Kritiker des Standorts Innenstadt fordern neue Kostenkalkulation

Krankenhaus-Initiative plant Demonstration

Delmenhorst. „Wir sind so übern Tisch gezogen worden – auch mit Lügen.“ So beschreibt Ratsfrau Eva Sassen (Bürgerforum) die Grundstimmung und damit auch die Motivation von gut einem Dutzend Bürgern aus Delmenhorst und Ganderkesee, die am Mittwochabend die Initiative „Krankenhaus“ gegründet haben.
04.11.2016, 00:00
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Von Ute Winsemann

Delmenhorst. „Wir sind so übern Tisch gezogen worden – auch mit Lügen.“ So beschreibt Ratsfrau Eva Sassen (Bürgerforum) die Grundstimmung und damit auch die Motivation von gut einem Dutzend Bürgern aus Delmenhorst und Ganderkesee, die am Mittwochabend die Initiative „Krankenhaus“ gegründet haben. Deren Hauptziel ist, dass nach der vollzogenen Fusion des ehemals städtischen Klinikums Delmenhorst und des katholischen St.-Josef-Stifts zum Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) der gemeinsame Betrieb dauerhaft auf dem bisherigen Klinikum-Gelände in Deichhorst bleiben und nicht nach einer mehrjährigen Bauphase an den früheren Stift-Standort in der Innenstadt verlegt werden soll.

Dass der Umzug bereits beschlossen ist, ficht die Kritiker nicht an. Denn sie gehen unter anderem davon aus, dass die zugrundeliegenden Kalkulationen, nach denen ein Verbleib an der Wildeshauser Straße teurer wäre als die geplante Vergrößerung an der Westerstraße, nicht stimmen. Unter anderem bezweifeln sie, dass die Übergangsphase mehr Geld verschlänge. „Da ist ganz viel Fläche, und die gehört der Stadt“, sagte Sassen. Nach hinten raus könnte neu gebaut werden, während vorne bis zum Umzug weiter gearbeitet würde, ohne dass Provisorien geschaffen werden müssten.

Deshalb ist eine Forderung der neuen Initiative, dass JHD-Geschäftsführer Thomas Breidenbach eine neue Kalkulation für Deichhorst aufstellen solle. Wenn die, wie erwartet, günstiger ausfalle als für die Innenstadt, müsse auch das Land als Geldgeber mitziehen, meinte Sassen. Trotz der Aussage, dass der Zuschuss an den Antrag gebunden ist, kann sie sich „nicht vorstellen, dass dieser Austausch nicht vollzogen werden kann“. Thomas Breidenbach zeigt allerdings keine Lust, noch einmal von vorne anzufangen. „Ich sehe keinen Sinn darin, weitere Berechnungen anzustellen, nachdem sämtliche relevanten Entscheidungen gefallen sind“, sagte er auf Nachfrage.

Und er kritisierte seinerseits die Kritiker: „Die fortgesetzte Debatte schadet dem JHD. Denn sie bringt Unruhe bei Mitarbeitern und Patienten.“ Seine Prioritäten seien andere: „Wir müssen jetzt mit aller Energie die Zukunft gestalten“, forderte er, „damit die bauliche Substanz und die Prozesse den Anforderungen gerecht werden können.“

Vorerst wird ihm die Initiative aber wohl keine Ruhe lassen. Im Gegenteil: Bereits für nächsten Dienstag hat die Gruppe, bei deren Gründung unter anderem Vertreter von Bürgerforum, Freien Wählern, SPD und Alternative für Deutschland (AfD) mitwirkten, nicht aber von der FDP, die im Kommunalwahlkampf besonders vehement gegen den Innenstadt-Standort gekämpft hatte, eine Demonstration angekündigt. Die Aktivisten wollen sich um 18 Uhr auf dem Marktplatz sammeln. Denn dort müssen die Ratsleute vorbeikommen, die ab 18.30 Uhr Informationen zu gesammelten Bauprojekten in der Innenstadt, darunter eben auch das JHD, erhalten sollen. Die Politiker will die Initiative unter anderem dazu bewegen, über den Umgang mit dem Bebauungsplan, der für den Neubau in der Innenstadt nötig ist, darauf hinzuwirken, „dass die Verwaltung neu arbeitet“, wie Sassen sagte.

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