Pilotstudie an der IGS

Kinder sollen für gesundes Essen begeistert werden

Wie bekommt man Kinder dazu, mehr Gemüse und Salat zu essen? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit die Pilotstudie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie. Vier fünfte Klassen der IGS werden dafür sechs Wochen lang beim Mittagessen begleitet.
12.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Kinder sollen für gesundes Essen begeistert werden
Von Esther Nöggerath

Wie bekommt man Kinder dazu, mehr Gemüse und Salat zu essen? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit die Pilotstudie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie. Vier fünfte Klassen der IGS werden dafür sechs Wochen lang beim Mittagessen begleitet.

Bratwurst mit Ketchup und Kartoffeln liegen auf den Tellern der fünften Klassen an der Integrierten Gesamtschule (IGS), als diese zum Mittag in der Mensa sitzen. Aber einige der Zehn- und Elfjährigen haben sich auch ein Schüsselchen mit Salat, Paprikaschnitzen oder Gurke geholt. Seit fünf Wochen läuft die Pilotstudie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS (ehemals Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin) – an der IGS.

Studie über sechs Wochen

Sie untersucht, wie Schüler auf einfache Weise motiviert werden können, mehr gesunde Lebensmittel zu essen. I.Family heißt das EU-Projekt, in dessen Rahmen die Studie stattfindet. Neben der Delmenhorster Schule beteiligen sich Bildungseinrichtungen in Polen, Ungarn, Schweden und Estland daran. Das Projekt baut auf die Idefics-Studie auf, mit der an Delmenhorster Grundschulen und Kindertagesstätten Ursachen für Übergewicht untersucht worden waren (wir berichteten).

Insgesamt sechs Wochen läuft die Ernährungsstudie an der IGS, an der sich vier fünfte Klassen, insgesamt rund 120 Schüler, beteiligen. In den ersten zwei Wochen wurde nur beobachtet, in den mittleren zwei Wochen startete dann die aktive Phase: Jeder Schüler, der sich zusätzlich für Salat oder Gemüse beim Mittag entschied, bekam einen Smiley-Stempel auf sein Kärtchen. „Als es die ersten Smileys gab, haben die Schüler Schlange am Salatbüfett gestanden“, freute sich Maike Wolters, die nationale Koordinatorin von I.Family. „Es gab einen regelrechten Hype um die Smileys“, stimmte Schulleiter Ingo Fricke zu. „Die Kinder waren sehr darauf erpicht, einen zu bekommen.“ „Es wird mehr Gemüse genommen, auch mehr gegessen, aber auch mehr weggeschmissen“, resümierte Maike Wolters. Das liege daran, dass viele sich dann doch überschätzten und sich mehr auftäten, als sie letztlich schafften.

Smiley-Effekt

Das Verhalten der Kinder wird von fünf Mitarbeitern genau beobachtet und dokumentiert, die das Mittagessen täglich begleiten. Dass nicht, wie geplant, speziell die Grundschüler an dem Projekt mitmachen, die auch bereits an der Idefics-Studie beteiligt waren, liege daran, dass diese jetzt über alle weiterführenden Schulen verstreut seien, erklärte Maike Wolters.

Jetzt in der fünften Woche der Studie gibt es keinen Stempel mehr für den Griff zum Gurkensalat. „Die spannende Frage ist nun, ob sich der Smiley-Effekt auch weiter aufrecht erhält“, sagte die Koordinatorin. Es sei bekannt, dass Kinder, die häufiger Gemüse und Salat essen, auch lieber dazu greifen. „Man isst eben lieber das, was man kennt.“

Ziel des Projekts ist es, die Schüler mit Hilfe eines Motivationsreizes, hier die Stempel, für gesunde Lebensmittel zu begeistern. Der Smiley-Effekt funktioniert aber nur bei den jüngeren Schülern. „Bei den Achtklässlern ist die Mensa allgemein total uncool, von denen kommt kaum jemand zum Mittag hierher“, verriet Fricke. Erst ab der neunten oder zehnten Klasse würde sich das wieder etwas regulieren.

Kontrolle am Gymnasium

Damit die Studie nicht durch Skandale, wie etwa der EHEC-Epidemie vor wenigen Jahren, oder andere äußere Faktoren beeinflusst oder verfälscht werden kann, läuft parallel zu den Untersuchungen an der IGS eine Kontrolle am Gymnasium an der Willmsstraße. „Falls dann an beiden Schulen weniger Gemüse oder Salat gegessen wird, wissen wir, dass das nichts mit der Studie zu tun hat“, erklärte Maike Wolters.

Die endgültigen Ergebnisse der Studie werden für März 2015 erwartet. Wenn das Pilotprojekt erfolgreich ist, plant das BIPS weitere Studien an anderen Schulen. Auch die IGS überlegt, ob sie sich noch einmal daran beteiligen soll. „Es wäre spannend zu sehen, ob das Ergebnis nur an dem Jahrgang lag oder ob das auch bei anderen funktioniert“, sagte Fricke. Denn die Jahrgänge seien unglaublich verschieden.

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