Weihnachtsbaum-Schreddern auf Markplatz Knutschen in Ganderkesee

Nur wenige Sekunden dauert es, bis der große Häcksler, den Volker Kreye und sein Team auf dem Marktplatz aufgebaut hatten, einen ausgewachsenen Weihnachtsbaum in Sägespäne verwandelt.
09.01.2017, 00:00
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Knutschen in Ganderkesee
Von Jochen Brünner

Nur wenige Sekunden dauert es, bis der große Häcksler, den Volker Kreye und sein Team auf dem Marktplatz aufgebaut hatten, einen ausgewachsenen Weihnachtsbaum in Sägespäne verwandelt.

Trotzdem kam Thorsten Wiedebusch mitunter mit dem Häckseln kaum hinterher, so zahlreich brachten die Menschen ihre ausrangierten Bäume zum Schredderfest. Überall sah man am Sonntag zumeist Familien mit Ziel Marktplatz durch den Ort spazieren, die ihre abgeschmückten Weihnachtsbäume hinter sich herzogen.

Unter dem Motto „Knutschen“ hatte die Werbegemeinschaft „Gantermarkt“ den schwedischen Brauch, Weihnachtsbäume am St.-Knuts-Tag zu entsorgen, zum zweiten Mal zu einem örtlichen Aktionstag genutzt. Waren es bei der Premiere im vergangenen Jahr rund 300 Bäume, die die Ganderkeseer auf diese Weise los geworden sind, so konnte diese Zahl am gestrigen Sonntag locker getoppt werden: „Am Ende waren es zwischen 460 und 470 Bäume“, erklärte Gantermarkt-Vorsitzender Timo Vetter am Abend.

"Knutscheine" verteilt

Es ist ein schwer zu erklärendes Phänomen: Da beklagen Politik und der örtliche Einzelhandel die geringe Attraktivität von Marktplatz und Rathausstraße, doch kaum steht ein Event ins Haus, strömen die Leute in den Ortskern. Nicht nur auf dem Marktplatz, wo Bier- und Bratwurstbude am Sonntagnachmittag die viel zitierte „Aufenthaltsqualität“ schufen, auch in den Geschäften herrschte mitunter Hochbetrieb. Das könnte wiederum auch an den „Knutscheinen“ gelegen haben, die die Initiatoren verteilten. Denn wer seinen Baum – oder zumindest eine Spitze oder einen größeren Zweig – zum Schreddern brachte, erhielt zugleich eine Einladung, an den Rabattaktionen des Einzelhandels teilzunehmen. Und dabei ließen sich die Besucher auch von ungemütlichen Temperaturen nicht schrecken.

Dem „Knutschen“-Sonntag kommt sicherlich auch die Tatsache entgegen, dass es in der Gemeinde Ganderkesee (einmal abgesehen vom Abholservice der Jugendfeuerwehr Schierbrok-Schönemoor) keine gesonderte Weihnachtsbaum-Sammlung gibt. Und die Abgabe der alten Bäume im Kompostwerk ist kostenpflichtig. „Im vergangenen Jahr hat uns die große Nachfrage einigermaßen überrascht. Diesmal waren wir besser vorbereitet und haben gleich einen großen Container auf dem Marktplatz platziert“, meinte Vetter. „Aber wir waren erneut knapp an der Kapazitätsgrenze.“

Während in Rheinland-Pfalz gestern bereits die elfte Weltmeisterschaft im Weihnachtsbaum-Werfen stattfand, ging es auf dem Ganderkeseer Marktplatz nur um die Ehre – und um respektable Geldpreise sowie Freikarten für das Saunahuus und die Bäder. Die Jugendfeuerwehr Ganderkesee hatte wieder den entsprechenden Wettbewerb organisiert. Während sich bei Frauen und Kindern die Sechs-Meter-Marke als Maß aller Dinge erwies, mussten die Männer den Baum schon auf mindestens neun Meter wuchten, um vorn dabei zu sein. Die Technik blieb dabei den Teilnehmern selbst überlassen: Während einige den Baum als Wurfspeer verstanden, versuchten sich andere in einer Schleudertechnik, die entfernt dem Hammerwurf abgeschaut war.

Viel Applaus gab es auch für die Aktionskünstler der Bremer Gruppe „Freies Feuer“, die am frühen Abend ihre Feuershow zeigten und dem Tag einen stimmungsvollen Höhepunkt verliehen.

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