Oh-Ton-Ensemble Oldenburg präsentierte im Rathauskonzert einige Strömungen der Neuen Musik

Kammermusik für Luftballons und Schwamm

Ganderkesee. Die Mitglieder des Oldenburger Oh-Ton-Ensembles sind musikalisch multipel versiert: Sie beherrschen nicht nur ihre eigentlichen Instrumente wie Saxofon, Cello oder Schlagzeug, sondern sie können auch Luftballon. Dreien davon galt es in „Shopping4“, einem Werk des 1956 geborenen Komponisten Michael Maierhof, nämlich mit einem Topfschwamm allerlei Kratz-, Quietsch- und Furzgeräusche zu entlocken, also quasi ein Trio für Luftballons und Topfschwämme.
16.03.2015, 00:00
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Kammermusik für Luftballons und Schwamm
Von Jochen Brünner
Kammermusik für Luftballons und Schwamm

Das Oh-Ton-Ensemble Oldenburg präsentierte im Rathauskonzert Strömungen der Neuen Musik.

Ingo Moellers

Die Mitglieder des Oldenburger Oh-Ton-Ensembles sind musikalisch multipel versiert: Sie beherrschen nicht nur ihre eigentlichen Instrumente wie Saxofon, Cello oder Schlagzeug, sondern sie können auch Luftballon. Dreien davon galt es in „Shopping4“, einem Werk des 1956 geborenen Komponisten Michael Maierhof, nämlich mit einem Topfschwamm allerlei Kratz-, Quietsch- und Furzgeräusche zu entlocken, also quasi ein Trio für Luftballons und Topfschwämme.

Das Oh-Ton-Ensemble war am Sonnabendabend Gast des 62. Ganderkeseer Rathauskonzertes und bildete mit seinem Programm „Zeitsprünge“ ein deutliches Kontrastprogramm in der Konzertreihe, die sonst eher an älterer oder alter Musik ausgerichtet ist. Durch das Programm führte Oh-Ton-Gründer Eckart Beinke, der den etwa 50 Zuschauern einige verschiedene Strömungen der Neuen Musik erläuterte. Das war auch gut so, denn ohne jede Erläuterung hätte das eine oder andere Stück des Programms das Publikum wohl einigermaßen ratlos zurückgelassen. So wies Beinke auch darauf hin, welch größte Konzentration vonnöten sei, damit die Musiker das Maierhof-Werk fehlerfrei über die Bühne bringen.

Um dem Titel „Zeitsprünge“ gerecht zu werden und auch einige traditionellere Kompositionen in den Abend mit einfließen zu lassen, gab es zwei Solowerke von Claude Debussy sowie ein Trio von Charles Koechlin. Und gerade Koechlins „Épitaphe de Jean Harlow“ wirkte in seiner Melodik und seinen erkennbaren musikalischen Motiven im Kontext der anderen Klang-Experimente schon fast exotisch. Beinke erklärte, dass die Debussyschen „Masques“ für Klavier sowie „Syrinx“ für Flöte vor rund 100 Jahren genauso als „unerhörte Neue Musik“ gegolten hätten wie die Werke der zeitgenössischen Komponisten heute.

So etwa die Stücke von Johannes Kreidler („Stil 1e“) oder Alvin Luciers 15-minütiger „Hörmassage“ mit dem Titel „Ever Present“, in denen die Instrumentalisten jeweils gegen Klänge vom Tonband oder aus dem Oszillator anspielen. Zum Programm gehörte auch ein Frühwerk des Ganderkeseer Neue-Musik-Pioniers Hans-Joachim Hespos für Solo-Cello. Cellistin Marie Schmidt machte aus dem etwas spröden Werk vor den Augen seines Schöpfers mit der Inbrunst, mit der sie ihr Instrument bearbeitete, schon eine echte Schau.

Zum Abschluss gab es Britta Muntendorfs Stück „Rundumschlag“, das Ergebnis eines Kompositionsauftrages der Stadt Oldenburg: Ein Werk das auch auf Elemente des Musiktheaters setzt. In dem Stück kommen nicht nur eine eine Flöte, eine E-Gitarre, ein Klavier, ein Schlagzeug und ein Cello vor, sondern auch eine Trittleiter, ein Gymnastikball sowie diverse Weihnachtsbaumkugeln. Und als Flötistin Keiko Murakami die letzte Christbaumkugel zerdeppert hatte, war das Konzert dann auch zu Ende.

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