Delmenhorst Kartoffelfest zieht Besucher an

Delmenhorst. Das Kartoffelfest zieht: Wohl keine andere Veranstaltung lockt in Delmenhorst so viele Besucher an. Was vor 21 Jahren quasi mit einem Bauernmarkt begann, kann sich heute mit Fug und Recht Volksfest nennen.
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Von Simone Becker

Delmenhorst. Das Kartoffelfest zieht. Wohl keine andere Innenstadtveranstaltung lockt so viele Besucher an. Gestern war die mal wieder ein belebter Treffpunkt, man traf sich, um zu schnacken und nebenbei ein paar heiße Puffer zu essen. Was vor 21 Jahren quasi mit einem Bauernmarkt begann, kann sich heute mit Fug und Recht Volksfest nennen. Neben Erdapfelspezialitäten locken Karussells und Buden bei Live-Musik auf die Festmeile rund um den Marktplatz.

Das Besondere am Kartoffelfest, das von offenen Geschäften (nicht nur in der Innenstadt) begleitet wurde, ist für die meisten Delmenhorster überraschenderweise gar nicht die Kartoffel. Es ist vielmehr die gute Gelegenheit, sich mit anderen Menschen zu treffen. Also sehen und gesehen werden bei Kartoffelsuppe und Ofenkartoffeln. Zwischen Wasserturm und Schweinemarkt hatten sie gestern rund sieben Stunden Zeit dafür. Wenn es mal nichts zum Reden gab, dann gab es etwas zum Probieren oder zum Staunen.

"Das Wichtigste ist für mich, hier Leute zu treffen und einen Klönschnack zu halten", sagte Hans Krupp aus Delmenhorst. Der 73-Jährige kehrte gerade von einer Reise in die Toskana mit dem Delmenhorster Heimatverein zurück und hatte deswegen bei einer Tasse Kartoffelsuppe jede Menge zu erzählen. "Die Suppe beim Deutschen Roten Kreuz ist immer sehr lecker, reichhaltig und schmackhaft. Die Wartezeit für die Puffer war mir einfach zu lang", erzählte Krupp, der bereits beim ersten Kartoffelfest dabei war. "Damals waren hier nur ein paar Bauern mit ihren Kartoffeln, aber nix los", erinnert sich der Pensionär.

Laut Stadtmarketing kommen mittlerweile mehr als 50000 Besucher in die Innenstadt. Mindestens so viele waren es auch gestern wieder, wie Anke Hinrichs vom Stadtmarketing am späten Nachmittag schätzte. "Sehr zufrieden" und "alles optimal" lautete ihr Fazit – "heut Nachmittag war es bis etwa 16.30 Uhr wirklich total voll", sagte sie.

Was sich die amtierende Deutsche Kartoffelkönigin Anna Disterhof noch wünscht, ist, "dass noch mehr jüngere Menschen zum Kartoffelfest kommen", sagte sie. Die gebürtige Delmenhorsterin wurde vor etwa zwei Wochen auf dem 27. Rotenburger Kartoffelmarkt gekrönt. "Seitdem reise ich von Kartoffelmarkt zu Kartoffelmarkt, aber nirgends ist so viel los wie hier", lobte sie. Ihr gefiel es auf dem Kartoffelfest in ihrer alten Heimatstadt so gut, dass sie sich spontan auf der Hauptbühne zu einem Ständchen hinreißen ließ.

Für musikalische Unterhaltung sorgten die "Henry-Lion-Band", das Gitarrenduo "Hensen und Blanke", die Musikschule Delmenhorst sowie ein Oldenburger Bläserensemble unter Leitung von Alexander Potiyenko. "Und wir tanzen seit sechs oder sieben Jahren immer vor dem Wasserturm", berichtete Anke Korten, Präsidentin der Delmenhorster Square-Dancer. In bunten Petticoats und Westernhemden drehten sich die 22 Tänzer zwei Stunden lang nach den Ansagen des Callers Oliver Gretje. "Beim ersten Mal haben wir sechs Stunden hier auf dem Kopfsteinpflaster getanzt. Da ist meinem Mann Hans glatt der Schuh kaputt gegangen", erinnerte sich Square-Dancerin Chris Stamer.

An das erste Mal erinnerte sich auch Schauspieler und Parodist Markus Weise, der auf dem Fest das Programm für das Niederdeutsche Theater verteilte und Lose verkaufte. "Es war 1999. Ich kam hier zum Stand und sagte: ,Hallo, ich bin der Markus, darf ich bei euch mitmachen?‘", erzählte der 29-Jährige. Er durfte. Schon damals gehörte es laut Weise für den einen oder anderen zur Tradition, zum Stand zu kommen und Lose zu kaufen. Wer eine Nummer erwischte, durfte sich über zwei Theaterkarten freuen. Wer eine Niete zog, freute sich ebenso über einen Schluck Kartoffelschnaps.

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"Wir freuen uns immer auf Kartoffelpuffer. Das gehört einfach dazu", berichtete Britta Virnig, die mit ihrer Familie in Ganderkesee wohnt. Tochter Kira legte vor dem Ponyreiten noch einen Halt beim Rassekaninchenzuchtverein Delmenhorst ein. Dort ließen sich die Kaninchen geduldig streicheln. "Wir haben auch viele Anfragen, wie das mit dem Züchten so funktioniert", erzählte der erste Vorsitzende des I5, Markus Witte. Der Verein stellt seit acht Jahren auf dem Kartoffelfest seine Tiere vor. "Wir zeigen 18 von etwa 28 Rassen, die wir in unserem Verein züchten", sagte Witte.

"Das Tolle am Kartoffelfest ist, dass sich die vielen Vereine und Verbände hier präsentieren können. Besonders schön ist der Zuspruch der Besucher", sagte Irene Wieting, Leiterin der ,Aktiven-Frauen-Frühstücksgruppe" des Deutschen Roten Kreuzes. Zusammen mit ihren Damen, die sich alle ehrenamtlich beteiligten, sorgte sie mit Erbsen- und Kartoffelsuppe sowie Puffern für lange Schlangen vor dem Zelt des DRK. "Es sind einfach die besten Puffer auf dem ganzen Fest – aber man muss Geduld mitbringen und mindestens 20 Minuten anstehen", sagte Hans Krupp, der ja eigentlich auch nur zum Klönschnack an den Wasserturm gekommen war.

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