Kommunalwahl in Delmenhorst und Landkreis

Schwarz/Grün stellt Rot in den Schatten

Petra Gerlach und Funda Gür gehen in die Stichwahl um Delmenhorsts Oberbürgermeisteramt. Die AfD schnitt überraschend schlecht ab. In Wildeshausens Kreistag zieht mit Christian Pundt ein neuer Landrat ein.
12.09.2021, 21:29
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Tobias Hensel Annika Lütje Gerwin Möller Björn Struß
Schwarz/Grün stellt Rot in den Schatten

Sie geht mit großem Vorsprung in die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in Delmenhorst: Petra Gerlach, die für CDU und Grüne antritt.

Tammo Ernst

Es ist ein historisches Ergebnis: Noch nie zuvor hat es in der Geschichte der Stadt Delmenhorst eine Frau an die Spitze des Rathauses geschafft. Darauf läuft es in der Stichwahl der Oberbürgermeisterwahl am 26. September aber hinaus: Petra Gerlach, die von CDU und Grünen nominiert ist, und Funda Gür als SPD-Kandidatin haben am Sonntag die meisten Stimmen bekommen. Wobei Gerlach mit 44,58 Prozent deutlich vor Funda Gür lag. Die Sozialdemokratin hat mit ihren 20,58 Prozent ebenso deutlich den FDP-Kandidaten Murat Kalmis (12,09 Prozent) übertroffen. Für die AfD holte deren Kandidat Jaroslaw Poljak gerade einmal 5,54 Prozent. Die verbliebenen sieben Kandidaten kamen auf 17,20 Prozent.

Petra Gerlach betrat die Markthalle um 19 Uhr, als knapp die Hälfte der Wahllokale ausgezählt war. Eine Entscheidung des Wahlabends war noch nicht gefallen, trotzdem begrüßten die Anhänger von CDU und Grünen Gerlach und ihren Mann Ralf mit lautem Jubel. Nachdem das Ergebnis aus dem ersten Wahllokal über die Anzeige geflimmert war, blieb der schwarze Balken der Christdemokratin konstant doppelt so groß wie der von Funda Gür (SPD), der Zweitplatzierten. Bis zum Ende der Auszählung änderte sich daran nichts mehr.

"Das fühlt sich gut an, aber immer noch etwas unwirklich", sagte Gerlach. Sie freue sich auch für ihr Wahlkampfteam, der große Aufwand der vergangenen Monate habe sich gelohnt. Mit einem Abstand von letztlich rund fünf Prozent schien während des Abends sogar ein Ergebnis von über 50 Prozent möglich, dann wäre Gerlach direkt gewählt gewesen. „Bei elf Bewerbern erschien mir dies aber von Anfang an sehr unwahrscheinlich“, sagte Gerlach. Im Vergleich zu Gür, gegen die sie nun am 26. September in die Stichwahl geht, betonte Gerlach ihre langjährige Führungserfahrung in der Delmenhorster Stadtverwaltung. "Das ist noch mal etwas anderes, als eine Landesbehörde zu leiten", sagte die Siegerin des Abends. Gür hat ihre Erfahrung in Hamburg gesammelt, etwa als leitende Mitarbeiterin des Wirtschaftssenators.

Das fühlt sich gut an, aber immer noch etwas unwirklich
OB-Kandidatin Petra Gerlach über das Wahlergebnis 

Funda Gür sieht sich für die Stichwahl in zwei Wochen gut aufgestellt: "Jetzt geht es los", so die Zweitplatzierte. Sie werde in den kommenden Tagen "Klinken putzen und ordentlich Gas geben". Dass sie sich unter elf Bewerbern für die Endrunde qualifiziert hat, betrachte sie als Zwischenerfolg.

Aus den Reihen der FDP äußerte sich zunächst deren Delmenhorster Parteichef, Werner Stoffregen. Dass Petra Gerlach so weit vorne liege, habe er nicht erwartet, Delmenhorst sei doch eigentlich als eine SPD-Hochburg eingestuft worden. Ob die Liberalen, ihr Kandidat landet nicht in der Stichwahl, eine Wahlempfehlung zugunsten einer der beiden verbliebenen Frauen aussprechen, hält Stoffregen für denkbar, man werde darüber Montagabend in einer Vorstandssitzung beraten.

Immerhin den vierten Platz erreichte Jaroslaw Poljak als Bewerber der AfD. Er habe sich zwar mehr erhofft, finde das Ergebnis aber gar nicht schlecht. Poljak blickte auch auf das Abschneiden seiner Partei bei den Stadtratswahlen, denn auch dort hat die AfD massiv an Stimmen verloren. 8,29 Prozent hat sie bekommen. Poljak macht dafür auch eine unfaire Behandlung seiner Partei im Wahlkampf verantwortlich. Selbstkritisch sieht er aber auch Fehler der Arbeit der zurückliegenden fünf Jahre.

Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stadtrat

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich SPD und CDU bei der Stadtratswahl. Letztlich hatten die Sozialdemokraten mit 28,99 Prozent die Nase vorn. Die CDU folgt mit 28,36 Prozent knapp dahinter. Auch Grüne und FDP lagen dicht beieinander. Mit 10,58 Prozent überholte die FDP die Grünen (10,42 Prozent) nur sehr knapp. Die Linke erhielt 3,81 Prozent der Stimmen, die Delmenhorster Liste 3,39 Prozent, Die Partei 2,99 Prozent, die Freien Wähler 2,26 Prozent, das Bürgerforum 0,77 Prozent und Einzelkandidat Stephan Büssing-Teikners 0,14 Prozent.

Damit entfielen auf die SPD im Stadtrat 13 Sitze, auf die CDU zwölf Sitze. Grüne und FDP bekamen jeweils fünf Sitze. Der AfD bleiben vier Sitze, während die Linke zwei Sitze erhielt. Die Partei, die Delmenhorster Liste und die Freien Wähler mussten sich jeweils mit einem Sitz begnügen.

Christian Pundt neuer Landrat im Landkreis Oldenburg

Gewählt wurde auch der Landrat im Landkreis Oldenburg. Anders als in Delmenhorst hat es dort bereits ein Ergebnis gegeben. Der parteilose Bürgermeister der Gemeinde Hatten, Christian Pundt, startete mit Heimvorteil und der Unterstützung aller bislang im Kreistag vertretenen Parteien in den Wahlkampf – außer derer der AfD. Nun konnte er sich mit 63,39 Prozent gegen seine einzige Konkurrentin Sabine Drees durchsetzen. Drees war als parteilose Einzelkandidatin angetreten. Pundt dankte am Wahlabend seinen Unterstützern und nahm Blumensträuße in Empfang.

Sein Amtsvorgänger Landrat Carsten Harings (parteilos) sagte, es hätte ein geeigneter und kompetenter Nachfolger gefunden werden müssen, dieser habe nun ein sehr respektables Ergebnis erhalten. Drees zeigte sich über ihr Abschneiden erfreut. „Ich habe nicht mit einem so guten Ergebnis gerechnet, zumal ich als Einzelkandidatin auf keinerlei Unterstützung zählen konnte. Insbesondere freue ich mich über das sehr gute Ergebnis in Wildeshausen und den großen Zuspruch, den ich insbesondere von Frauen erhalten habe.“ Drees hatte in Wildeshausen 49,15 Prozent geholt. Pundt: „Dass ich in Hatten fast 90 Prozent Zustimmung erhalten habe, löst in mir Gänsehaut aus. Ich fühle mich in meiner Arbeit als Hatter Bürgermeister sehr bestätigt.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+