtliche arbeiten im Interesse der Gesellschaft, im Sinne des Rechtsstaates."

Eine Rechnung, aufgestellt von Schreiber, sollte den Anwesenden verdeutlichen, dass auch der Landessäckel von dem neuesten Präventivprojekt entlastet werde. Eine Zwischenbilanz für das erste Halbjahr 2011 zeige, dass allein in dieser Zeit über 10000 Hafttage vermieden worden seien, weil die Verurteilten ihre Geldstrafe abstotterten. Da die Beherbergung eines Gefangenen pro Tag etwa hundert Euro koste, seien so über eine Million Euro eingespart worden - hinzu komme noch das gezahlte Strafgeld.

Der Vortrag verfehlte seine Wirkung nicht - er entlockte Justizminister Busemann das Versprechen, sich für die langfristige Erhaltung des Projekts und der Anlaufstelle einzusetzen.

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