Stadt lässt gerade Lärmaktionsplanung erstellen: Handlungsbedarf entlang der Autobahn und der Schienen Krank machendes Verkehrsgetöse

Lärm macht krank. Deswegen sollen Bürger vor zu lauten Geräuschen geschützt werden. Die Europäische Union hat dafür 2002 die EG-Umgebungslärmrichtlinie erlassen. Die wiederum wurde Teil des Bundes-Immissionsschutzgesetzes – und das zwingt die Stadt, die Lärmbelästigung, die durch den Verkehr auf Straßen und Schienen entsteht, zu untersuchen. Die Bestandsanalyse wird kommende Woche den Planungs- und Umweltpolitikern vorgestellt.
04.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Lärm macht krank. Deswegen sollen Bürger vor zu lauten Geräuschen geschützt werden. Die Europäische Union hat dafür 2002 die EG-Umgebungslärmrichtlinie erlassen. Die wiederum wurde Teil des Bundes-Immissionsschutzgesetzes – und das zwingt die Stadt, die Lärmbelästigung, die durch den Verkehr auf Straßen und Schienen entsteht, zu untersuchen. Die Bestandsanalyse wird kommende Woche den Planungs- und Umweltpolitikern vorgestellt.

Delmenhorst. Dröhnende Lkw-Motoren, rumpelnde Autos und laut ratternde Züge können nerven. Sie können aber auch krank machen, wenn man sie dauernd zu laut hören muss. "Das kann zu Schlafstörungen führen", sagt die Diplom-Ingenieurin Sonja Patermann von der Berliner LK Argus, die zusammen mit dem Lärmkontor aus Hamburg die Geräuschbelastungen der Delmenhorster Bevölkerung untersucht und gerade die "Lärmaktionsplanung der Stadt Delmenhorst" erstellt.

Wer nachts schlecht schläft, ist meistens nicht nur mürrisch und reagiert noch genervter auf laute Autos und Brummis, wer nachts schlecht schläft, bekommt gesundheitliche Probleme. Schlechter Schlaf bedeutet Stress für den Körper, weil er sich nicht richtig erholen kann. Das kann sogar zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen. Deswegen will die Europäische Union, dass die Städte ihre Bürger vor zu viel Lärm schützen. Zumindest theoretisch. "Zwar muss ein solcher Lärmaktionsplan aufgestellt werden, aber es ist nicht bindend, dann die Maßnahmen auch tatsächlich umzusetzen", erklärt Sonja Patermann.

Das, was sie und ihre Kollegen für Delmenhorst bei der Bestandsanalyse herausgefunden haben, ist nicht weiter überraschend. Vor allem entlang der Autobahn 28, in der Nachbarschaft der Schienenstränge und längs der Hauptverkehrsadern sind die Bürger zu lautem Verkehrslärm ausgesetzt. Der darf laut Gesetz tagsüber nicht dauerhaft über 65 Dezibel und nachts nicht über 55 Dezibel liegen. Wobei die Stadt Delmenhorst selbst noch strenger ist, langfristig soll nachts sogar ein Grenzwert von 40 Dezibel nicht überschritten werden.

Bis es aber so weit ist, gibt es noch viel zu tun. Laut Bestandsanalyse "sind rund 2200 Menschen am Tag und rund 2700 Menschen in der Nacht Lärmpegeln oberhalb der Auslösewerte ausgesetzt". Rund drei Prozent der Bevölkerung muss also mit zu viel Lärm aus dem Straßenverkehr leben. Etwas schlimmer ist es mit dem Bahnverkehr: Zurzeit sind am Tag 2400 Bürger, nachts rund 3300 Bürger von zu großem Bahnlärm betroffen – allerdings sind die just von der Bahn durchgeführten Lärmschutzmaßnahmen in ihrer Wirkung noch nicht berücksichtigt.

Auf der Grundlage der ermittelten Werte erarbeiten die Ingenieure nun in einem zweiten Schritt Strategien, wie der Lärm gemindert werden kann. Entlang der A 28 könnte zum Beispiel geguckt werden, ob sich die Lärmschutzwände verbessern lassen. "Man könnte aber auch lärmmindernden Asphalt verbauen", erklärt Sonja Patermann. Eine Möglichkeit, die natürlich auch für innerstädtische Straßen denkbar wäre. Zwar sind die Straßen in der Stadt im Großen und Ganzen in einem ordentlichen Zustand, allerdings gilt das gerade nicht für die Hauptverkehrsadern, auf denen sowieso schon der meiste Verkehr rollt. In dem Gutachten heißt es: "Im Durchschnitt befinden sich die Fahrbahnen an den Handlungsschwerpunkten in einem mittelmäßigen Zustand." Wenn die sowieso neu gemacht werden müssen, ließe sich auch gleich Flüsterasphalt verbauen.

Neben solchen technischen Möglichkeiten lässt sich auch durch planerische Maßnahmen der Lärm reduzieren. "Man kann Tempo 30 einrichten – in Berlin wurde das aus Lärmschutzgründen bereits gemacht", erklärt die Ingenieurin. Aber die Verkehrsexperten wissen, dass dies ein unpopulärer Vorschlag ist, denn Tempolimits sind politisch oft nur schwer zu verkaufen. Zudem müssten die Ampelschaltungen optimal auf das Tempo eingestellt werden: Ein gut fließender Verkehr ist ebenfalls geräuschärmer als Fahrzeuge, die ständig vor Ampeln stehen und anfahren müssen.

Bis die konkreten Vorschläge für Delmenhorst erarbeitet sind, dauert es noch etwas. Bis zum 18. Juli 2013 hat die Stadt laut Gesetz noch Zeit, ihren vollständigen Lärmaktionsplan vorzulegen.

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