Gesundheit in Delmenhorst

Knotenpunkt Nachbarschaft

Gesundheitsförderung und Prävention speziell in sozial benachteiligten Familien ist das Ziel eines neuen Netzwerkes in Delmenhorst: „Gesund und bunt“ heißt es. Wichtig darin: die Nachbarschaftsbüros.
14.03.2019, 08:47
Lesedauer: 4 Min
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Knotenpunkt Nachbarschaft
Von Andreas D. Becker
Knotenpunkt Nachbarschaft

Auch das Thema Gesundheit soll in den Nachbarschaftsbüros der Diakonie im Wollepark (unser Bild), in Düsternort und in Hasport zukünftig eine größere Rolle spielen. Dort sollen die Fäden zusammenlaufen, wenn Familien lernen möchten, an wen sie sich in Sachen Gesundheitsförderung und Prävention wenden können.

Ingo Möllers

Es ist ein Dschungel, in den Anna Stumpe eingedrungen ist. Ein Netzwerk-Dschungel, der durch die gesamte Stadt wuchert. Was im ersten Moment auch nicht schlecht ist, weil irgendwie eben ganz viele der Akteure in der Stadt – Vereine, Institutionen, Nachbarschaftsbüros – zusammenarbeiten, mal enger, mal loser, aber eben doch: zusammen. Anna Stumpe, Mitarbeiterin des Delmenhorster Instituts für Gesundheitsförderung (DIG) drang Ende 2017 in dieses Geflecht ein, um herauszufinden, wie es gelingen kann, sozial benachteiligte Familien darin einen besseren Zugang zu Gesundheitsangeboten in der Stadt zu schaffen, ohne dass sie sich in diesem Dschungel verlaufen. „Bei der Befragung der Akteure wurden rund 50 Netzwerke genannt. Und das ist für die Arbeit in der Gesundheitsförderung und Prävention nicht unbedingt hilfreich“, sagt sie. Das soll sich ändern. Das DIG hat zur Lösung des Problems jetzt erst einmal etwas auf den Weg gebracht: ein neues Netzwerk.

„Gesund und bunt. Gemeinsam in Delmenhorst“ heißt das Projekt, für das sich dieses, das nun 51. Netzwerk, gründet. Am Montag kamen rund 30 Akteure aus der Stadt zum Auftakttreffen zusammen, aus allen Bereichen, die mit Gesundheit und Prävention zu tun haben: Die Polizei saß mit im Raum, eine Kinderärztin, Integrations- und Bildungsarbeiter, der Stadtsportbund, Mitarbeiter aus den Fachbereichen Soziales und Gesundheit, und, ganz entscheidend, die Teams der Nachbarschaftsbüros der Diakonie in Delmenhorst/Oldenburg-Land, die neben dem Verband der Ersatzkassen (VDEK) und des Ersatzkassen-Projektes „Gesunde Lebenswelten“ Kooperationspartner des DIG sind. Entscheidend deswegen, weil den Nachbarschaftsbüros im Wollepark, in Düsternort und in Hasport eine besondere Bedeutung in diesem neuen Netzwerk zukommen soll. Im offiziellen „Gesund-und-bunt“-Flyer heißt es: „Etablierung der Nachbarschaftsbüros als Anlaufstelle für Familien bei Fragen zu Gesundheitsförderung und Prävention.“

Was nicht bedeutet, dass die Nachbarschaftsbüros in Zukunft so etwas wie kleine Gesundheitszentren werden sollen. Es geht nicht darum, die Gemeinwesenarbeit aufzugeben, um in Zukunft Zumba-Kurse anzubieten. Es geht vielmehr darum, dass Familien lernen sollen, dass sie dort Hilfe bekommen, wenn sie Fragen haben. Wenn sie zum Beispiel einen Sportverein für ihre Kinder suchen. Oder einen Arzt, der ihnen helfen kann, auch damit sie nicht bei jedem Wehwehchen direkt in die Notaufnahme des Krankenhauses fahren. Die Nachbarschaftsbüros sind deswegen ausgesucht worden, weil sie bereits in den Stadtteilen, in denen die meisten sozial benachteiligen Familien in der Stadt leben, verankert sind. Und weil Nachbarschaft eine große Rolle spielt, wenn es darum geht, den Alltag zu gestalten. Sie ist eine „Rahmenbedingung“, wie es Katharina Viehmann vom VDEK nennt. Und diese Rahmenbedingungen hätten eine direkt Auswirkung auf die Gesundheit der Menschen.

Allerdings hat sich bei den Gesprächen mit 31 Familien im Rahmen der vorbereitenden Arbeiten im vergangenen Jahr ein Problem ergeben. Viele Menschen erleben ihre Nachbarschaft eben nicht als ein Umfeld, in dem sie sich wohl fühlen, in dem sie sich gut aufgehoben fühlen, in dem sich sich also von allein Hilfe holen würden, wenn sie Fragen haben. „Wichtig ist es deswegen, dass die Menschen ein positives Bild von ihrer eigenen Nachbarschaft bekommen“, sagt Projektkoordinatorin Anna Stumpe. Und da soll der erste Baustein des Projektes „Gesund und bunt“ ansetzen: Spielspaziergänge. Es geht darum, die eigene Nachbarschaft kennenzulernen. Oder vielleicht auch neu kennenzulernen, aktiv, verspielt, anders als bisher. Es ist sozusagen eine Erkundungstour mit Sport, Spiel und Spaß. Die Details, wie die Spaziergänge aussehen, müssen nun noch erarbeitet werden.

Darauf aufbauend sollen in einem zweiten Schritt Gesundheitshelfer ausgebildet werden. Dabei handelt es sich bewusst nicht um Fachleute, sondern möglichst um Menschen aus der jeweiligen Bevölkerungsgruppe, die man vielleicht eher mal anspricht, weil man sich kennt, weil man die gleiche Sprache spricht. Und diese Gesundheitshelfer sollen lernen, wer wo als Ansprechpartner für welche Frage zu finden ist. „Der Bedarf danach ist gigantisch, denn die Orientierung im deutschen Gesundheitssystem ist schwierig“, sagt Johann Böhmann, Chef des DIG, früherer Chefarzt der Kinderklinik. Er weiß, wovon er spricht. Und er war es auch, der das Projekt angeschoben hat, genau darum wissend, dass Gesundheitsprävention in Deutschland oft eine Frage von sozialem Status ist. Das soll geändert werden. Und ein guter Hebel, um das zu ändern, wurde in der Nachbarschaft identifiziert. Gerade in den Quartieren, in denen die Hemmschwelle hoch liegt, sich an offizielle Stellen zu wenden, vielleicht auch wegen sprachlicher Schwierigkeiten.

Böhmann hofft, dass die Akteure, die zum Auftakttreffen des Netzwerkes gekommen sind, zum nächsten Termin am 22. Mai jeweils noch einen weiteren Partner, der für die Aufgabe wichtig ist, mitbringen. Damit sie sich alle kennenlernen. Damit sie sich gemeinsam darauf einigen, was Gesundheitsförderung und Prävention heißt. Und dass die wichtigsten Knotenpunkte des Netzwerkes in Zukunft die Nachbarschaftsbüros sind.

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