Familien-Bildungsstätte Delmenhorst

Keine Angst vor der Pflege

Viele Menschen werden im fortgeschrittenen Alter pflegebedürftig. Mit einer neuen Vortragsreihe will die Evangelische Familien-Bildungsstätte Ängste abbauen und informieren.
20.10.2019, 11:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Ilias Subjanto

„Moralische und ethische Fragestellungen in der Angehörigenbetreuung“ – so lautet eine Vortragsreihe, die die Evangelische Familien-Bildungsstätte Delmenhorst ab Ende Oktober veranstaltet. Der Titel der Vortragsreihe täuscht ein wenig, denn bei diesen Veranstaltungen geht es keineswegs ausschließlich um philosophische Fragen der Ethik und Moral, vielmehr stehen Anregungen zur häuslichen Pflege und Informationen zur Versorgung eines pflegebedürftigen Angehörigen im Vordergrund.

Die Zahl der pflegebedürftigen älteren Menschen steigt kontinuierlich an, und die Möglichkeiten der medizinischen Behandlung entwickeln sich stetig weiter. Oft kommen die Angehörigen den sich neu ergebenden Fragestellungen innerhalb der Familie nicht mehr nach. Wie lange soll Mutter zu Hause bleiben? Gibt es ausreichende Versorgungsmöglichkeiten? Dahinter stehen nicht nur finanzielle und organisatorische Fragestellungen, sondern auch moralische Wertevorstellungen und ethische Grenzen. Diese Themen bedürften einer sehr individuellen und privaten Auseinandersetzung mit sich selbst und in der Familie, heißt es in der Ankündigung. Genau bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen sollen die Vorträge Anregungen geben und für die Teilnehmer Impulse setzen.

„Für viele Betroffene ist es eine Hürde, sich beraten zu lassen. Mit unseren Vorträgen um das Thema Älterwerden wollen wir niedrigschwellig, unverbindlich und kostenfrei informieren“, erklärt Christina Reinemann, Fachbereichsleiterin in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte. Gemeinsam mit Axel Günther, Pflegefachkraft bei der AOK, ist sie für die Organisation der Vortragsreihe verantwortlich. „Wenn beispielsweise Kinder ihre Eltern pflegen, gibt es viele Fragen über die Gestaltung des Lebens aller Beteiligten. Die Vorträge geben Auskunft, etwa wo Ansprechpartner zu finden sind, wer sich um die Kinder von pflegenden Kindern kümmert oder wo es finanzielle Hilfe gibt“, sagt Günther. Zudem gebe es die Möglichkeit, während der Veranstaltungen Fragen direkt an den Referenten zu stellen.

Erst e Unterstützungshilfen im Alter (24. Oktober 2019): Bei Senioren erkennen Angehörige im Laufe der Zeit oftmals Veränderungen im Alltag, zum Beispiel wenn die Sauberkeit in der Wohnung des Betroffenen nachlässt. Karin Knickmann (Hauskeeping), Mechthild Harders-Opolka (Hausservice), Dorothee Engelke (Stadt Delmenhorst), Monika Zabel (Evangelische Seniorenhilfe) geben Anregungen, wie solche Themen sensibel anzusprechen sind und wie erreicht werden kann, dass der Senior Hilfebedarf erkennt und Hilfe annimmt.

Ärztlic he Versorgung und Vorsorgevollmacht (7. November 2019): „Der Eintritt eines Pflegefalls stellt für viele Menschen immer noch ein Tabuthema dar“, sagt Christina Reinemann. Heino Bleydorn (Rechtlicher Betreuer und Geschäftsführer Betreuungsverein Delmenhorst) informiert unter anderem über die Ausstellung von Vollmachten, die beispielsweise zur ärztlichen Behandlung des Pflegebedürftigen notwendig sind.

Medizinische Versorgung – Medikamente und ihre Nebenwirkungen (21. November 2019): Die Apothekerin Christine Lutter beantwortet Fragen über Arzneien und versucht, Ängste abzubauen.

Umzug in ein anderes Leben (5. Dezember 2019): Ein Senior muss etwa sein geräumiges Geburtshaus verlassen und in eine kleine Seniorenwohnung ziehen. Martina Fröhberg (Immobilienmaklerin) und Dorothee Engelke (Stadt Delmenhorst) geben Ratschläge, wie alle Beteiligten Umzug und Haushaltsauflösung bewältigen können.

Wohnungsumbau (16. Januar 2020): „Wie kann ich mein Zuhause umbauen, dass ich nicht umziehen muss? Wieso soll ich mich von liebgewonnenen Dingen trennen?“ Themen, die man ungern nach außen trägt – Susanne Siemers (Wohnberatung Senioren, Schwerpunkt Bad) und Reiner Fulst (Bauverein Delmenhorst) geben umfassende Antworten.

AAL-Systeme (30. Januar 2020): AAL steht für „Ambient Assisted Living“, also elektronische Assistenzsysteme. Joachim Windolf (Consultant Ambient Assisted Living), Hans Christian Schröder (Mediziner) stellen diese Systeme vor und beantworten auch Fragen zum Datenschutz.

Pflegesituation – Ambulante Pflege und Tagespflege (13. Februar 2020): „Für viele Senioren ist es schwierig, Hilfe zuzulassen“, weiß Pflegefachkraft Axel Günther. Dunja Schulenberg (Diakoniestation) und Kerstin Haake (Awo-Tagespflege) geben Auskunft darüber, wie beispielsweise eine Tagespflege Angehörige entlasten kann, ohne dass die Pflegebedürftigen sich abgeschoben fühlen.

Pflegesituation – Ambulante Pflege und Tagespflege (27. Februar 2020): Friedrich Mohn (Leitung Wichernstift) und Axel Stellmann (Leitung Stephanus Stift) stellen Formen der Kurz- und Langzeitpflege vor und erläutern den Alltag in einer Pflegeeinrichtung. „Ein Pflegeantrag bedeutet nicht gleich eine Einweisung ins Heim“, sagt Axel Günther.

Ethik – Die ethische und philosophische Sicht auf die Pflege in Deutschland (12. März 2020): Was ist in der Pflege ethisch vertretbar? Darüber sprechen Siegfried Kretschmer (Philosoph und Ethikberater) und Dr. Herbert Meyer.

Ethik und Religion – Die religiöse Sicht auf das Leben und das Sterben (26. März 2020): Jede Religionsgemeinschaft hat einen anderen Umgang mit dem Thema Pflege. „Es soll auch um die Frage gehen: Wer darf mich eigentlich pflegen?“, sagt Fachbereichsleiterin Christina Reinemann. Zu dieser Veranstaltung werden Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften als Redner einladen.

Palliativ – Leben und Tod (16. April 2020): Die Vorbereitung auf den Tod, die Organisation von Trauerfeier und Beerdigung und die Begleitung der Angehörigen während der Trauerphase sind die Themen bei Martina Meinken (Hospizdienst) und Maciej Kubiak (Beerdingungsinstitut Freuer).

Abschlussdiskussion zur Vortragsreihe „Moralische und ethische Fragestellungen in der Angehörigenbetreuung“ (30. April 2020): Am Ende der Vortragsreihe wird ein Resümee gezogen.

Die Veranstaltungen finden bis auf die Weihnachtszeit an jedem zweiten Donnerstag von 17.30 bis 19.30 Uhr im Gemeindezentrum an der Lutherstraße 4 statt. Der Eintritt zu den Vorträgen ist kostenfrei. Da es nur eine begrenzte Zahl an Sitzplätzen gibt, wird um eine Anmeldung unter Telefon 0 42 21 / 99 87 20 oder per E-Mail an info@efb-del-ol.de gebeten.

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